Skinless – Only The Ruthless Remain


Skinless - Only The Ruthless RemainZugegeben: Die Ankündigung einer SKINLESS Reunion (im Line-Up des Debüts „Progression Towards Evil„) hat mich trotz zweier starker Frühwerke und wirklich bombigen Liveshows (Ludwigshafen Death Fest 2003!) nicht gerade in freudige Zuckungen versetzt. Mit den beiden letzten, modern angehauchten und bemüht progressiven Alben vor dem Split war für mich die Band längst ins Abseits geraten, uninteressant und belanglos. Und komischerweise fand ich das auch beim damaligen Überangebot an brutalen Death Metal Bands kaum bedauerlich.

Nun flatterte mir „Only The Ruthless Remain“ auf den virtuellen Schreibtisch und nach einigem Zögern konnte ich mich sogar durchringen, das Ding tatsächlich anzuhören – mit einer ziemlich negativen Erwartungshaltung.
Aber – Wunder, oh Wunder! – diese wurde nicht erfüllt. Vielmehr hat mich „Only The Ruthless Remain“ erstmal richtig überrascht und derbe ins Eck gebolzt. Weg sind die cleanen Produktionen, die zu offensichtlich übertriggerten Drums, zurück ist Sherwood Webbers ultratiefe, fette Vokalakrobatik, der dreckige Goove, die schnörkellosen Blasts.

Statt weiter nach vorne zu gehen, besinnen sich die New Yorker darauf, was sie am besten können, und gehen schlicht zwei Schritte zurück: basische, derbe und direkte, aber nicht einfallslose Death Metal Brecher zwischen heftigem, einfachem Groove und brutalem Bolzen. Überaus anachronistisch will man meinen, wie direkt aus dem New York der frühen 90er Jahren: und ja, SKINLESS gehen mit „Only The Ruthless Remain“ zurück zu ihren eigenen Wurzeln.

Schnörkellos und effizient ist das Songwriting, für Ballast ist kein Platz, nur für unmittelbare Brutalität. Und dabei ist dies eine urwüchsige Gewalt: kein steriler, repetitiver Slam, keine High-Speed-Triggerei, keine ultragutturalen Froschgesänge, sondern nicht zu komplexe, aber dynamische, treibende, aggressive, jederzeit bang- und moshkompatible Brecher, die nichts anderes wollen, als den Hörer zu eben jenem zu treiben: abzugehen! Dazu ist „Only The Ruthless Remain“ bestens geeignet, trotz einer doch eher düsteren Grundstimmung, welche gelegentlich und unnervig durch melodische Leads etwas ergänzt wird; trotz geringer Abwechslung, denn jeder einzelne Song für sich ist einfach zu zwingend und packend, um noch ruhig sitzen bleiben zu können.

Somit kann man SKINLESS mindestens attestieren, eine ziemlich geile, wenn auch wahrscheinlich kaum weltbewegende Comebackplatte herausgehauen zu haben, die in Sound und Stil zwar klar rückorientiert ist, aber tatsächlich zu keiner Zeit altbacken wirkt. Vielmehr empfinde ich es als überaus erfrischend, endlich mal wieder eine New York Death Metal Platte vorgesetzt zu bekommen, die nach den ziemlich enttäuschenden letzten Werken von Internal Bleeding, Pyrexia oder Dehumanized endlich wieder so schnörkellos direkt und unaufgesetzt knallt wie ihrer Zeit „Human Waste„, „Prophecies Foretold“ oder „Sermon Of Mockery„. NYDM Fans werden es ihnen danken.

Infos:
Relapse Records – 02.06.2015
CD/LP – 7 Lieder / 35:35 Min.

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