Horn Of The Rhino – Summoning Deliverance


Horn Of The Rhino - Summoning DeliveranceIrgendwie ist es sympathisch, dass HORN OF THE RHINO sich in keine Genre-Grenzen zwängen lassen. Sie mischen munter Doom, Sludge, etwas Thrash und dezenten Elementen aus Death und Black Metal. Das birgt Potential! Nicht zuletzt haben Bands wie Mantar oder Primitive Man durch weitere Einflüsse in Doom und Sludge für aufsehen gesorgt. Mit dem mittlerweile vierten Album unter diesem Namen – von 2004 bis 2010 war die Band scheinbar alleinig unter dem Banner Rhino aktiv – sollte also ein interessanter und abwechslungsreicher Stilmix durchaus drin sein, oder?

Nun, leider ist „Summoning Deliverance“ eher ernüchternd. Die Mischung aus den verschiedenen Elementen geschieht nicht sonderlich homogen. Meist kann noch ein thrashy Riff irgendwo versumpft werden. Doch häufig sind die Ideen eher klotzig aneinander gereiht. Dazu sind eigentlich alle Songs zu lange und kommen irgendwie nicht auf den Punkt. Im Gegenteil, man hat sogar das Gefühl, dass, trotz deutlicher Überlänge und einige verheizter Ideen, nie so richtig was bei HORN OF THE RHINO passiert.

Gerade „High Priest“ oder „Grim Foreigners“ sind verdammt stumpf und gehen in ihren vielen Ideen total unter. Da retten auch ein paar Death Metal Elemente in letzgenanntem Song so wenig, wie es der Celeste-Touch vom Anfang schafft. Auch „Their Tombs“ wirkt sehr zerstückelt, wenngleich der morbide Groove und der kalte Black Metal Part das Lied ein wenig beleben. Irgendwie machen gerade diese räudigeren Nummern auf „Summoning Deliverance“ keinen Spaß.

Besser sehen HORN OF THE RHINO hingegen aus, wenn sie klassischer agieren, mehr Richtung Saint Vitus und anderem traditionellen Doom spielen. Bitterböse und tonnenschwere Riffs erzeugen eine unheilvolle Atmosphäre und der klare Gesang setzt richtig gute Akzente. Ja, für das Wechselspiel zwischen Schreien, Würgen, Shouts und dem normalen Gesang, muss man Javier echt zu gute halten; stimmlich ist die Platte verdammt abwechslungsreich!

Diese eher konventionellen Doom-Momente machen einen guten Teil des Albums aus. Nach ein paar Drones überrascht bereits das zweite richtige Lied „Onward Through Domination“ damit. „Deliverance Prayer“ führt diese Fahrtrichtung mit netten psychedelischen Ideen fort, verläuft sich zum Schluss aber leider dennoch was. Bester Song des Albums ist allerdings des abschließende „An Excess Of Faith“ mit seinem packenden Refrain!

Der Hidden-Track steht etwas außerhalb der restlichen Songs, überrascht abermals mit einer etwas fragileren Seite an HORN OF THE RHINO. Durchaus auch einer der besseren Songs des Albums.

Doch am Ende ist es nur eine sehr durchwachsene Stunde Musik. Will ich dreckigen Doom/Sludge/Hybrid-Kram, dann gebe ich mir Mantar, Primitive Man, Corova oder BSON! Will ich traditionelleren Doom, dann eben Naevus, Saint Vitus, Candlemass und so fort. Und wenn ich eine Mischung aus allem will, sollte es etwas homogener sein, einen roten Faden und eine eigene Identität haben. Das fehlt HORN OF THE RHINO auf „Summoning Deliverance“ aber noch.

Infos:
Doomentia Records – 2014
CD – 66 Lieder / 69:18 min.

https://hornoftherhino.bandcamp.com/
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http://www.doomentia.com/