Agathocles – The LP’s 1989 – 1993


Agathocles - The LPs 1989 - 1993AGATHOCLES sind sicherlich die umtriebigste Band der Welt. Wohl kaum eine andere Band hat so unglaublich viele Splits veröffentlicht, wie das belgische Mincecore-Urgestein Da den Überblick zu behalten, ist sicherlich nicht einfach. Zwischen zweifelhaften Output in der Qualität von Liveaufnahmen oder Proberaum-Mitschnitten, dürfte selbst das bessere Studiomaterial so manchen Sammler auf eine schier endlose Suche schicken. Wer sich für die „Full-Lengths“ der frühen Tage interessiert, hatte bereits zuvor die Gelegenheit, die Split-LP-Beiträge von den gemeinsamen Schallplatten mit Drudge und Lunatic Invasion zu erwerben. Erstmalig auf CD bei Morbid Records (RIP) 1996 erschienen, und mittlerweile wahrscheinlich auch eine Rarität, kamen „The LP’s 1989 – 1991“ letztes Jahr bei Power It Up erneut auf Vinyl raus.

Trotz massiver Überschneidung, greift die neue CD-Version vom gleichen Label noch etwas weiter. Diesmal sind es „The LP’s 1989 – 1993„. Zu den Splits mit Drudge und Lunatic Invasion kommt nun der Beitrag von der Split mit Averno. Bis heute übrigens die einzige Platte, die AGATHOCLES in Kolumbien veröffentlicht haben. Eines der interessanten Details, die man aus den Liner-Notes entnehmen kann. Diese sind ebenfalls größtenteils Deckungsgleich mit denen aus der Vinyl-Reissue. Nur eben ergänzt um einen Absatz zur 1993er-LP. Da erfährt man auch, dass „Reprezione“ ein Cover von der italienischen Punk-Band 5° Braccio ist. Ansonsten ist das Booklet sehr minimalistisch gehalten. Linernotes, Lyrics, etwas Metadaten, ein Konzertplakat. Das Cover zeigt ein anderes Bandfoto als „The LP’s 1989 – 1991„, sowohl die Platte von Power It Up wie auch die alte CD-Variante. Eine Verwechslungsgefahr besteht also nicht.

Eine tiefgehende Beschäftigung mit den ersten Beiden „Alben“, gab es bereits im Review der Platte. Darum folgt an dieser Stelle nur eine genaue Betrachtung des neu hinzugekommenen Klangmaterials:

Durch die Ergänzung der zusätzlichen LP, kommen 10 weitere Lieder in 21:17 Min. dazu. So beläuft sich die Kompilation auf insgesamt 34 Mincecore-Songs in gut 51 Minuten. Fast eine Stunde roher und streckenweise durchwachsener Sound. Denn wie bereits das Material mit Lunatic Invasion, wurde auch die Split mit Averno über den Zeitraum von einem Jahr (1992-1993) an unterschiedlichen Orten in Europa mit unterschiedlichen Line-Ups eingespielt. Das hört man deutlich, wenn „Get Off Your Ass“ plötzlich deutlich metallischer klingt, als die zuvor noch dreckigeren Tracks. Da passiert auch schnell so ein audiophiler Ausfall wie „Senseless Trip„, das wirklich einen fiesen Bass-Sound und noch grauenvolleren Gesang hat. Doch das ist eben alles ein Zeitdokument aus einer Ära vor der Digitalen, als Aufnahmen noch analog und im Underground eben mit simpelsten Mitteln gemacht wurden.

Musikalisch ergänzen die zusätzlichen 20 Minuten gut die Entwicklungsgeschichte von AGATHOCLES, die trotz ihres eigenen Genre-Labels „Mincecore“ immer wieder neue Einflüsse aufgenommen, und stetig einen leicht modifizierten Sound gefahren haben. So beginnt die Split erstmal im Downtempo mit deutlichem Death Metal-Schlag, bevor „Labelisation“ klassischen Punk aufnimmt. Bereits erwähntes „Get Off Your Ass“ zeigt dann eine deutliche Marke Thrash Metal, derweil „An Abstract“ beide Welten miteinander verheiratet. Dazwischen immer variiert die Ausprägung mehr oder weniger, bis hin zum klassischem Grindcore in 30 Sekunden bei „Hideous Headchopping„.

Bereits von den vorigen Split-Beiträgen kennt man mal wieder „Introtyl“ und „Squeeze Anton„, die der Band scheinbar so gut gefallen haben, dass sie die Nummern in dieser Schaffensphase mehrfach aufgewärmt haben.

Aus historischer Sicht ist natürlich der erweiterte Zeitraum für die Geschichte und Entwicklung von AGATHOCLES deutlich interessanter. Er zeugt mehr Einflüsse und bietet logischerweise auch deutlich mehr Lärm als die Schallplatte. Wer also kein Vinylfanatiker ist, sollte bei der CD zugreifen. Wer hingegen bereits die LP sein eigen nennt, muss selber abwägen, ob er Fan oder Komplettist ist, oder ob er getrost auf dieses Tondokument verzichten kann… Doch vielleicht erleichtert der faire Preis von 10 Euro, direkt beim Label, diese Frage ein wenig.

Infos:
Power It Up Records – 2015
CD – 34 Lieder / 51:11 Min.

http://www.agathocles.com/

http://www.power-it-up.de/
https://www.facebook.com/pages/Power-it-up/423461250157