Exhumed – Gore Metal: A Necrospective 1998-2015

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Exhumed - Gore Metal ReduxNachdem Impaled vor einigen Jahren ihr Debüt „The Dead Shall Dead Remain“ eher aus pragmatischen Gründen, nämlich der Unerreichbarkeit der Rechte daran für ein Re-Release des lange ausverkauften Semiklassikers wegen, eben dieses neu aufnahmen, so schicken sich ihre Brüder EXHUMED an, eine komplette Neuaufnahme des klassischen Debüts „Gore Metal“ aus dem Jahre 1998 nun auf den Markt zu werfen. Da hier keine Rechtsfragen offen sind – man verweilt noch immer auf Relapse -, noch das Album irgendwie schwer zu bekommen wäre, entzieht sich mir zwar der Sinn des Ganzen.

Wäre gegebenenfalls nicht ein Reissue, remastered, mit Bonüssen sinnvoller, vielleicht sogar interessanter für die Fans, die die frühen Veröffentlichungen verpasst haben? Oder wäre es tatsächlich nicht endlich mal an der Zeit, das eigentliche Debütalbum und „Reek Of Putrefaction„-Huldigung „Goregasm“ (1992), das es nur in inoffizieller Form auf Tape und zum Download in Matt Harveys Blog gab, ordentlich zu releasen? Nun ja, die Frage dürfte mit den gegebene Aussagen in diversen Interviews nur dürftig beantwortet sein.

Natürlich höre ich jetzt schon die „Milchmänner“-Rufe, aber sind wir mal ehrlich, so viel verkaufen EXHUMED auch nicht, um ihnen mit ihrer doch recht extremen Kunst einen Sell-Out vorzuwerfen. Außerdem spielen EXHUMED noch immer einige dieser ollen Klopfer in ihrem Liveset, was es zumindest für Fans interessant gestalten könnte, eben diese im aktuellen Line Up mal konserviert zu haben… Aber ok, widmen wir uns dem Remake von „Gore Metal„…

Im Folgenden setze ich einfach mal die dort enthaltenen Songs wie den Überhit „Open The Abscess“ als bekannt voraus, was schon so passend ist, denn „Gore Metal“ wurde weitestgehend originalgetreu repliziert, was die ganze Geschichte umso fragwürdiger macht. Sicher, das Spiel ist vielleicht tighter, hier und da knüppelt Mike Hamilton auch einen Zacken flotter und kontrollierter, aber sonst? Im Wesentlichen besteht der Unterschied im Sound. Wo das Original anno 1998 klang wie ein hysterischer Bastard aus alten Sodom und Carcass, auch vom Songwriting her, erschallt „Gore Metal“ 2015 wesentlich todesmetallischer, zwar nicht poliert, aber weniger sägend, weniger krachig und kreischend, dafür wesentlich trockener, direkter ins Ohr gehend, was das Hitpotential einzelner Songs zwar etwas steigert, der ganzen Geschichte aber die doch sehr räudige und charmante Note raubt. Man fragt sich konsequenterweise, ob es ein neuer Mix und ordentliches Remastern nicht auch getan hätten – und stellt dennoch fest: passt schon, klingt ja doch recht geil. Kurzum: cool, aber doch schon unnötig irgendwie.

Immerhin bemühten sich die Herren darum, mit Ross Sewage (Impaled, Ghoul und Wolves In The Throne Room) und Mike Beams (Mortuous) zwei der Originalmusiker von 1998 für die Neuaufnahmen mit ins Boot zu holen, was durchaus als gelungen zu werten ist, den Dr. Sewages Vocals klingen immer noch so dermaßen brutal und nach Klospülung, dass es die reinste Freude ist! Wäre das geil, den wieder bei Shows mit an Bord zu haben! Schade ist dann doch, dass Col. Jones (jetzt u.a. bei Cretin und Mortuous) nicht hinter den Kesseln sitzt, was das Ganze vom Gefühl her doch etwas runder gestaltet hätte. Weitere Studiogäste sind übrigens mittlerweile Ex-EXHUMED Basser Bodybag Bob, der live immer für ordentlichen Spass sorgte, und Alejandro von Nausea (L.A.), die mit Leon Del Muerte ebenfalls eine Querverbindung zu EXHUMED haben – aber sind wir mal ehrlich, welche Band aus SoCal hat das nicht?

Auch gelungen ist das wesentlich (noch!) reißerische Remake des originalen Coverarts. Nicht ganz so trashig, dafür extremer und doch ein Tribut. Ich musste grinsen… wie auch bei den ausführlichen, lesenswerten Liner Notes zur Neuaufnahme mit allerlei Anekdoten zur damaligen Zeit und Aufnahmesessions zum Original. Leider geben diese dann auch keinen schlüssigen, wirklich gerechtfertigten Aufschluss darüber, weswegen man nun „Gore Metal“ remakte und als volles Album veröffentlichte und nicht irgendwie dann zumindest als Bonus zu einem Re(re)lease verwurstete… na, vielleicht war es auch eine Labelentscheidung, wer weiß.

Wie dem auch sei, die Frage, ob man sich das Ding ins Regal stellen sollte oder eben nicht, die muss jeder für sich selbst beantworten. Essentiell ist „Gore Metal: A Necrospective 1998-2015“ auf keinen Fall, wie ich finde. Nett schon eher, die Gründe dafür sind oben nachzulesen, aber nicht, nie und nimmer essentiell. Ich selbst habe diese Frage für mich allerdings mit ja beantwortet. Ich habe die Band in der zweiten Hälfte der Neunziger durch Split-EPs mit diversen Hardcore- und Grindcore-Bands kennengelernt und habe sie seitdem verfolgt, oft live gesehen (unvergessen: Wacken 2001 mit dem Slogan „Gore not War!“ auf den Saiteninstrumenten als Kommentar zu Bushs zweitem Irakkrieg) und seit damals auch jedes Release ergiert und mich immer wieder gefreut, etwas Neues von EXHUMED zu hören und sie wieder und wieder zu sehen – wer ihre zum Teil abgefuckt geilen Shows kennt, weiß warum!

Und wie es eben so ist, ist „Gore Metal“ mir die liebste Scheibe geblieben und wandert auch noch nach bald 17 Jahren immer mal wieder auf den Teller. Das nennt man wohl Fandom. Und wenn ich ehrlich bin, wäre „Gore Metal“ 2015 totaler Rotz geworden, ich hätte sie mir dennoch gekauft. Oft aufgelegt werden wird sie dennoch nicht…

Infos:
Relapse Records – 2015
CD (mit ursprünglichem Album auf Bonus-CD) – 12 Lieder / 40:40 Min.

https://www.facebook.com/ExhumedOfficial
http://www.gorefuckingmetal.blogspot.de/

https://relapserecords.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/RelapseRecords
http://www.relapse.com/