Grinded Into Sludge – Issue 1

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Grinded Into Sludge - Issue 1Als Deutscher verbindet man mit Mallorca eher die schlimmste Touristenhölle. Umso überraschter war ich, als ich auf einmal einen Umschlag aus der Hauptstadt Palma de Mallorca in meinem Briefkasten hatte; darin befand sich die erste Ausgabe des GRINDED INTO SLUDGE. Ballermann, dicker Party und peinlichem Schlager gibt es allerdings nicht. Der Name dieses frischen Fanzines deutet es schon richtig an: Es gibt Geballer, Schmutz und eine Menge finsterer Aggression.

Dabei ist das Konzept verdammt gut! Wie man vermuten mag, widmet sich Autor Jeroni den Stilistiken Grindcore und Sludge. Hyperschnelles Gekloppe und zähes Downtempo, ein krasser Kontrast, der sich in seiner Dreckigkeit aber wunderbar ergänzen kann. Zumal das GRINDED INTO SLUDGE sich ausschließlich mit ernstgemeintem Grind befasst; ja, der Schreiber bekundet sogar eine Aversion gegenüber Porn- und stupidem Goregrind. Hervorragend!

Entsprechend traditionell und mit den Wurzeln im Hardcore und Punk, oder mit Einschlag in Richtung Powerviolence und Fastcore, gibt es hier richtig gute Interviews mit SAKATAT, MASSGRAV, GETS WORSE, DEAD INSTRUMENTS und LYCANTROPHY. Etwas mehr mit Thrash-Schlag sind da PLF und mit futuristischem Touch etwas abstrakter THE DOWNGOING. Ein Wenig Goregrind, aber im klassischen Sinne, gibt es von ROSKOPP. Der Sludge wird mit GRIME und den großartigen PRIMITIVE MAN bedient.

Dem Kenner fällt vielleicht auf, dass es SAKATAT oder ROSKOPP längst nicht mehr existieren. Derweil das Gespräch mit ROSKOPP posthum geführt wurde, hat Jeroni ein paar Interviews aus seiner Vergangenheit ausgegraben; die Gespräche mit SAKATAT oder LYCANTROPHY erschienen ursprünglich in Spanisch auf seinem Webzine. Das war eine richtig coole Idee, fügen sich die Interviews sehr stimmig in das Gesamtbild ein, und wirken zu keiner Sekunde angestaubt.

Eine ähnliche Retrospektive bieten drei Reviews in der Sektion „Noise From The Vault“, die „ältere“ Releases behandeln. Txus Troll steuert hier ausgiebige Besprechungen zu drei Scheiben von 1989 (Stench Of Corpse), 1995 (Arsedesytoyer) und 2001 (Rise Above) bei. Ein sehr interessanter Rückblick, der die restlichen Kritiken hervorragend ergänzt!

Für die eigentlichen Reviews greift Jeroni nur einmal auf eine Promo zurück (die Sete Star Sept/Lims Bin Split). Die restlichen Platten bespricht der Grindfreak aus reinem Enthusiasmus. Entsprechend fallen die 42 Kritiken auf 6 einhalb Seiten auch überwiegend positiv aus. Passend zum Genre, sind die Rezensionen kurz und knapp, aber gleichermaßen auf den Punkt. Hier sagen wenige Sätzen mehr aus, als manches Metal-Webzine in einer (virtuellen) Seite voller Plattitüden.

Abgerundet wird die Fanzine-typische Mischung aus Interviews und Reviews mit drei äußerst interessanten Kolumnen. Von Alltags-Zombies, dem Internet und Revoluzzern. Dazu das obligatorische Editorial, ein paar Thanx’n Greetz und fertig ist das GRINDED INTO SLUDGE.

Professionell gedruckt in etwas kleiner als DinA5, wirkt das Layout aber mindestens so professionell, wie gleichzeitig dreckig. Durch Hintergrundgrafiken und kontrastreiche Schwarzweiß-Bilder, entsteht der typische Cut’n Paste-Look eines traditionellen DYI-Fanzines. Zugegeben, durch manche schwarze Flecken im Hintergrund, werden kleinere Textstellen schwer zu lesen. Und auch die Laufweite des Textes über die komplette Seite würde in einem zweispaltigen Layout etwas angenehmer sein. Doch das ist wirklich Jammern auf höchstem Niveau!
Denn die Aufteilung auf diesem kleinen Platz, hat Jeroni wirklich erstklassisch hinbekommen! Meist ist die Einleitung auf einem Drittel einer Seite, Zierelemente wie Bilder, Logos und Artworks werden am unteren Rand angeschnitten. Eine sehr ansprechende wie pfiffige Lösung!
Dazu ist das GRINDED INTO SLUDGE richtig gut strukturiert. Ein Inhaltsverzeichnis macht die Navigation auf den 52 Seiten sehr einfach; die Reviews sind alphabetisch sortiert. Dabei sind gerade mal drei Seiten mit Werbung in dem Magazin. Ich bin hellauf begeistert!

Dieses kurzweilige Lesevergnügen gibt es auch noch für einen äußerst schmalen Preis. Inklusive Versand aus Mallorca, kostet das Heft nur 4 Euro, direkt von Jeroni. Hier in Deutschland gibt es das Teil für 2,50 bei Wooaaargh. Und demnächst auch bei Regurgitated Semen Records. Bei dem Preis und dem extrem guten Inhalt, gibt es eigentlich keinen Grund, warum der Grind oder Sludge-Fan nicht zuschlagen sollte. Für diese Sparte Musik, habe ich wohl mein neues Lieblingsmagazin entdeckt. Hoffentlich kommt dann auch alsbald die Ausgabe 2 vom GRINDED INTO SLUDGE. <3

Infos:
Format: etwas kleiner als DinA5
Sprache: Englisch
Umfang: 52 Seiten, 10 Interviews, 42 Reviews, 3x „Noise From The Vault“, 3 Kolumnen
Preis: 4 Euro (inkl. P&P) direkt, 2,50 via Wooaaargh

https://www.facebook.com/grindedintosludge
http://grindedintosludge.bigcartel.com/

http://www.wooaaargh.com/epages/64574534.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/64574534/Products/xmag-01