Blut Aus Nord – Memoria Vetusta III: Saturnian Poetry

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Blut Aus Nord - Saturnian Poetry

BLUT AUS NORD ist eine der forwärtsdenkensten Black Metal Bands unserer Zeit. Kein Album klingt wie der Vorgänger, Scheuklappen besitzt die Band keine und Genregrenzen werden auch gerne mal gesprengt. Von rohem und minimalistischen Schwarzmetall über progressive Klangwelten hin zum letzten Zyklus, „777„, der die unterkühlte und angepisste Attitüde aus dem Black Metal in atmosphärischen Industrial transportierte; BLUT AUS NORD entwickeln sich stetig weiter und liefern immer Qualität auf hohem Niveau auf. Zwei Jahre nach den Ausflügen in etwas gedrosseltere Gefilde, zwischen der industriellen „777„-Triologie und der eigenen Antithese zur Wiederveröffentlichung von „The Mystical Beast Of Rebellion„, wird nun die „Memoria Vetusta„-Reihe fortgesetzt, die 1996 mit „Father Of The Icy Age“ begann und den zweiten Akt „Dialogue With The Stars“ 2009 hatte. Mit dem dritten Teil: „Saturnian Poetry„!

Gerade „Dialogue With The Stars“ war ein Meisterwerk! Es verband die monotone Raserei der Frühphase mit eigenständigem Harmonieverständis und daraus resultierend einer wunderschönen, transzendentalen Atmosphäre. Bislang mein Lieblingsalbum von BLUT AUS NORD. Entsprechend waren die Erwartungen an Nachfolger extrem hoch. Enttäuscht wurde ich nicht, im Gegenteil! Atmosphärisch und stilistisch knüpft „Saturnian Poetry“ an den Dialog mit den Sternen an, zeigt aber gleichzeitig die gewachsenen Musiker, die durchaus auch aus „777“ einige Ideen und Vorstellungen wieder zurück in den Black Metal transponiert haben. Das Ergebnis ist schlicht eine der besten Scheiben, die das Jahr 2014 zu bieten hat!

Nach einem kurzen Synthie-Intro, brettert „Paien“ direkt in die vollen. Aber nicht stumpf oder monoton, sondern mit packenden Harmonien, die über den Song variieren, und am Ende sogar in einer wunderschönen Steigerung ausgeschmückt werden. Dazu ein sehr majestätischer Mittelpart, der organisch aus der Liedstruktur entwächst und sich entfaltet. Dezente Synthies vervollständigen das Klangbild. Die entstehende Atmosphäre ist schlicht vereinnahmend, gleichzeitig aber sehr offen und weit.

Man könnte diesen Auftakt als Blaupause für den weiteren Albenverlauf verstehen. BLUT AUS NORD ziehen permanent ihren roten Faden aus packenden Riffs, sphärischen Melodien und schlüssigen, gewachsenen Songverläufen. Keyboards werden genau so zielgerichtet wie Klargesang verwendet. Beides Elemente, die perfekt in die Lieder integriert werden, mal eher dezent im Hintergrund, mal als zentrales Stilmittel positioniert. Und trotz einer ähnlichen Grundstimmung, umspielen BLUT AUS NORD diese Eckpfeiler so voluminös, dass jeder der 6 Songs einen deutlich eigenen Charakter bekommt.

Wo „Paien“ noch majestätischer war, wirkt „Tellus Mater“ im D-Beat-Auftakt erst mal ruppiger, zeigt sich dann aber deutlich spaciger und progressiver. „Forhist“ ist etwas atmosphärischer und verspielter, derweil „Clarrisima Mundi Lumia“ gleichzeitig kalt, bedrohlich und erhaben klingt. Wow, dieser Schlusstrack ist das Highlight des Albums, ein unglaublicher Hit!

Durch die fließenden Entwicklungen innerhalb der Lieder, den teilweise mehrstimmigen Gitarren-Melodien, Tempo-Wechsel, Synthesizern, und der Mischung aus klaren Chorälen und garstigem Gekeife, ist das Klangbild sehr opulent. Es passiert immer sehr viel auf sehr kompakten Raum. Obwohl man den Liedern jeweils sechseinhalb bis achteinalb Minuten zur Entfaltung lässt.
Saturnian Poetry“ wirkt aber nie richtig überladen. Nicht nur werden Spannungsbögen immer rechtzeitig aufgelöst und in die einmalige Atmosphäre überführt; die klare und organische Produktion präsentiert auch die kleinen Details in der Musik sehr transparent. Dazu ist mit Thorns ein menschlicher Schlagzeuger hinter den Kesseln, der weitere Dynamik und eine erdige Note beisteuert.

Verpackt in ein wunderschönes Artwork von Kristian „Necrolord“ Wåhlin (u.a. bekannt für seine grandiosen Cover für Dissection, Emperor, Bathory, Atheist, At The Gates, etc.), ist „Memoria Vetusta III: Saturnian Poetry“ ein in sich schlüssiges Meisterwerk! Sieben Lieder voller Transzendenz und Eskapismus, packenden Melodiewelten und einer einmaligen Atmosphäre. Definitiv eines der besten Alben von 2014. Wenn nicht sogar das Beste.

Infos:
Debemur Morti – Oktober 2014
CD/LP – 7 Lieder – 48:40 Min.

https://www.facebook.com/blutausnord.official

https://dmp666.bandcamp.com/album/memoria-vetusta-iii-saturnian-poetry
http://www.debemur-morti.com/en/
https://www.facebook.com/debemurmorti