Ancst / Ast – Split


Ancst - Ast - SplitEndlich neues Futter von ANCST! Nachdem das bisherige Schaffen der Band zwei Mal neu aufgelegt wurde, einmal als Kassette und einmal als LP, jeweils mit einem brandneuen Song, gibt es nun eine Split mit der Black Metal Band AST, die sich wohl auch Mitglieder mit dem berliner Kollektiv teilt. Raus kam die LP über Vendetta, das bereits für die Vinyl-Fassung von „In Turmoil“ verantwortlich war.

Insgesamt begrenzt auf 500 Einheiten, gab es eine streng limitierte silberne Schallplatte in gerade mal 100 Kopien. Diese ist natürlich längst ausverkauft. Und auch die reguläre schwarze Scheibe neigt sich bei der Band dem Ende entgegen. Wer also noch ein Exemplar haben will, sollte sich ranhalten!
Abseits der Limitierung, kommt die LP in einem monochrom bedruckten Cover, das leicht an einen Kupferdruck eines klassischen Wald-und-Wiesen-Black Metal Albums erinnert. Passend dazu ist die Hülle auch innen schön schwarz, genau wie das Innersleeve. Auf einem ausklappbaren Inlay, finden sich ein paar Liner-Notes sowie die Texte zu allen acht Stücken.

Ancst - Ast - Split Silber

Auf der A-Seite beginnen ANCST ihre gut 17 Minuten Spielzeit für vier neue Lieder. Mittlerweile hat die Band ihren Trademark-Sound gefunden und klingt so, wie man es bereits von den vorigen Veröffentlichungen kennt. Irgendwo in einer Mischung aus dunklem Hardcore, dieses Mal aber mit deutlich mehr Black Metal-Gitarren und einem (wie immer) ordentlich fetten Sound. ANCST sind live wie auch auf Platte einfach eine dicke Wand!
Wo „Blame Chord“ nahtlos an die früheren Sachen anknüpft, beginnt „Spark“ deutlich kälter und stampfender. Hier klingt reinrassiger Black Metal noch am deutlichsten durch, frostig und erhaben. Im späteren Songverlauf klingt die Harmonieführung ein wenig nach frühen Siebenbürgen auf Speed. Ähnliche Reminiszenzen kommen abermals in „Elegy Of Self-Deceit“ durch, das aber, genau wie „Seizure„, wieder mehr diesen „HxC auf Black Metal“ Vibe fährt. Gerade in den Breaks und D-Beat-Passagen.

Tendenziell machen ANCST also wie gehabt weiter, entwickeln sich aber dennoch. Gerade die häufig erhabene Atmosphäre und die vermehrten Black Metal Riffs im harschen Kontrast zu einigen Beats und den typischen Hardcore-Shouts prägen mittlerweile den eigenen Stil der Band. Etwas Stilkritik muss dennoch sein: Auch wenn „Blame Chord“ schön stimmig fließt und sich gut entwickelt, hätte dem Song ein wenig Straffung gut getan. Experimente mit unterschiedlichen Passagen klappen in „Seizure“ besser, wo Hardcore, Post-Rock und Black Metal sehr homogen ineinander verwoben sind.

AST teilen sich vielleicht (Live-) Musiker mit ANCST und sind Brüder im Geiste, doch musikalisch beschreiten sie auf der guten viertel Stunde ihrer Seite eine etwas andere Ausrichtung. Alleine der Sound ist roher, krachiger. Und die Stilmittel sind deutlich mehr im (unorthodoxen) Black Metal verwurzelt; Bezüge auf den klassischen Hardcore sucht man vergebens. Vielmehr findet man dafür abstrakte Ideen in den Riffs, Beats und auch den Songstrukturen.

Mürbende Monotonien und eigenwillige Dissonanzen zeigen AST von einer sehr garstigen Seite. Gelegentlich vielleicht mit Elementen aus dem Noiserock und einer gewissen melancholischen Agonie, spucken die vier Lieder aber hauptsächlich Gift und Galle. „Von Einem Ende“ ist alleine ungestüm und angepisst. Die kurzen Momente der Hoffnung aus „Hybris & Hamartie“ werden schnell wieder zerschlagen, werden ungewöhnlich und eigenwillig aufgelöst. Spätestens in „F.S.„, das mit einem Gridlink-artigen Riff eröffnet, wird alles zu Klump gehauen, kaputtes, fast schon stotterndes Geballer zerläuft in eine Krachkollage, die jedwede Melodie, unkonventionell-melodische Bass-Arbeit oder Hoffnung konterkariert und ad Absurdum führt.

So sind AST deutlich sperriger und verschrobener als ihre Split-Partner ANCST. Doch gerade dadurch nicht minder interessant! Vielleicht ist sogar diese Kauzigkeit als Gegenpol zu den eingängigen und mitreißenden Melodien von der A-Seite genau das richtige Kontergewicht, das diese Split so liebenswert macht.

Fans von ANCST werden die Scheibe ohnehin bereits besitzen. Spätestens wer die Band auf Tour gesehen und mitbekommen hat, was das Quintett um den Drumcomputer für ein Abrisskommando ist. Wer auf der Suche nach unkonventionellem Black Metal ist, wird bei AST sicherlich einiges zu entdecken bekommen. Insgesamt also eine sehr lohnende Split-LP. Vorausgesetzt, man trägt keine Scheuklappen und ist nicht direkt voreingenommen gegen RABM und Hipster-Black Metal.

Infos:
Vendetta Records – 2015
LP – 8 Lieder / 32:42 Min.

https://angstnoise.bandcamp.com
https://www.facebook.com/angstnoise

https://astband.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/ASTBand

https://vendettarecords.wordpress.com/
https://www.facebook.com/pages/vendetta/113775778703319