Morbid Panzer – Demo

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Morbid Panzer - DemoMORBID PANZER sind ein lebender Anachronismus. Dabei ist die Band selber eigentlich noch recht jung, gerade ist ihr erstes Lebenszeichen in Form einer Demo draußen. Welche Musiker dahinter stehen, ist ein kleines Mysterium. Denn Informationen findet man im Internet keine. Keine eigene Homepage, erst recht kein modernes Facebook. Lediglich die sechs Songs der Demo kann man auf Bandcamp anhören und gegen Spende (für die Knausrigen unter euch auch für den Betrag von 0 Euro) herunterladen.

Doch sowohl die Musik wie auch die physische Manifestation sind definitiv nicht aus unserer Zeit. Eher aus der räudigen Frühphase des Metals, als Genre-Definitionen noch gar nicht erfunden waren, sondern alles einfach nur Heavy Metal war. Deswegen findet man für die Demo auch heute keine eindeutige Schublade. Speed Metal, Thrash Metal, ganz früher Black Metal, ganz früher Death Metal. Alles findet man bei MORBID PANZER. Roh, ungestüm und teilweise wunderschön rumpelig und minimalistisch. Herrlich!

Passend dazu gibt es die Demo – neben der digitalen Variante auf Bandcamp – lediglich als Kassette. Anachronistische Musik auf anachronistischem Tonträger. Wie sich das gehört. Verantwortlich für das Tape ist wiedermal die kleine Qualitätsschmiede Weed Hunter Records. Limitiert auf 200 Einheiten, kommt der Tonträger selber mit edlem goldenen Druck. Das J-Card hat dreifachen „Flip“, also genügend Platz, um neben dem ranzigen Artwork noch alle Lyrics, ein Bandfoto und ein paar Informationen abzudrucken: Aufgenommen im Winter 2015, mit besten Grüßen an zwei einsame Seelen. Für Interessierte, gibt die Band auch Auskunft über sich selber: Curse Commander, Sixstrinstriker, Bassphomet, Stringulator, Drumentor. Auch wieder klassische Synonyme, wie sie Destruction oder Sodom nicht besser gewählt hätten.

Die Musik von MORBID PANZER kann man schlicht zusammen fassen: „Fenriz would approve!“ Im ernst, hört euch einfach mal den letzten Potcast des Darkthrone-Drummers an, voll mit klassischem Speed Metal, vornehmlich aus dem raum der BRD und der ehemaligen DDR, und dann einfach mal das Bandcamp-Profil von MORBID PANZER angemacht. Das passt wie Faust aufs Auge!
Als ob die erste Iron Maiden Scheibe auf Midnight, VampireSabbat (Japan) oder heutige Darkthrone trifft. Von rohen Blastbeats zu morbiden Boogie Woogie findet sich einfach nur ein tanzbarer Hit nach dem anderen auf der Demo.

Mitsingbare Refrains in „Strikes of Doom“ oder „The Birth„, schön gruselige Riffs in „Sodomizer Of Death„, fast schon apokylyptische Stimmung im Mittelpart von „Wizard Hunger„. Oft zwar reduziert und simpel, dafür aber effektiv auf den Punkt. Angereichert durch fetzigen Groove in „Sworn to Heads“ oder „Black Rider of Madness„, konterkariert durch rohes Gebolze in „The Birth“ oder auch „Sworn to Heads„. MORBID PANZER fahren zwar eine konsequente Linie, zeichnen ihren Weg aber mit abwechslungsreichen und eingängigen Ideen.

Dazu ist das Songwriting wohl überlegt. Alleine die Steigerungen aus „Black Rider of Madness“ ist hervorragend! Die Gitarrenlinie entwickelt sich auf einmal zweistimmig, Doublebass deutet die erste Steigerung an, bevor die Snare weiter einen drauf legt. Immer im Wechsel zwischen Entwicklung und den bereits bekannten Elementen und Themen des Songs, immer spannend.

Wenn ich die Demo aber auf einen exemplarischen Song reduzieren müsste, würde ich „Sworn to Heads“ besonders hervorheben. Atmosphäre, Groove und die Mischung aus Speed, Thrash, klassischem Black und Death Metal funktioniert hier einfach am besten. Morbide, böse, tanzbar und ungezügelt. Dreckiger Rock’n Roll, verruchter Boogie Woogie, sexy Heavy Metal!

Zugegeben, beim ersten Hören fand ich MORBID PANZER lediglich interessant. Aber irgendwie musste ich die Kassette immer wieder umdrehen, mir das Demo auf den MP3-Player knallen und immer wieder hören. Mittlerweile feiere ich die sechs Songs richtig ab; den organischen Sound, der besonders bei den Tomtoms und der Bassdrum zwar schon mal was ruppig klingt, aber den Charme der Musik passend akzentuiert; die simplen, aber mörderisch guten Riffs; einfach die Attitüde hinter der Musik. MORBID PANZER fetzen!

Wer schnell war, konnte vielleicht noch die limitierte „FOADition“ abgreifen, die als rote Kassette mit Siebdruck-Cover und Patch kommt. Doch dafür ist es wahrscheinlich mittlerweile zu spät. Für die reguläre Version solltet ihr auch aber auch ranhalten, denn meine Kopie ist bereits Nummer 132/200! Und nachher ist das Gejammer genau so groß, wie die Preise auf eBay hoch sind. Das Demo rockt, also zögert nicht!

Infos:
Weed Hunter Records – 2015
Tape – 6 Lieder / 24:11 Min.

https://morbidpanzer.bandcamp.com/

http://weed-hunter-records.blogspot.de/