Obsolete Incarnation – New Breed Of An Uncurable Disease

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Obsolete Incarnation - New Breed Of An Uncurable DiseaseBrutaler und technischer Death Metal ist meist ein schwieriges Thema. Viele Bands vergessen gänzlich den eigentlichen Song, und verlieren sich lieber in Superlativen. Schneller, komplexer, tiefer, brutaler. Am Ende versumpft die Musik in einem Einheitsbrei aus Saitengewichse, monotonem Bree-Bree oder stumpfsinnigem Gekloppe. Da ist es umso erfrischender, dass OBSOLETE INCARNATION den schwierigen Spagat zwischen Brachialität, technischem Anspruch, Abwechslungsreichtum und guten Songs recht souverän auf ihrem Debüt absolvieren.

An sich ist „New Breed Of An Uncurable DiseaseBenighted nicht ganz unähnlich. Es fehlen zwar noch die hervorstechenden Hits und insgesamt sind OBSOLETE INCARNATION noch etwas brutaler, aber die Parallelen sind überdeutlich. Alleine die Varianz im Gesang: Von fiesen Schreien zu derben Growls, mit wohl platzierten Pig-Squeels/Frognoises, die aber weniger aufgesetzt nerven, sondern schön als Akzente fungieren.
Auch musikalisch ist die Palette weit gefächert. Hier ein markantes Riff, dort eher schnelle Tremolos, dann wieder Geschrammel, mal eher an alte Helden wie Suffocation angelehnt, oft mit einem dicken Kopfnicken in Richtung Slam. Gelegentlich zieren schwere Slowdowns, teilweise schon recht modern, die Songs. Doch meist brettern die Lieder in Blastgeschwindigkeit aus den Boxen und föhnen den Hörer gut durch. Gelegentliche Gravity-Blasts setzen geschickte Steigerungen. Das erweitert die Musik angenehm und wirkt selten aufgesetzt oder übertrieben! „New Breed Of An Uncurable Disease“ ist abwechslungsreich und bietet eine Menge zu entdecken.

Zu Beginn des Albums legen OBSOLETE INCARNATION bereits einen mehr als soliden Job ab. Vielleicht hätte der ein oder andere Song noch etwas gestrafft werden können, wie das Album an sich etwas komprimierter auch noch mehr Durchschlagskraft gehabt hätte. 40 Minuten für so ein intensives Brett sind schon wirklich die maximale Dosis! Doch ab „Ressurection“ zieht das Album richtig an. Von nun an jagt eine fette Nummer die nächste. Ob mal tonnenschwer wie „Fading Light„, furios wie „Familiarity Creates Blood„, düster wie „Beheaded The Desecration“ oder mit extrem coolen Harmonieführungen wie in „Ressurection“ oder „Free Will Is Crying Out For Variety„. Jeder Song trifft genau ins Schwarze, immer im geschickten Wechsel zwischen coolem Groove und unbändigbarer Aggression.

Neben geschickten Breaks und anspruchsvollen Rhythmus-Pattern der Musiker, hat Tonmensch Ramon Smith, der erst zuvor das Debüt von Human Waste aufgenommen hat, auch immer wieder an den richtigen Stellen Subbässe platziert. Das setzt interessante Akzente, die aber sicherlich einigen Klangpuristen zu wider sein werden. Die werden allerdings auch mit dem allgemeinen Sound der Scheibe nichts anfangen können, denn der ist sehr transparent und modern. Ich finde, er passt gut zur Musik. Vielleicht als Anregung für das nächste Mal an die Band: Es war zwar nur ein einzelner Ton, aber der Slap-Sound in „On A Single Tendon“ ist ein Stilelement, das gerne weiter ausgebaut werden darf (;

Verpackt wird das ganze in sehr stimmiges Artwork. Im Booklett werden einzelne Details des Covers immer wieder aufgegriffen und die Lyrics dennoch sehr lesbar und übersichtlich präsentiert. Und auch wenn die abgepellte Fresse auf der CD erst mal nach dem typischen Brutal Death Metal Klischee um Guts’n Gore aussieht, zeigt sich in dem zweigeteilten Hintergrund doch vielschichtiger und gesellschaftskritischer. Auf der einen Seite eine Szene, wie sie direkt aus Clive Barkers Hellraiser stammen könnte, auf der anderen Seite die friedliche Vorstadtidylle. Ich weiß definitiv, was mich mehr erschreckt…

Wer gerne Benighted, Cattle Decapitation und Phobiatic hört, sich eine stimmige Mischung aus den Dreien vorstellen kann, sollte definitiv „New Breed Of An Uncurable Disease“ antesten! Trotz kleinerer Schwächen, wie der etwas „schwächeren“ ersten Albumhälfte und einiger Teile, die durchaus gestraft werden könnten, haben OBSOLETE INCARNATION ein abwechslungsreiches und überdurchschnittlich gutes Debüt abgeliefert!

Infos:
Eigenproduktion – 2015
CD – 11 Lieder / 40:06 Min.

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