Atka / Shimetsu – Split


Atka - Shimetsu - SplitA Blast from the Past – im doppelten (wenn nicht sogar dreifachem) Sinne! Matt von Ecocentric Records hat mir diese 2008 erschienene Split (Mini-)CD voll abgefucktem Geballer geschickt. Wirklich ein dicker Blast, der aber nicht jedem Hörer schmecken wird; dafür sind die beiden Split-Partner wohl zu abgedreht und inkompatibel. Selbst für extreme Musikrichtungen wie Death Metal und Grindcore.

Die eröffnenden ATKA liegen nach 5 Jahren Existenz nun wieder auf Eis. Vom Drummer Manuel weiß man aber, dass er nun mit Planks– und Goldust-Menschen bei Ultha dem ausufernden Black Metal fröhnt. Meilenweit davon sind aber ATKA entfernt. Die Songs sind meist deutlich unter der zwei Minuten-Grenze, geziert mit vielen Tempo- und Takt-Wechseln, mächtigem Technik-Einschlag und einem latenten Hang zum Chaos. Um die Basis Grindcore mengt sich Noise- und Mathcore, mit einer Priese technischem Death Metal. Von den Strukturen vielleicht in der Nähe von Poostew, bei manchen Riffs und Harmonien eher bei Gridlink. Dazu die abgefahrene Technik von See You Next Tuesday und der sperrige Wahnsinn früher Cephalic Carnage. Definitiv keine leichte Kost. Besonders wenn beim abschließenden Track der Split-Hälfte diverse Effekte alles eher in eine künstlerische Collage denn klassischem Grindcore drängen.

Die Kollegen von SHIMETSU passen da genau wie Faust aufs Auge. Stilistisch ähnlich, aber mit deutlich mehr Einschlag aus dem Death Metal und durch noch gesteigerte Absurdität in den Songs vielleicht etwas näher an der ersten EP von Under The Pledge Of Secrecy, aber sicherlich auch mit der Schnittmenge zwischen See You Next Tuesday und Cephalic Carnage gut umschrieben. Kurze Momente von tonnenschwerem Groove werden meist schnell wieder durch totales Chaos durchbrochen. Der Pegel aus Geballer und übertrieben technischen Riffs ist permanent auf extrem hohem Niveau. Struktur ist schon hinter all dem Wahnwitz. Nur für den Hörer nicht direkt ersichtlich oder nachvollziehbar. So rauschen die 10 Songs in gut eben so vielen Minuten vorbei, wie ein vollbeladener Güterzug mit drei vorangespannten ICE-Triebwagen.

Gemäß dem klassischen Grindcore-Verständnis böllern so 17 Lieder in knapp 21 Minuten aus den Boxen. Entgegen der traditionellen Herangehensweise der „Musik“-Richtung herrscht meist aber ziemliche Verkopftheit auf der Split. Ein dicker Tritt ins Gesicht ist diese Wand schon. Nur eben lediglich ein Hörgenuss für das Nieschenpublikum, das sich mit dissonantem, vertrackten und extrem sperrigen Math-, Noise- oder eben Grindcore anfreunden kann.

Wer keine musikalische Hürde zu dem Release hat, bekommt auch ein sehr hübsches Digipak als Umverpackung. Eine zusätzliche, klare Lackschicht setzt auf beiden Covern nette Akzente, spielt mit Teilen des Bandlogos (bei ATKA) oder der hinterstehenden Ästhetik. Zahlenminimalismus rundet dann die psychopathische Musik passend ab. ATKA steuern durchnummeriert Lied 1-7 bei. Die Songs von SHIMETSU sind auch nur numerisch betitelt. Allerdings heißt Lied Nummer 8 „17“ und Track 17 „21“, und so weiter. Das soll sich einer merken! Doch wenn die Songs schon vor überladener Instrumentalisierung kaum in Erinnerung bleiben, warum sollte man da noch richtige Namen zuordnen können?

Infos:
Ecocentric Records – 2008
CD – 17 Lieder / 21:17 Min.

https://myspace.com/atkametal

https://myspace.com/shimetsu

http://www.ecocentricrecords.com/
https://www.facebook.com/Ecocentric.Records
https://ecocentricrecords.bandcamp.com/