Hammerheart Fanzine – Ausgabe 9


Hammerheart - Fanzine Nr.9Den deutschen Medien geht es schlecht. Der Journalismus jammert in einer Tour, muss sich im digitalen Zeitalter neu erfinden. Und bei den Printmedien sinken die Abo- und Verkaufszahlen. Erst heute habe ich gelesen, dass das Dynamite Magazin die Pforten schließt. Zugegeben, das tangiert den Metalhead reichlich wenig, dient es doch als gutes Exempel für die aktuelle Situation. Doch entgegen diesem Trend, erscheint die jüngste Ausgabe des HAMMERHEART als strahlender Heroe. Denn soweit ich dieses Untergrund-Produkt verfolge, hat sich das Fanzine noch nie so gut präsentiert.

Natürlich war sowohl die visuelle Präsentation und haptische Wertigkeit bereits zuvor auf einem Niveau mit den gängigen Kioskblättern; im Herzblut denen aber stark überlegen. Lediglich die Ausrichtung war zuweilen etwas… nennen wir es Nischengruppenorientiert.

Die mittlerweile neunte Ausgabe des Magazins legt aber in allen Belangen noch mal ordentlich einen drauf. Der Umfang ist so groß wie nie. Inklusive farbigem Cover, kommt man auf mächtige 116 Seiten Lesestoff (auch ein Grund, warum ich das bereits im Mai erschienene Heft erst jetzt bespreche). Mittlerweile reicht die übliche Klammerbindung nicht mehr aus; das Zine kommt nun als gebundenes Paperback. Erstaunlich robust, hat es doch so manche Reise in einer Tasche durch meinen Alltag wacker überstanden! Und aus der Erfahrung durch die letzten Ausgaben, ist das Layout unverändert professionell. Aufgeräumt, meist kontrastreich und gut Lesbar. Natürlich gibt es immer ein paar Kleinigkeiten: Durch kleine Fragturschrift schlecht lesbare Einleitungen (Walden-Interview) oder dass unter einer eingefügten Review-Box oder einem Bild noch zwei Zeilen Text zum lesen stehen. Aber Irgendwie muss man den begrenzten Platz mit dem vielen Inhalt füllen.

Und dieser ist dieses Mal wahrlich außergewöhnlich. Musikalisch zeigt sich das HAMMERHEART so divers, wie ich es noch nicht gesehen habe. Natürlich gibt es wieder Huldigungen an Bathory-inspirierte Bands aus dem Pagan Sektor und auch der Black Metal hat eine starke Fraktion. Dazu gesellt sich jetzt aber noch etwas Thrash Metal mit Disposal, angehaucht mit Crust bei Pest Hole, und ein starker Anteil Death Metal von finster bis Melodic. Dazwischen stehen als kleine Exoten die Heavy Metal Band Wolf und Death Wolf.

Zwischen Untergrund-Perlen und bekannten Fischen liest sich die Zusammenstellung illuster und abwechslungsreich: Sons Of Chrom, Fortid, King Of Asgard, Rimruna, Walden, Krakow vs Kampfar, Bhleg, Corpus Christii, Disposable, Pest Hole, Wolf, Death Wolf, Chapel Of Disease, Obscure Infinity, Phobocosm, Brutality, Insomnium, Bloodbath und Death.

Gerade das Gespräch mit Steve DiGiorgio bietet einen interessanten Einblick in die Death To All-Tribute Band, die Hintergründe und die Geschichte von Death selber. Die Interviews sind allesamt hingebungsvoll geschrieben und sehr unterhaltsam. Lediglich bei Walden weiß ich am Ende nicht wirklich, worum es geht.

Etwas spezieller ist da das Special zu Windir, das etwas die tragische Geschichte um Sänger Valfar und die Themen der Band behandelt. Dazu folgt ein Interview mit einem Szeneaktivisten im Sognametal, das zuweilen sehr privat, gar intim ist. Abgerundet wird dieses Feature mit Reviews zu den vier Windir Klassikern. Sehr schön, so einen Abschluss hätte ich mir auch für das Death Interview gewünscht. Leider werden hier lediglich alle Alben mit Punkten versehen aufgelistet. Ein Wie und Warum bleibt dem Leser unerschlossen.
Im King Of Asgard Gespräch gibt es noch einen kleinen Ausflug um das Thema der Sagengestalt Huldran, das angenehm „unnützes Wissen“ vermittelt.

Zusätzlich gibt es noch einen massiven Review-Teil. Auf 35 Seiten finden sich 135 CD-Kritiken, jeweils drei Besprechungen zu LPs, Tapes und DVDs und 9 Fanzine-Reviews von kleinen kopierten Fanzines zu professionellen Gazetten, von Bells Of Acheron oder Convival Hermit zu Grinded Into Sludge. Angenehmerweise gibt es kaum ein „schnell und abgehakt“-Review, sondern für ein gedrucktes Magazin außergewöhnlich tiefgehende Reviews. Selbst beim ein oder anderen Verriss. Das finde ich sehr angenehm und informativ!
An ein paar Stellen werden die Alben von zwei Seiten beleuchtet, eine Pro- und eine Kontra-Meinung stehen gegenüber. Und zu dieser Ansammlung an Rezensionen, gibt es bei den meisten Interviews noch mal gesondert eine Besprechung zur aktuellen Scheibe der entsprechenden Band. Lediglich Walden, Death, Brutality und Insomnium stellen hier Ausnahmen dar.

Mittendrin macht Schreiber Adam Bilke noch einen kleinen Exkurs und erzählt uns von sieben Schätzchen, die er in einer Grabbelkiste im Familienurlaub auf Griechenland gefunden hat.

Zum Schluss gesellt sich noch ein kleiner Reisebericht zum diesjährigen Hell Over Hammaburg Festival, inklusive Warm-Up-Party, der sich sehr unterhaltsam liest. Die zweite Live-Besprechung ist wieder etwas abseits „versteckt“ und behandelt den Auftritt von Death To All in Würzburg.

Was mich lediglich etwas zum nachdenken bringt… manche Alben werden in hohen Tönen gelobt – und dann aber punktuell mit irgendwas um die 8,5 bewertet. Rein vom Text hätte ich da was anderes vermutet. Ich finde Punktesysteme aber eh immer relativ kryptisch und verzichte hier deswegen auch bewusst darauf. Aber drauf geschissen. Passt alles schon so!

Insgesamt bekommt man für den unglaublich günstigen Preis von gerade mal 5 Euro (bzw. 6,66 inkl. P&P) einen ordentlichen Schmöker mit abwechslungsreichem und intensiven Lesefutter. Da sind manche oberflächlichen Konkurrenzblätter aus dem Kiosk bei ähnlichem Seitenvolumen deutlich teurer und inhaltsleerer. Deswegen wieder vollste Empfehlung, besonders in Anbetracht der vielfältigen Themen.

Noch als kleine Anmerkung zum Schluss: Der regelmäßige Leser von NecroSlaughter.de wird den ein oder anderen Beitrag vielleicht wiedererkennen, hat Rayk doch einige Interviews und Reviews bereits zuvor hier veröffentlicht. Auf Papier sieht das alles aber noch mal besser aus (;

Infos:
Sprache: Deutsch
Umfang: 116 Seiten, Cover 4c, Inhalt s/w, Offset-Druck, Hochglanzpapier
Inhalt: 20 Interviews, 147 CD-, 3 LP-, 3 Tape-, 3 DVD-, 9 Fanzine-Reviews, 2 Live-Berichte
Preis: 5 Euro (6,66 inkl. P&P)

http://adnoctum.de/