Human Waste – Human Waste


Human Waste - Human WasteOhren auf! Denn endlich ist das Debüt-Album von HUMAN WASTE aus Aachen draußen. Obwohl sich die Band mittlerweile auf einigen Konzerten bereits einen Namen machte (unter anderem auf dem legendären NRW Deathfest zu Wermelskirchen und diversen Untergrund-Shows), sind diese heißen Newcomer aus Aachen noch viel zu unbekannt! Das liegt vielleicht an dem etwas unglücklichen Namen. Immerhin gibt es viele HUMAN WASTEs. Nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Punk-Band oder der mittlerweile dahingeschiedenen Brutal Death Metal/Goregrind-Band aus Trier! Und nicht zuletzt hat Xtreem Music quasi parallel zum Release des selbstbetitelten Debüts auch noch die „Harvest Remnants“ der spanischen Namensvettern erneut aufgelegt. Trotz dieser Widrigkeiten ist die Huldigung an die Suffocation-EP ein guter Ausblick darauf, was den Hörer erwartet…

Die vorige Drei-Track-Demo ist leider etwas untergegangen. Die Songs gab es nur digital und ohne irgendwelche Werbung. Schade! Aber so knallt das Album direkt umso mehr. Der Sound von Ramon Smith, der auch das erste Album von Obsolete Incarnation aufnahm beim lokalen Festival der Aachener, dem „Knüppel Aus Dem Sack“, immer hinter den Reglern sitzt, hat „Human Waste“ ein fettes, modernes aber durchaus dreckiges Soundgewand gezaubert. Keine Spur von Überproduktion. Jedes Instrument klingt organisch und dennoch differenziert. Vielleicht hätte ich mir noch etwas mehr Schmutz an manchen Stellen gewünscht, so wie die Band eben auch live klingt. Doch ist das jammern auf extrem hohem Niveau. Abseits von sterilen Trigger-Sounds und digitalen Gitarren-Effekten, haben HUMAN WASTE einfach einen passenden Sound für ihre brutale Musik!

Der Bandname deutet es schon an: Suffocation-Zitate findet man durchaus einige auf diesen 30 Minuten. Gerade viele schrammelige Gitarren und derben Grooves legen hier deutliche Ehrerbietung ab! Doch von einer reinen Kopie sind HUMAN WASTE gleichermaßen entfernt. Dafür finden sich zu viele andere Elemente in ihrer Musik. Dezent hört man die Einflüsse aus dem Slam. Ohne zu prollig oder stumpf zu sein, böllert das Schlagzeug über abgedämpfte Riffs und bildet einfach nur eine dicke Klangwalze. Doch schon nach der nächsten Wendung sind die Gitarren wieder verspielt, flechten dezente Harmonieverläufe in die Riffs und zeigen gelegentlich sogar etwas Technik und Melodie. Suffocation trifft Severe Torture trifft einen Hauch von Deadborn. In dieser Mischung bietet „Human Waste“ immer wieder viel zu Entdecken und hat dennoch genug griffige Momente, um direkt im Gedächtnis hängen zu bleiben.

Gerade „Condemned To Endless Suffering“ zeigt wohl am besten die ausgewogene Mischung aus Harmonieverständnis und Brutalität. Das Lead in der Eröffnung geht sofort ins Ohr, erinnert stark an die erste Deadborn-EP, aber spätestens zum Slowdown am Schluss des Liedes, wird die Nummer ungleich brutaler. Dabei ist es neben „Bloodignition“ noch einer der geradlinigsten Tracks des Albums. Andere Songs wie „Beheaded In The Pit“ bieten wesentlich mehr zu entdecken, ohne aber überladen zu wirken.

Kleine Details heben HUMAN WASTE von vielen anderen Brutal Death Metal Bands ab, die oft einfach zu stumpf agieren und in aller Brachialität nicht in Erinnerung bleiben. Neben den eingängigen Riffs und hervorragenden Soli, die immer wieder das Album durchziehen, beleben überraschende Wendungen dieses Debüt. Dezente Beckenspielereien von Schlagzeuger Ben, das minimalistische Stop’n Go in „Rampage“ oder der äußerst tanzbare Teil in „Exterminate The Purity“ setzen mindestens genau so markante Akzente, wie vereinzelte Bass-Zwischenspiele und das richtige Händchen für morbide Atmosphäre.

Dazu ist die Eigenveröffentlichung auch optisch ein richtiger Augenschmaus! Neuer Bassist Tobi (u.a. (ex-) Hader, Unbegotten) hat ein unglaublich geiles Dotwork-Cover gezaubert, das in seiner dreckigen Message auch locker auf jede Crust oder Grindcore-Scheibe gepasst hätte. In entsprechend post-apokalyptischer schwarz/weiß Optik ist auch das restliche Booklet gehalten. Das unterstreicht die kompromisslose Underground-Attitüde außerordentlich.

HUMAN WASTE haben alles richtig gemacht. Gerade im aktuellen Retro-Hype setzen sie mit ihrer Mischung aus kompromissloser Brutalität und dennoch eingängigen Songs mit verdammt gutem Songwriting einen angenehmen Gegenakzent. Dieses rundum stimmige Gesamtpaket kann und sollte eigentlich jeder Fan von (klassischem) Brutal Death Metal bedenkenlos kaufen. Vollste Empfehlung!

Infos:
Eigenproduktion – Dezember 2014
CD – 8 Lieder / 30:37 Min.

https://www.facebook.com/humanwasteaachen