Pyramido – Saga


Pyramido - SagaLasst euch nicht vom Cover täuschen! Die idyllische Waldlandschaft mag nur zu gerne in „Feld, Wald und Wiesen“ Black Metal deuten. Die verspielte Schriftart hingegen in eine gänzlich andere richtung. Indie, Alternativ, weiß der Kuckuck, das ist alles nicht mein Metier. Erst dem ganz Detailverliebten dürfte die Kulisse am unteren Bildrand auffallen, eine Reihe Tiere sitzt um das wärmende Feuer. Knüpfen PYRAMIDO hier an das Konzept von Fall Of Efrafa an und besingen „Watership Down“ („Unten Am Fluss“)? Ich kann es nicht sagen, denn die Lyrics sind gänzlich auf schwedisch verfasst.

Doch zumindest musikalisch gibt es kleinere Parallelen zu den verblichenen Doom/Hardcore Heroen aus Brighton, gerade zu deren letzten Aufbegehren, „Inlé“ inklusive. PYRAMIDO spielen tonnenschweren Doom, zwar mehr in der Sludge Ecke, aber zuweilen immer noch mit hörbaren Elementen aus dem Hardcore. Dazu immer wieder dieses Aufbegehren der Hoffnung in tief schwarzer und verbitterter Atmosphäre. Gleichermaßen den letzten Werken von Fall Of Efrafa nicht unähnlich.

Insgesamt ist „Saga“ aber deutlich fassettenreicher. Trotz der Schwängerung aus dem Sludge, finden sich noch einige Momente des eher klassischen Dooms. Viele Leadgitarren spielen Post-Rock-artige Harmonielinien. Und die Verspieltheit gipfelt im Interlude „Klockrike“ sogar im Psychedelic. Doch ist dieses Intermezzo eher eine ungewöhnliche Ausnahme denn wirkliches Vorzeigebild für das Album. So positiv ist sonst keine Sekunde der knapp 38 Minuten.

Dennoch experimentieren und umspielen PYRAMIDO in ihren Songs gerne die Hauptthemen. „Ingen Människa Är En Ö“ hält einen wundervollen Spagat zwischen Hass und Hoffnung, Optimismus und purer Verzweiflung. Dabei wird die Atmosphäre im Songverlauf immer dichter und schwerer. Als ob PYRAMIDO nicht auch so tonnenschwer wären!
Im krassen Kontrast hat „Är Av Onad“ schon wieder leichtfüßige Momente, die aber nicht weniger treibend und kraftvoll sind. Viel mehr bezirzen die getragenen Gitarren den Hörer und zerren ihn tief in die Machenschaften hinter der Idylle von Twin Peaks.

An richtigen Überkrachern fehlt es „Saga“ leider etwas. Dafür ist die Musik zu stringent in ihrem bitterbösen Vibe und drückt diesen dem Hörer gnadenlos auf. Gleichzeitig ist das Album aber auch verspielt und abwechslungsreich genug, um aus der Masse an monotonen Sludge/Doom Bands vervorzustechen. Immer wieder Wechseln PYRAMIDO zwischen mürbenden und simplen Riffs, die ohne Ende Druck machen, zu funktionalen Harmonielinien, entwickeln die Themen der Lieder angenehm weiter, dass sie ihren zermalmenden Charakter bewahren und gleichzeitig den Song spannend halten.

So ist „Saga„, trotz mangelnder Höhepunkte, ein sehr spannendes und bitteres Album. Wer sich zwischen Corova, BSON oder Fall Of Efrafa wohl fühlt, wird sich auch von der täuschenden Fassade des Covers nicht in die Irre führen lassen. Und bekommt dafür im Gegenzug ein Auf und Ab der Gefühle in schwerster Form dargeboten.

Die CD im Jewelcase gibt es über Ecocentric Records.

Infos:
Ecocentric Records – 2013
CD – 6 Lieder / 37:39 Min.

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http://pyramido.bandcamp.com/album/saga
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