NAPALM DEATH – Apex Predator – Easy Meat


Napalm Death - Apex Predator - Easy MeatOb es frech erscheint, den selbsternannten „Enemies Of The Music Business“ aufgrund der etwas dreisten Label-Veröffentlichungspolitik sarkastisch den Sell-Out vorzuwerfen? Auf jeden Fall finde nicht nur ich diese Art und Weise „bescheiden“, den Fan mit verschiedenen limitierten Formaten mit jeweils verschiedenen Bonustracks zu Mehrausgaben zu nötigen. Klar, man stellt dem entgegen, der Fan müsse ja nicht kaufen, aber da bei Century Media selbst genügend Fans am Werke sind, würde eine solche Ausrede eher fadenscheinig daherkommen. Von meiner Seite gibt es hierfür ein fettes Buh! an das eigentlich so sympathische Label und auch an die Band, die sowas ihrer stets präsenten Philosophie wegen eigentlich sich dagegen hätte aussprechen sollen. Andere sind auch weniger zimperlich bei Unzufriedenheit mit der Releasepolitik ihres Labels. Ugh-Mann Fischer bleistiftsweise, der ja bekanntlich zu Herrn Greenways Idolen zählen dürfte. Auf jeden Fall sind das „Easy Prey“ hier Zahlungswillige oder Die-Hard-Sammler und eben dies lässt die Feindschaft der Herren gegenüber der ach so verhassten Musikindustrie doch eher marginal ausgeprägt erscheinen.

Kommen wir also zur Musik, zugrunde liegt die Promoversion des Albums mit 14 Tracks. Die insgesamt auf drei Medien verteilten vier Bonustracks lasse ich außen vor. Warum sich auch mit auseinandersetzen, wenn kaum jemand in den Genuss aller kommen wird, wenn er sich nicht die teure Almost All Inclusive Box kauft?

Apex Predator – Easy Meat“ beginnt experimentell, wie man es schon nach dem Auftritt auf dem Roadburn als Bekenntnis zu den doomig-noisig-industriellen Einflüssen der NAPALMs (Swans, Killing Joke, Coil, später auch Godflesh) befürchten musste, die aller Überraschungsauswürfen zum Trotz allerdings niemals irgendein Geheimnis darstellten, wenn man sich etwas in der Bandhistorie auskennt – Teilnahme an der „Patholocigal Compilation“ mit Carcass und sonst nur Industial und Noise Künstlern, Tracks wie „Evolved As One„, deren Nähe zu alten Swans kaum totzuschweigen wäre, Broadricks, Harris‘ und Bullens weitere Betätigungsfelder (Godflesh, Scorn, Jesu…) als mehr oder weniger direkt Fortführungen von schon damals im NAPALM Sound vorhandenen Elementen, und so einigen weiteren, auf späteren Werken folgenden experimentell-noisigen Elementen (Intro von „Utopia Banished„, der mal mehr, mal weniger latente Industrial-Einfluss auf „Fear, Emptiness, Despair„, etc.). Kurzum: NAPALM DEATH hatten schon immer etwas mehr zu bieten, schon zu Frühzeiten, als nur die Axt, die sie maßgeblich so sehr mitprägten.

Aber zurück zum misslungenen Einstieg „Apex Predator – Easy Meat„: Martial Industrial light, maschinelle Rhythmen, schräge Vocals gehen fließend in ein Swans-eskes, stoisches Gehake über, unterlegt mit allerlei Noise. So etwas war ja zu erwarten und ist an sich auch weniger katastrophal als die Swans-goes-Killing-Joke-Zirkusnummer „Dear Slum Landlord…„, welche ja von der Roadburnshow bekannt war. Mick Harris hat schon Recht, wenn er auf Facebook verbreitet, die NAPALMs sollten sowas lassen. So konsequente Experimente stehen ihnen nicht gut zu Gesicht, wie jedoch die letzten paar Alben oder auch hiesige Songs wie „Hierarchies“ oder das (auf einem bonustrackfreien Tonträger vorhandene) Abschlussdoppel „Adversarial / Copulating Snakes“ bewiesen, können die Herren innerhalb ihrer gewohnten Jagdgründe durchaus gelungen fremde Einflüsse zulassen, die eine gekonnte Symbiose mit dem metallischen Krach eingehen. Aber in Form ganzer Songs? Nope. Dazu ist das entsprechende Talent schon lange abgewandert.

Und sonst? Sonst zeigen sich die Napalms auf bekanntem Niveau: Berge versetzt man keine (mehr), macht aber sonst alles wie gehabt richtig. Hier und da ist die überaus versierte und abwechslungsreiche Gitarrenarbeit etwas fieser und noisiger ausgefallen; man merkt schon, dass die Herren Embury und Harris durchaus Gefallen an Bands wie Today Is The Day und Unsane haben – die krachige Note steht der Band ausgesprochen gut und gibt der ganzen Chose auch einen leicht noisig-punkigen Touch, den man so unmittelbar direkt seit „The Code Is Red…“ nicht mehr vernehmen durfte .

Auch scheint das Gesamttempo etwas erhöht worden sein zu sein, denn zur üblichen Mischung aus metallisch flott und Blast gesellen sich eine Vielzahl an hektischen Uptempoparts, die den noisig-hardcorelastigen Grundton von „Apex Predator“ noch etwas unterstreichen. Bravo! Denn genau hier fesselt „Apex Predator“ am meisten und reißt den Hörer förmlich in den Pit, bietet dabei aber noch genug musikalische Widerhaken und Unbequemlichkeiten, um für den Hörer eben kein „Easy Prey“ zu werden. So mag ich meine Post-Harris-NAPALMs!

Natürlich könnte man NAPALM DEATH vorwerfen, im Prinzip alle zwei Jahre ein und dasselbe Album herauszubringen. Ganz falsch wäre dieser Vorwurf nicht, doch Stagnation findet eben nicht unbedingt statt. Zum einen haben NAPALM DEATH einfach ihren Stil gefunden, nachdem die späten Neunziger und frühen 2000er manchmal etwas orientierungslos daherkamen – doch selbst diese Phasen schlagen sich im heutigen Sound nieder. Zum anderen aber überdenken NAPALM ihren Sound mit jedem neuen Album neu, justieren hier und dort ein bisschen, lassen dann und wann auch Fremdes zu, ohne jedoch sich dabei zu sehr zu verbiegen (und falls doch einmal, geht es leider schief, siehe oben).

So wirkt jedes NAPALM DEATH Album an sich natürlich und typisch zugleich und fordert dabei den Kritiker, wie auch den Fan, einfach mal auch etwas genauer hinzuhören, denn – genau wie eben bei „Apex Predator“ – gibt es trotz aller vordergründigen Blastbeats, wilden Moshs und gescheiterten Experimenten einfach doch so einiges zu entdecken!

https://soundcloud.com/centurymedia/napalm-death-cesspits

https://soundcloud.com/centurymedia/napalm-death-how-the-years-condemn

Infos:
Century Media – Januar 2015
CD/LP/Download – 14 Lieder / 39:57 Min.

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