Ad Nauseam – Nihil Quam Vacuitas Ordinatum Est


Ad Nauseam - Nihil Quam Vacuitas Ordinatum EstSeit 2011 stand das Pre-Production Sample von „My Buried Dream“ auf Youtube. Wesentlich später machte mich Jan von Lavadome Productions auf den Track aufmerksam. Und seither wartete ich sehnsüchtig auf das fertige Album von AD NAUSEAM. Besagtes Label hat sich schlussendlich in die Verantwortung genommen und diesen Leckerbissen im März 2015 veröffentlicht. Dem Jan gebührt dafür größter Dank, denn AD NAUSEAM legen hier schlicht eines der besten Alben vor, das dieses Jahr erscheinen kann. Und das sage ich in Anbetracht von Sulphur Aeon, Tribulation und den begonnenen Aufnahmen zum neuen Ulcerate-Album!

Natürlich ist „Nihil Quam Vacuitas Ordinatum Est“ kein einfaches Album oder gar ein Album für jedermann. Die meisten Fans von Sulphur Aeon, Tribulation oder gar anderen, traditionellen Ausrichtungen des Death Metals werden sogar die Nase über dieses dissonante und sperrige Brett rümpfen! Fans von Aosoth, Deathspell Omega, Nero Di Marte, Gorguts oder Ulcerate werden hingegen voller Verzückung die dicksten Freudentränen vergießen! AD NAUSEAM verbindet nämlich einfach die besten Eigenschaften aller genannten Bands, bringt noch etwas Jazz-Drumming dazu und kloppt noch das ein oder andere Cryptopsy-Riff in diesen unheilvollen Klangstrudel voll finsterer Atmosphäre!

Als größtes Vergleichsmoment dürfte sicherlich Ulcerate dienen, die mit „The Destroyers Of All“ deutliche Spuren auf „Nihil Quam Vacuitas Ordinatum Est“ hinterlassen haben. Mehr als einmal könnte ich Riffing und Struktur nicht von der neuseeländischen Blaupause unterscheiden. Doch dann kommt eine urplötzliche Wendung, vollstes Geballer mit Gitarren voller Ruhe und absurder Harmonieführung, die an den Zen von „Colored Sands“ (Gorguts) erinnern. Im Nächsten Moment werden die Saiteninstrumente aber noch ruhiger und verspielter, das Schlagzeug orientiert sich mehr am Jazz – und dann brischt alles in furioses Chaos aus nahe an der Finsternis Aosoths, mit eben erwähnten Riffs, die Cryptospy nicht unähnlich sind. Dennoch wirken die Songs voller Dynamik nicht willkürlich, sondern wohl durchdacht und so obskur wie es Deathspell Omega nicht besser hätten illustrieren können.

Als ob diese Klangwand aus regulären Metal-Instrumenten, Gitarren, Bass und Schlagzeug, nicht schon wahnwitzig genug wäre, kommen immer wieder dezente Experimente in den Sound, die das komplexe Gebilde „Nihil Quam Vacuitas Ordinatum Est“ abermals erweitern. Es beginnt bereits vor „My Buried Dream“ mit verstörenden Streichern, die im obskuren Jazz-Part von „Key To Timeless Law“ oder am Ende von „Into The Void Eye“ noch abgefucktere Akzente setzen. „The Terror Haze“ instrumentalisiert weiterhin psychopathisches Klaviergeklimper, derweil das abschließende „Superimposing Mere Will And Sheer Need“ im zähen Ende mit Drones und weiteren Sounds experimentiert. Die Klanglandschaft von AD NAUSEAM ist schier wahnwitzig!

Die äußerst intensive Stunde von „Nihil Quam Vacuitas Ordinatum Est“ ist verdammt intelligent konstruiert und abwechslungsreich. Freilich mag dieser komplexe Sound für viele Hörer auf diese Spieldauer anstrengend sein. Doch wie gesagt, wer Bands wie Ulcerate oder Gorguts abfeiert, bekommt über diesen Zeitraum ein integrales Klangerlebnis einer unheilvollen Klangwelt, die auch im Detail immer wieder spannende Wendungen und einzigartige Momente enthält. Gerade will ich noch „La Maison Diev“ mit seiner perfiden Grundstimmung und verspielten Elementen als Song des Jahres feiern, beginnt auch schon „The Terror Haze„, das nicht nur seinem Namen alle Ehre macht, sondern auch in seiner Instrumentalisierung und dem psychopatischen Lachen, schön versteckt im Lied, den absurden Wahnsinn der Band illustriert. Oder auch die geniale „Harmonie“-Führung aus „Into The Void Eye“ ist ein echtes Highlight. Gerade wenn man denkt, der Song sei einfach nur ein unfassbar böses Monster, steigern AD NAUSEAM die gesamte Kacke noch einmal.

Lost In The Antiverse“ erinnert mit seiner abgefuckten Lead-Gitarre sehr stark an den Übersong „Inverted“ von Gorguts, bekommt dann aber auch wieder Momente der Hoffnung und des Verderbens, wie sie „Cold Becoming“ von Ulcerate hervorragend zeichnete. Dazu immer wieder die ruhigeren Momente, die nicht minder garstig sind, aber eine gewisse Verspieltheit und intelligentes Songwriting zeigen, polyphone Kackophonien voller mitreißender „Melodien“.

AD NAUSEAM haben mit „Nihil Quam Vacuitas Ordinatum Est“ ein schier phantastisches Werk erschaffen. Wahnsinn, Wahnwitz, technisches Können auf höchstem Niveau, Atmosphäre in den finstersten Untiefen, ein unbeschreibliches Gespür für spannenden Songfluss und Dynamik (gerade das Kontrastspiel aus Ruhe und Brachialität entbehrt sich der meisten Metalbands) und eine klangfarbliche Palette, die lediglich von den Besten entleiht und dann zu einem sehr eigenständigem Werk variiert. Die Scheibe läuft bei mir seit Wochen auf Dauerrotation und legt die Messlatte für folgende Alben von Gorguts, Ulcerate, Nero Di Marte, Departé und Konsorten verdammt hoch. „Nihil Quam Vacuitas Ordinatum Est“ ist definitiv DER Pflichtkauf für 2015!

Infos:
Lavadome Productions – 2015
CD – 8 Lieder / 57:36 Min.

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