Day Of Doom – The Gates Of Hell


Day Of Doom - The Gates Of HellFür DAY OF DOOM ist es bereits das dritte Full-Length. Und das erste, das über ein Label erscheint. Dabei ist die Band bereits seit 2000 aktiv. Doch ist ihr eigenwilliger Stil sicherlich nichts für jedermann. Wer sich jedoch vor unangenehmer und etwas sperriger Musik nicht sträubt, bekommt auf „The Gates Of Hell“ sehr eigenständigen, ja zuweilen schrulligen Death Metal, den man nicht jeder Tage hört!

Die Wurzeln sind eindeutig in der Heimat von DAY OF DOOM angesiedelt. New York Death Metal, etwas brutaler als die Kollegen aus Florida. Dafür so blasphemisch und roh, wie viele texanische Bands. Die Brutal Death Metal-Attitüde, inklusive einiger (oldschool) Slams und Breakdowns erinnern an frühe Broken Hope. Die verschrobenen Breaks und Harmonien und die bedrohliche Atmosphäre ist nahe an Immolation. Dazu etwas dieser Grund-Vibe von Deicides „Legion„, gerade in manchen doppelstimmigen Passagen und Riffs. Mit einer Menge überraschender Wendungen und abgefuckten Songstrukturen, exzessiven Soli, die zwischen Walgesang-Teppichen und „richtigen“ Harmonielinien wechseln, plus dem eigensinnigen, zuweilen führenden Bass, klingt „The Gates Of Hell“ wie kein anderes Death Metal Album zur Zeit.

Diese Mischung ist aber sehr anstrengend. Häufig gibt es dissonante Spannungen, mürbende Tempo-Wechsel, die fließend auf und ab schwellen. Der furztrockene, teilweise fast schon eingeschränkte Klangraum macht das Album abermals unangenehm. Mit dem mehrstimmigen Gesang von Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger, gipfelt mehr als ein Moment in unheilvoller Kakophonie.

Es braucht also seine Zeit, bis man Zugang zu „The Gates Of Hell“ findet; bis man so garstige und beklemmende Nummern wie „Embrace Your Demise“ versteht und sich darin wohl fühlt. Spätestens mit „Slaughter Of The Lamb“ sollten dann aber das Eis gebrochen sein. Der Song ist abgefuckt hoch 10 und sehr technisch. Dabei steht die Technik aber nicht im Vordergrund, sondern ist eher ein subtiles Stilmittel. Ebenso das gemeine Riffing, das im eher schleppenden Tempo sogar noch bösartiger wirkt, als wenn furiose Blastbeats eine Katharsis erlauben würden. Zum Höhepunkt „An Evil Demoncy (The Last Days Of Doom)“ wirkt das Gebilde dann sogar richtig surreal, kafkaesk.

Die Grundstimmung des Albums wird sogar noch absurder, wenn im folgenden „Circle Of Eternal Aftermath“ eher kollagenartig gearbeitet wird, Nile-mäßige Melodien, Klavier und Gitarrengeklimper den Charakter eines Interludes aufkommen lassen und die einzelnen Versatzstücke des Songs wieder kalaidoskopisch zusammengefügt werden. Der Übergang in das eigentliche Zwischenspiel „The Domitorium Angel“ erfolgt so nahtlos, stimmig, atmosphärisch, dass diese Stückelung als perfide Kalkulation verstanden werden kann, nein, muss!

Wenn man dieses Gesamtbild betrachtet, im kontinuierlichen Wechsel zwischen zähem Downtempo, wildem Geballer, unangepassten Riffs mit spannungsreichen Missklängen und einem permanenten roten Faden durch das gesamte Album (stellenweise durch die dezenzen Samples als Intro und Outro), dann kann man auch über das kleine Manko hinwegsehen, dass manche Stop’n Go Spielereien und Blast-Passagen etwas gleichförmig klingen. Sie sind quasi der Mörtel zwischen den Bausteinen, die DAY OF DOOM einen eigenen Stempel aufdrücken und wiedererkennbar machen. Dennoch ist „The Gates Of Hell“ ein kantiges Album, auf das man sich einlassen muss; dass man wohl nur zu schätzen weiß, wenn man die Schönheit im Hässlichen sieht. Ich muss gestehen: So richtig als Meisterwerk, konnte mich das Album (noch) nicht überzeugen. Aber die sperrige Eigenwilligkeit macht es schon sehr interessant!

Wer die CD von Lavadome Productions kauft, bekommt dazu ein wunderschönes Artwork, dass Raul Gonzales (u.a. Grafiken für Skeletonwitch, Horrendous, Skinfather, etc.) im besten Immolation-Style umgesetzt hat. Zwischen Fantasy und Armageddon, gibt es hier eine schöne dämonische Landschaft. Im Booklet, das von Artwars Mediadesign gestaltet wurde, finden sich einzelne Elemente als Dekoration der Lyrics. So aufbereitet, als ob man das alte Necronomikon durchblättert. Ein stimmiges Gesamtpaket, passend zur Musik.
Wer es lieber modern mag, kann auf Bandcamp auch das Album komplett anhören und für ein paar Kröten legal runterladen.

Infos:
Lavadome Productions – 2014
CD – 11 Lieder / 43:44 Min.

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https://lavadome.bandcamp.com/album/the-gates-of-hell

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