Discreation – Procreation Of The Wretched


Discreation - Procreation Of The WretchedIrgendwann anno Tobak, sah ich mal DISCREATION live. Damals vom Auftritt durchaus positiv angetan, musste natürlich auch die erste EP „The Great Curse“ eingetütet werden, die sich daheim aber leider als etwas durchwachsen erwies. Seither vergingen ungefähr 12 Jahre, die Band blieb unermütlich auf ihrem Weg, veröffentlichte noch zwei weitere EPs und drei Alben. Doch relativ unbeeindruckt von „The Great Curse„, verfolgte ich die Band nicht weiter. Nun steht das vierte Full-Length „Proceation Of The Wretched“ über das renommierte Label FDA Rekotz vor der Türe. Geziert mit einem überarbeiteten Bandlogo und einem – wieder einmal hervorragenden – Artwork von Juanjo Castellano (bekommen FDA dort mittlerweile eigentlich Rabatt?). Grund genug, heute noch mal in die Band reinzuhören!

Tendenziell ist der Stil von DISCREATION dem Zahn der Zeit beständig geblieben. Europäische Einflüsse treffen auf etwas amerikanischen Death Metal. Natürlich seit meinem letzten Kontakt musikalisch und in der Produktion gereift. Der Sound und Style braucht sich vor den Label-Kollegen Deserted Fear oder Weak Aside nicht zu verstecken und wird deren Fans mit Sicherheit voll zusagen!

Dennoch wirkt „Procreation Of The Wretched“ immer noch etwas unentschlossen. Häufig durchziehen Bolt Thrower-mäßige Panzer-Grooves die Songs. Nett gemacht und läuft gut ins Ohr. Doch so richtig fetzt es nicht. Darum plätschern „Decapitation Marathon“ oder „Planetary Punishment“ eher vor sich hin. Durchaus gut gemacht, aber der gewisse Funke fehlt irgendwie.

Da gefällt es schon wesentlich besser, wenn DISCREATION mal so richtig entfesselt aus sich raus kommen und so einfach alles niederwalzen! Die mürbende Monotonie und die Black Metal Einflüsse machen „Megacorpse“ zu einem mächtigen Monster. In dieser ungestümen, garstigen Form macht die Band eine sehr gute Figur. Das Solo zum Ende unterstützt die Grundstimmung des Songs grandios und rundet das Gesamtbild perfekt ab. Und nach dem langweiligen Intro mit Spoken Words und Bass, legt auch „Corporate Hatred“ ein echt fieses Brett vor! Wieder mit leichtem Black Metal-Schlag und ein wenig Vader-Touch, klingen DISCREATION hier richtig furios! Sehr gut gemacht.

In dieser dicken Durchschlagskraft ist „Procreation Of The Wretched“ aber leider nicht konsequent über die gute dreiviertel Stunde Spielzeit. Besagte Bolt Thrower-Einflüsse treffen gelegentlich auf etwas Vader-Touch. Im Titelsong mal etwas stampfender, mit recht langweiligen Stop’n Go-Passagen, in „Descending To Abysmal Darkness“ mit etwas mehr Thrash, Malevolent Creation nicht unähnlich. Und immer wieder eine ähnliche Erhabenheit von Deserted Fear. So läuft das Album zwar gut runter, wirkt aber im Detail etwas zu unentschlossen.

Wo die Lieder an einigen Stellen vielleicht etwas Straffung vertragen hätten, spielen DISCREATION aber auch sehr fein mit „Fix-Ups„. Einige recht derbe Momente werden durch getragene Harmonielinien aufgelöst und bekommen einen leicht melancholischen Touch. Ein interessantes Stilmittel, besonders in „To Cosmic Shores“ wunderschön ausgearbeitet und gesteigert. Kompositorisch genau so interessant wie es leider auch etwas den bösartigen Vibe aus den Songs nimmt.

So ist „Procreation Of The Wretched“ am Ende lediglich ein gefälliges Death Metal Album. Sehr melodisch, mit Elementen aus amerikanischer, englischer und mitteleuropäischer Schule, die für jeden Death Metal Fan eine Kleinigkeit bieten. Wer es hingegen was spezieller mag, düsterer, brutaler, konsequenter, wird aber nur kurzzeitig Freude mit DISCREATION haben, gerade mit den hervorstechenden Songs „Megacorpse“ oder „Corporate Hatred„. Auf Dauerrotation fehlt es der Scheibe aber noch etwas an Stringenz.

Infos:
FDA Rekotz – 22.05.2015
CD – 10 Lieder / 46:35 Min.

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