Revolting – Visages Of The Unspeakable


Revolting - Visages Of The UnspeakableNach „Hymnes Of Ghastly Horror“ wurde es um REVOLTING etwas ruhiger. Erschien bis zu diesem vierten Album im Jahrestakt ein neues Full-Length, folgte im gleichen Jahr erst mal nur die Split mit den damaligen Label-Kollegen Revel In Flesh. Ob es Tausendsasser Rogga Johansson mit seinen unzähligen anderen Bands und Projekten dann doch langsam mal zu viel wurde?

Schlussendlich ist aber nun doch das fünfte Album von REVOLTING draußen. „Visages Of The Unspeakable“ heißt das gute Teil, und die etwas längere Schaffenspause hat der Scheibe verdammt gut getan. Wo scheinbar auf „Hymnes Of Ghastly Horror“ etwas die Luft raus war, einfach zu wenige Hits vorhanden waren, macht der neue Langspieler wieder richtig Spaß!

Wie immer muss ich aber zu beginn meine lobenden Worte über das Artwork verlieren. Wieder einmal ist Dezpicable Desmond (Dez Artwerks) für das Cover verantwortlich. Doch diesmal sieht es weniger nach einem „klassischen“ Filmmotiv aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern aus, sondern erinnert in seiner organisch surrealen Fratze mehr an die fleischlichen Fantasien von Clive Barker. Wiedermal zieren Details dieses Bildes das gesamte Booklet und schaffen abermals einen sehr kohärenten Eindruck. Die etwas generische Blutschrift mindert allerdings das Gesamtbild. Denn für den Albumtitel und die Tracklist wurde hingegen ein wunderschönes Lettering verwendet, das einen okkult-verhexten Charme ausübt. Doch das sind nur kleine Abzüge in der B-Note.

Gleich dem visuellen Aspekt, sind sich REVOLTING auch musikalisch auf „Visages Of The Unspeakable“ treu geblieben. Simpler, melodischer und leicht morbider Death Metal. Nur wieder deutlich packender und mit eben mehr Hits als auf dem Vorgänger. Dazu ist der Einfluss von Edge Of Sanity deutlicher denn je! Gerade die „Purgatory Afterglow“ hat sowohl auf Harmonieverständnis, Songstrukturen und das gesamte Abumkonzept abgefärbt.

In Anbetracht dieser leicht nostalgischen Reminiszenzen, drücke ich sogar liebend gerne ein Auge zu, wenn „Dagger-Clawed Chaos“ fast schon etwas cheesy anmutet. Denn gerade dieser Song hätte ohne Probleme auch von Dan Swanö und seiner Band stammen können.
Gleiches gilt auch für das abschließende „Caverns Of Ancient Horror„, dass in seiner cineastischen Darbietung ein wenig an „Twilight“ erinnert. Majestätisch, melancholisch, verspielt mit diversen Intermezzi, ist es einfach ein krönender Abschluss für „Visages Of The Unspeakable„!

Doch zuvor finden sich 8 Songs über gut 33 Minuten, die immer wieder mit wunderschönen Leads aufwarten, mal melancholisch, mal morbide, häufig zweistimmig, und wenn die zweite Gitarre nur einzelne Akzente setzt. Dazu geradlinige Riffs, die an den richtigen stellen schon mal thrashy reiten oder in „Fantoms Unto Forever“ gar crusty klingen. Verpackt in straighte Songstrukturen, die immer wieder Melodiethemen aufgreifen, weiterentwickeln und auch schon mal logische Wendungen bieten, die vielleicht nicht weltbewegend sind, aber durchaus die Lieder unterhaltsam machen.
Als kleines Gimmick, beginnt „Riddled With Worms“ wie ein asiatisches Computerspiel aus der 16bit Ära. Ein nettes kleines Detail.

Und am Ende heben gerade kleine Momente „Visages Of The Unspeakable“ von einem plumpen „Purgatory Afterglow„-Klon ab. Die Momente, wenn ein Song schon mal etwas Crust-Touch hat. Oder gar mit forschem Ufta-Ufta oder dezenten Blastbeats Ecken und Kanten präsentiert, fast schon ungestüm und ruppig aus den Boxen poltert.

Das unterstreicht auch der wunderschön trockene und leicht knarzige Sound, der richtig gut gefällt. Leider gibt es aber auch diesmal etwas am Schlagzeug zu meckern. Eines der Crashbecken klingt richtig übel und nervt hier und dort schon mal. Doch insgesamt gefällt mir der Drumsound und -vibe hier schon deutlich besser als auf den Vorgängern.

Kurzum: REVOLTING sind wieder da! Und haben wieder richtig coole Songs zwischen melancholisch-morbiden Melodien, eingängigen Strukturen und der nötigten Portion Ruppigkeit im Gepäck. Als Fan der Band und gerade als Fan von Edge Of Sanitys „Purgatory Afterglow“ führt definitiv kein Weg an „Visages Of The Unspeakable“ vorbei. Also Boxen aufgedreht und im Zwielicht tanzen. Boogie Woogie!

Infos:
FDA Rekotz – 22.05.2015
CD – 8 Lieder / 33:32 Min.

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