Chapel Of Disease – The Mysterious Ways Of Repetitive Art


Chapel Of Disease - The Mysterious Ways Of Repetitive ArtCHAPEL OF DISEASE haben wirklich alles richtig gemacht! Zunächst sind sie mit ihrem doch recht traditionellem Debüt in der Szene eingeschlagen wie eine Bombe. Bereits zuvor hat ihr Demo in einem kleineren Adressatenkreis für aufsehen gesorgt. Doch „Summoning Black Gods“ sorgte erst richtig für Aufsehen bei Presse und Fans. Damals noch mit relativ innovationsarmen- aber dadurch nicht minder unterhaltsamen –  Death/Thrash für Fans von Morgoth, Death oder Pestilence. Mittlerweile ist der „old school Death Metal“ aber stark überflutet. Selbst wenn die alte amerikanische Schule mit Thrash-Einschlag weniger Populär ist als Autopsy oder gar das schwedische Gegenstück um Entombed oder Nihilist, gibt es immer noch starke Konkurrenz. Nicht zuletzt auf dem eigenen Label FDA Rekotz, wo Bands wie Skeletall Remains oder Morfin auch um die Gunst des Zuhörers buhlen.

Schlussendlich bleibt nur ein logischer Schritt: Trotz der Grenzen des alten Death Metals einen eigenen Sound kreieren. Das dies durchaus möglich ist, zeigten bereits Tribulation mit „The Formulas Of Death“ oder Morbus Chron mit „Sweven„. Und genau diesen Weg haben nun auch CHAPEL OF DISEASE gewählt! Als Ergebnis ist ihr Zweitwerk „The Mysterious Ways Of Repetitive Art“ immer noch im klassischen Todesstahl verwurzelt, zeigt gelegentliche Einflüsse aus dem Thrash, ist aber auf der anderen Seite deutlich progressiver, schwärzer, vielschichtiger, gar an manchen Stellen psychedelisch. Im frühen Jahr 2015 ist es direkt ein großes Highlight, das die Messlatte für andere Bands des Sektors verdammt hochlegt und der kölner Band ein sehr deutliches, eigenes Profil gibt!

Der instrumentale Opener „The Mysterious Ways…“ deutet die neue Marschrichtung imposant an. Atmosphärisch, fast schon rituell, erinnert diese Eröffnung ein wenig an Solstafir. Der organische Sound mit viel Dynamik erzeugt schnell Parallelen zu den genannten Tribulation. Ein krasser Kontrast zum geradlinigen Death/Thrash von „Summoning Black Gods„.

Ab „The Dreaming Of The Flame“ geht es wieder deutlich metallischer zur Sache. Das Grundriff ist morbide, das Schlagzeug legt immer wieder richtig geilen Groove vor. Aber deutlich vielschichtiger als auf dem Debüt-Album. Dort wurden einige, wenngleich sehr coole Parts, einfach zu lange gespielt oder zu oft wiederholt. „The Mysterious Ways Of Repetitiv Art“ geht da deutlich komplexer vor. Die Songs steigern sich logisch und flüssig, werden durch plötzliche Breaks in langsame und atmosphärische Passagen durchzogen oder breschen überraschend in Blastbeats aus. Ohne eine Idee zu kurz oder zu lang zu verwerten. Immer fein auf den Punkt.

Dazu tummeln sich griffige Riffs, eingängige Harmonielinien und grandiose Soli mehrfach in den einzelnen Liedern. Letztere häufig an altem Heavy Metal oder Hard Rock orientiert. Gut ausgearbeitet, melodisch und mit einer Geschichte zum erzählen. Da zeigen sich auch wieder gewisse Parallelen zu den Label-Kollegen Obscure Infinity, die eine ähnliche Herangehensweise an ihre Gitarrenarbeit haben.

Durch den komplexeren Aufbau der einzelnen Songs, gibt es ad hoc keinen direkten Nachfolger zum Hit „Nameless City„, der genau so direkt zündet. Doch wenn man die Lieder wirken lässt, zeigen sich auf dem aktuellen Album sogar noch wesentlich mehr Songs mit überdurchschnittlichem Unterhaltungsfaktor. Gerade „Lord Of All Death“ sticht als Vorzeigestück der Platte deutlich hervor. Er beginnt leicht dissonant, roh, erfährt dann aber eine schöne Auflösung in teilweise absurdes Riffing, unterlegt mit Flanger-Effekt um dann in den Blastbeats ähnlichen Boogie-Woogie wie Tribulation oder Vampire zu tanzen. Mehrstimmige Harmonien und Rock-Vibe ergänzen logische Steigerungen, werden durch schlagartige Wechsel in Geballer umspielt. Ein umwerfender Track!

Symbolic Realms“ ergänzt diese hervorragenden Eigenschaften durch einen dezenten Keyboard-Teppich zum Beginn, zeigt dann aber auch wieder ein paar wütende Thrash-Bezüge zum Vorgänger-Album. Psychedelischer und deutlich eigenständig ist dann „Life Is But A Burning Beeing„, das wunderschön mit klaren Gitarrenlinien und trister Atmosphäre spielt.

Den großen Epos legen CHAPEL OF DISEASE allerdings mit „… Of Repetitive Art“ hin, das in fast 10 Minuten genug Zeit für eben repetitive Elemente mit fast rituellem Charakter und sehr schwarzer Atmosphäre hat. Im stimmigen Verlauf des Songs werden immer wieder thrashy Reminiszenzen an „Summoning Black Gods“ mit dem aktuellen progressiven und psychedelischen Ansatz verwoben. Ohne dabei zu verkopft zu sein, sondern immer schön mit reduzierten Mitteln ein großes Gemälde erschaffend.

Am Ende vergehen die knapp 50 Minuten für die sieben Lieder sehr kurzweilig. CHAPEL OF DISEASE offenbaren eine Menge zum Entdecken, erschaffen verspielte, vielschichtige Songs, die niemals von ihrer Geschichte abschweifen. Dabei verliert „The Mysterious Ways Of Repetitive Art“ aber zu keiner Sekunde an Härte, sondern gewinnt nur an dunkler Atmosphäre.

Passend zu diesem neuen, künstlerischen Ansatz sind die Texte von diversen Erzählungen beeinflusst. Mitunter Johann Peter Hebel, Edgar Allan Poe, Lord Dunsany und Gustav Meyrink standen Inspiration für die Lyrics. Ergänzend wurde zu jedem Text eine schön archaische Illustration von Misanthropic Arts angefertigt, der auch das wunderschöne, äußerst repräsentative Cover verbrochen hat.

So ist „The Mysterious Ways Of Repetitive Art“ in sich ein kleines Kunstwerk, an dem einfach alles stimmt! CHAPEL OF DISEASE haben sich eindrucksvoll aus der Masse der oldschool Death Metal Bands emanzipiert und eine eigene Identität erschaffen. Und diese präsentieren sie in allen Belangen überragend!

Dieses Qualitätsurteil teilen ebenso viele andere Stimmen aus Presse und Szene. Zusammen mit den Erwartungen aus dem Debütalbum waren die beiden LP-Versionen schwarz und gelb aus der ersten Pressung schnell ausverkauft. Eine zweite Charge steht aber bereits bereit. Diesmal durchsichtig. Wie lange diese Auflage noch verfügbar ist, ist allerdings ungewiss. Bei Interesse sollte man sich also ranhalten!

Wer noch unschlüssig ist, kann sich über den neuen Service von FDA Rekotz freuen. Denn seit diesem Jahr gibt es auch ein Bandcamp-Profil. Unter anderem mit „The Mysterious Ways Of Repetitive Art“ als kompletten Stream.

Infos:
FDA Rekotz – 16.01.2015
CD/LP – 7 Lieder / 47:42 Min.

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