Thaw – Earth Ground

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Thaw - Earth GroundPolens Black Metal Szene scheint auch jenseits von irgendwelchen grenzwertigen Charakteren und NS-Kasparen überaus vital und quicklebendig zu sein. Nicht nur Traditionalisten wie die großartigen Cultes Des Ghouls, auch moderner erklingende Gruppen wie die gleichwertig herausragenden Mgła und Furia liefern seit einigen Jahren überaus starke bis meisterhafte Tondokumente ab, die sich nicht scheuen, auch mal über die Genrekonventionen hinwegzuspicken. Gerade Furias letzte drei Longplayer sind Paradebeispiele für moderne Black Metal Alben, experimentell zwar, aber noch lange nicht den Post- und Cascadian-Wald-und-Wiesen-Spielarten zuzuordnen. THAW, mit personellen Verbindungen zu Furia, schlagen dabei in eine ähnliche Kerbe, gingen aber von Anfang an schon einen Schritt weiter und vermischen gerade auf den ersten Demos typische Elemente von Furia und späteren Mgła mit harschen Noiseexperimenten, was leider nicht unbedingt immer als gelungen zu erachten war („Decay„). Das konnte man damals in den USA und in Frankreich schon besser.

Zeitsprung ins Jahre 2014. Mit „Earth Ground“ erscheint nun der zweite vollwertige Ausstoß und setzt sich schon durch sein Artwork, dass offensichtlich durch die Veröffentlichungen Earths, Khanates und Boris‘ inspiriert ist, vom Gros des Black Metal deutlich ab. Musikalisch hat man sich nicht allzu weit von den eignen Ursprüngen entfernt, den Harsh Noise allerdings ganz gedroppt. Dafür könnte man die aktuell genutzte Formel nun allerdings recht simpel fassen: Mgła + Furia + frühen Post-Metal/Sludge der Marke mittlere Isis. Soweit, so gut, so unspannend dies klingen mag, so grandios ist dieses Album.

Denn zum einen bieten THAW äußerst dynamische und spannende, modern produzierte, bisweilen dissonante Songs, die gekonnt die genannten Element in sich aufnehmen und vermischen, ohne irgendeines davon zu sehr zu gewichten. Treibender, allerdings kaum blastender Black Metal, melodische Einschübe, mal eher typisch epischerem Black Metal verhaftet, mal eher inspiriert durch Neurosis und Konsorten, allerdings ohne auch nur eine Sekunde irgendwie postrockig zu erscheinen, dazu schwerer, moderner, metallischer Sludge (im Sinne von eben jener genannten Phase von Isis). Dabei bleiben THAW konsequent bei dieser Mixtur und suchen zu keiner Sekunde händeringend nach Kreativität einen Ausweg in irgendwelchen ohnehin wohl aufgesetzt wirkenden Extremen. Nein, „Earth Ground“ wirkt als Gesamtwerk homogen, ist fesselnd und überaus massiv. Und trotz des modernen Klangs eben durch die absolute Verweigerung von Einflüssen von Bands wie Wolves In The Throne Room oder Deafheaven überaus erfrischend. Und heavy!

Liest man sich so manches Review zu „Earth Gorund“ durch, so fallen dann und wann auch mal Namen wie Cough und Eyehategod, was man aber getrost verneinen kann. Wenn man denn wollte, könnte man als gröbere Eckpunkte langsame Ulcerate und „Paracletus“ von Deathspell Omega nennen, vielleicht noch Tekeli-li“ von The Great Old Ones in ihren langsamen Passagen, wobei die Franzosen dann doch direkt und unverblümt Isis plagiieren.

Wie dem auch sei, THAW haben auf „Earth Ground“ aller Vergleiche zum Trotz ein äußerst hörenswertes Black Metal Album erschaffen, dass auf jeden Fall aus der Masse der so genannten, hier auch eher weit gefassten Post Black Metal Welle herauszustechen vermag, ja, eigentlich auch gar nicht wirklich hineinpassen will, gerade weil es dabei doch noch so typisch polnisch klingt. Bravo!

Infos:
Witching Hour Productions – Oktober 2014
CD – 8 Lieder / 40:34 Min.

https://www.facebook.com/THAWnoise
https://thaw.bandcamp.com/album/earth-ground

http://www.witchinghour.pl/