Human Remains – Using Sickness As A Hero (Vinyl Re-issue)


Human Remains - Using The Sickness As A Hero25 Jahre Relapse Records! Na wenn das mal kein Grund zum Feiern ist. Und natürlich feiern sich Relapse selbst mit einer Reihe von Vinyl-Reissues aus dem reichhaltigen Backkatalog, von denen noch so manche folgen sollen (und meinetwegen auch können). Sinnvoll auf jeden Fall, da so manches Original nicht mehr bezahlbar ist oder so mancher Tonträger niemals überhaupt auf Vinyl veröffentlicht wurde. So auch diese grandiose EP „Using Sickness As A Hero“ von New Jerseys semiklassischen HUMAN REMAINS.

Einstiges Spielfeld von Tausendsassa und Drumderwisch Dave Witte (Iabhorer, Discordance Axis, Municipal Waste, Melt Banana…), so haben es HUMAN REMAINS leider nur auf ein paar Demos und zwei EPs gebracht, wobei diese hier behandelte wohl das Teil ist, das einem Longplayer am nächsten kommt. Siebzehn Minuten. Nur siebzehn Minuten zwar, die es aber in sich haben.

Für die damalige Zeit als Genre noch lange nicht so ausgebrannt wie heute, ja sogar noch in den Kinderschuhen, gaben HUMAN REMAINS mit dieser EP nämlich einen der Blueprints ab für eine technische anspruchsvolle Variante dessen, was man später vielleicht sogar mal als Metalcore oder Mathcore bezeichnen würde. Hier wird technischer, angeproggter Death Metal mit Hardcore, Powerviolence und Grindcore in den Mixer geworfen und heraus gekommen ist ein bisweilen schräges, fieses, intensives Brett, das noch heute gegen so viel ähnlich gelagerten Kram, ob nun chaotischer Hardcore, technischer Grindcore, Metal- oder Deathcore, problemlos bestand hat.

Natürlich will man bei einer derartigen Beschreibung sofort Discordance Axis schreien, doch so einfach ist das mit HUMAN REMAINS einfach nicht. Natürlich lässt sich die Nähe alleine des Schlagzeugspiels wegen kaum leugnen, doch HUMAN REMAINS gehen wesentlich vielschichtiger, abwechslungsreicher und metallischer vor. Hier treffen schwerfällige Cattle Press/“Blessed Are The Sick„-Riffs auf chaotische Blastausbrüche, schräges, noisiges, angejazztes Gefrickel (Unsane, Botch, The Dillinger Escape Plan) auf fette Death Metal Riffs und heißere Vocals, die mich das eine um das andere Mal an Ripping Corpse denken lassen, und auf derbe Stop-and-Go-Attacken, wie sie Iron Lung heute so unnachahmlich beherrschen.
Das klingt genauso kaputt und derbe, wie die Exekution anspruchsvoll und präzise ist. Und nicht nur für die damalige Zeit überaus eigenständig, ja überhaupt, in Sachen Intensität in dieser musikalischen Ecke kaum erreicht.

Als Bonus hat Relapse passenderweise das gleichbetitelte Demo auf die B-Seite gepackt, dass der Finalversion in wenig nachsteht. Leider verpassen Relapse somit aber die Chance, ihre vor gut 13 Jahren veröffentlichte Discography-2CD des HUMAN REMAINS’schen Schaffens hiermit Vinylfreunden zugänglich zu machen, ein Doppel-LP-Release wäre hier doch eine schöne Idee gewesen. Etwas schade ist das schon, dennoch lässt sich kaum kleinreden, dass „Using Sickness As A Hero“ auch als einzelne Veröffentlichung absolute Daseinsberechtigung hat. Test Of Time bestanden, würde ich mal behaupten.

Infos:
(Vinyl Reissue 2014 mit Using Sickness As A Hero Demo auf B-Seite)
Relapse – 2015
LP

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