From Beyond… The Coffin Lid (Fanzine #5)


From-Beyond... - The-Coffin-Lid-5Wer auf der Suche nach etwas Besonderem ist, sollte FROM BEYOND… schnellstmöglich lesen! Es ist ein außerordentliches Stück Fanzine-Kunst. Etwas eigenwillig, aber mit einer besonderen Identität, fernab von all dem nichtssagenden Plattitüden und inhaltsleeren Interviews aus der grauen Masse an Online-Publikationen. Und auch im Printbereich steht Herausgeber Ipp mit seinem Ansatz fast alleine auf breiter Flur. Lediglich das Soleil Tryste kann in seiner Darbietung einen ähnlich gearteten Ansatz bieten. Dennoch unterscheiden sich beide Blätter massiv – und stellt sie somit außer Konkurrenz voneinander und abseits zu fast allen anderen Untergrund-Magazinen.

Zunächst mag die simple Aufmachung täuschen. Doch nur weil FROM BEYOND… nicht wie das Soleil Tryste auf Hochglanzpapier mit farbigem Cover gedruckt wurde, soll dies keinen Mangel an Qualität darstellen. Im Gegenteil, die reduzierte Darbietung unterstreicht die minimalistische, künstlerische Note des Magazins. Knapp unter Din A4 und aus zusammengetackerten Einzelseiten, ist es immer noch weit von den typischen DIY-Gazetten entfernt, die man sonst vielleicht für ihren leicht dilettantischen Kritzelcharme so nostalgisch liebt. Alleine das Strukturklebeband um die Heftung und das dickere Papier als Cover, machen FROM BEYOND haptisch wertig und deutlich robuster, als es beispielsweise Reborn In Ashes oder das verblichene Campaign For Musical Destruction in ähnlicher Fabrikation war.

Abseits von gängigen Stereotypen verzichtet Ipp auf gezeichnete Rahmen, Fragturschrift im inneren des Heftes und sogar auf Bilder von Artworks oder Bands. Ja, selbst die sonst obligatorischen Logos sind größtenteils nicht vorhanden. Lediglich WITCHRIST haben ihren Schriftzug als schmückendes Element erhalten. Ansonsten fährt FROM BEYOND… eine eigene, stringende Ästhetik. Anspruchsvolle Bilder von Friedhöfen, Statuen im Memento Mori, teils sogar ganzseitig. Dazu ein einheitliches, aufgeräumtes Schriftbild und Mut zum Leerraum. Alles sehr durchdacht und äußerst angenehm zu lesen, optisch fast mehr eine Design-Arbeit denn ein reguläres Fanzine.

Mit ähnlicher Liebe und Hingabe zum Detail, ist auch der Inhalt aufbereitet. Die Interviews sind intensiv, persönlich und nicht nur auf die Musik alleine reduziert. Vielmehr werden Bezüge zu Namen wie Otto Dix, Huldrych Zwingli oder Alban Stolz gezogen, Numberologie und Symbolik ebenso angesprochen, wie spirituelle, philosophische und sogar soziologische Aspekte behandelt werden. Dabei sind die die Gespräche oftmals über einen längeren Zeitraum entstanden und erscheinen wirklich mehr wie ein Dialog, denn der sonst übliche Fragenkatalog, der an einem Stück per Email an die Band geschickt wird. Das verleiht allen Zwigesprächen eine merkliche Intensität und äußerst kurzweilige Unterhaltsamkeit.

Natürlich sind nicht alle Gesprächspartner so erpicht auf einen intimen Informationsaustausch. Gerade, wenn das okkulte und geheimnisvolle Image gepflegt werden muss. So bleibt die ein oder andere Frage unbeantwortet. Ipp nimmt sich aber die redaktionelle Freiheit, auf entsprechende Versäumnisse hinzuweisen, seinem Unmut über manche Wortkargheit Luft zu machen oder gar Anmerkungen über verstrichene Zeiträume zwischen Frage und Antwort (oder eher zwischen Antwort, Informationsanreicherung und nächster Frage) zu annotieren. Wirklich ein interessanter Ansatz der Informationsdarstellung! Da sind Großteils fehlende Einleitungen zu den Interviews auch durchaus irrelevant. Die Platzierung von Daten über Bandmitglieder oder Diskografie im Vorspann eines Gesprächs ziehen den Fokus und das Bewusstsein des Lesers stärker auf diese Informationen, als es eine abschließende Auflistung täte. Ein simpler, aber raffinierter Schachzug!

Aufgeteilt in 9 Kapitel finden sich Interviews mit WITCHRIST, DENIAL OF GOD, SEPULCHRAL TEMPLE, MALTHUSIAN und dem Künstler hinter COMAWORX. Den Auftakt mach die Übersetzung des Gesprächs mit CRUCIAMENTUM aus der dritten (nicht in der fälschlicherweise beschriebenen zweiten) Ausgabe des Soleil Tryste. Über einen längeren Zweitraum, wurden diese Artikel zwischen 2013 und 2014 verfasst. Mehr als ein Jahr vor Erscheinen des FROM BEYOND… Nummer 5. Zeugt diese Zeitspanne vom Perfektionismus, den Ipp in sein Heft legt? Ich glaube schon, denn nichts wirkt wie dem Zufall überlassen.

Im Gegensatz zum typischen Fanzine, fehlen die ansonsten obligatorischen Reviews. In Zeiten schneller Releasezyklen, aktueller(er) Webzines und der Möglichkeit, sich selber ein Bild über Youtube, Bandcamp und andere Streamingseiten zu machen, vielleicht kein dummer Zug. So bleibt noch Platz für drei kleine Blicke über den Tellerrand. Eine etwas über eine Seite lange Kurzgeschichte über „Die Teufelsbäder von Braunlage“, eine Seite über die Sage der „Teufelsbrücke bei Völkermarkt“ und ein Artikel über das Brauchtum der Totenkrone. Das rundet die visuelle Komponente um die Friedhofsbilder und der Memento Mori-Ästhethik des Death Metals geschickt ab.

Dieses frische und durchaus eigenwillige Kunstwerk ist durchaus dem Fan von spirituellem und okkulten Death Metal, wie auch dem Freund ungewöhnlicher Untergrundkunst vollends zu empfehlen. Für Sechs Euro inklusive P&P innerhalb der BRD, kann man FROM BEYOND… direkt bei Ipp unter frombeyondipp@gmx.de bestellen.

Ich bin gespannter Vorfreude auf die Zukunft dieses interessanten Fanzines. Wie man aus einigen Kritiken entnehmen kann, hat sich das Magazin von Ausgabe 4 zu 5 bereits deutlich verändert. Größeres Format, Wegfall der Rezensionen, Wegfall des Fotobandes. Mal schauen, was Heft Nummer 6 für Überraschungen birgt…

Infos:
56 Seiten, schwarz/weiß
6 Interviews, 2 Kurzgeschichten, 1 Artikel
6 Euro inkl. P&P in Deutschland
Kontakt: frombeyondipp@gmx.de