Realm of Shades #8 – Fanzine

 

Realm of Shades 8Diejenigen, die sich des Öfteren mal ein cooles DIY Fanzine zulegen und sich eher der Underground Mucke zugehörig fühlen, die sollten sich genau dieses Review hier durchlesen. Vor ein paar Monaten las ich eher durch Zufall, dass André, besser bekannt als „der Bucklige“ bzw. Cowboy endlich wieder eine neue Ausgabe am Start hat, und so stand nach kurzer Zeit fest, dass ich auch dieses Mal wieder zugreife und ein paar Euro Richtung Göttingen schicke, denn der dreckige und zugleich ehrliche Schreibstil vom Buckligen gefällt mir einfach, auch wenn wir beide einen mehr oder weniger anderen Geschmack bzw. musikalischen Hintergrund haben. Was mir aber absolut Currywurst ist.

Wenn euch das Heft noch nichts sagen sollte, könnte das unter anderem auch daran liegen, dass das Realm of Shades noch nicht allzu lange unter diesem Namen existiert, sondern vorher Beneath the Trees hieß. Dies aber nur am Rande. Das Realm of Shades versteht sich als erstes als ein reines Heavy Metal Fanzine, was sowohl den Underground als auch die DIY Mentalität zu 666% versteht, unterstützt, und atmet, womit man bei mir schon mal punkten kann.

Kommen wir mal zum Wesentlichen, nämlichen dem Inhalt, und der hat es dieses Mal verdammt nochmal in sich, und zu meiner Freude auch mit der ein oder anderen Death Metal Band, die ich echt cool finde. Das Frontcover kommt übrigens mit einem alten Arnold Schwarzenegger Filmausschnitt daher, sieht sehr cool aus und passt perfekt zum Heftthema. Den Anfang macht ein recht langes, sehr ausführliches Fanzine-Interview mit dem Macher vom Cryptic Liturgy. Und Heftherausgeber Alex hat eine ganze Menge zu erzählen, hinzu kommt, dass er eine sehr korrekte Einstellung zum Metal und dem ganzen Drumherum hat und einen Scheiß auf den ganzen Tamtam gibt, was in der Szene so abgeht. Geht mir im Grunde genauso! Und der Bucklige bohrt mit wirklich originellen Fragen nach. Dass die beiden Humor haben, kommt noch leserfreundlich hinzu.
Weiter geht es dann mit der Death Metal Band DEATHRONATION aus Nürnberg, gefolgt von ELIMINATOR aus England, wobei mir die Engländer überhaupt nix sagen. Sind dem Interview nach stark vom NWOBHM beeinflusst, also genau mein Ding, hüstel, hüstel, haha. Mit IRON THOR gibt es noch eine lockere und kurzweilige Befragung, eine Band, die sich als „Thor“ Tribute Band versteht. Mein persönliches Highlight kommt aber ein Stück weiter hinten, nämlich mit den Franzosen MANZER. Verfluchte Scheiße, das ist echt ne saugeile Band, die ihren biergeschwängerten Heavy Fucking Black/Thrash Bierdosen Metal einem entgegen brüllt. Ich habe die Jungs vor ein paar Jahren bei uns um die Ecke gesehen und fand die einfach nur schweinegeil. Gerade Shaxul, seines Zeichen Schlagzeughure und Sängerbastard in einem, ist ein wirklich sehr dankbarer und cooler Interviewpartner, was man schon bei Jeffs Iron Hammer Fanzine lesen konnte. Mit PAGANFIRE ist dann mal wieder eine asiatische Band am Start, die ich von ihrer Split mit MODER her kenne. Spielen eine schöne stumpfe Mischung aus alter Death/Thrash Schule.

Dann wurden noch WITCHBURNER ausgiebig mit Fragen penetriert, eine Band, die der Bucklige wohl auch persönlich kennt und wo seit einiger Zeit Pino, der alte Saufbold von UNSCARED, am Röhren ist und seine Sache verdammt gut macht. Sehr feines und dreckiges Killer Interview. Allerdings braucht man bei diesem Interview genau zwei Sachen, erstens enorme Ausdauer und Zeit und zweitens viel zu saufen, denn das Interview ist enorm laaaaaaaang. Hey André, sag mal, hast du sie noch alle, 75(!) Fragen zu stellen?

Neben diesen wirklich sehr lesenswerten Interviews gibt es, wie es sich für ein ordentliches Fanzine versteht und gehört, auch Unmengen an Reviews und so einige Konzertberichte, die mal mehr, mal weniger interessant geschrieben sind.

Der Bucklige haut aber nicht alleine in die Tasten, er hat noch Verstärkung von seinem Kumpel Nickel dabei, der auch schon in den Vorgänger-Ausgaben mitschrieb. Nickel kennen sicherlich noch einige von seiner ehemaligen Band MODER. Zu seinen beigesteuerten Artikeln, meist Reviews, sage ich mal nichts. Nur so viel, bei manchen Reviews und Bandvorstellungen bekomme ich sehr schlechte Laune. Hm, an sich ist Nickel ein cooler Typ, nur mit einer eigenartigen Gesinnung. Soll sich jeder seinen eigenen Reim drauf machen.

Und wie man den Buckligen halt kennt, ist er auch großer Westernfan (daher auch Cowboy), so dass sich wieder einige Schnipsel aus alten Westernschinken entdecken lassen, und ein paar 70/80er Jahre wuschelige Serien-Schlampen sind ebenfalls wieder mit hinein gekleistert worden. Ich für meinen Teil finde gerade diese Ausgabe echt gelungen. Alles sagt mir zwar nicht zu, aber mal ehrlich, es gibt nahezu in jedem Fanzine immer etwas, was einen stört, aber André hat sich hier verdammt viel Mühe gemacht, und du spürst seinen Enthusiasmus für den Metal in wirklich jeder Zeile. Und wo kann man so etwas besser feststellen als in einem dreckigen Fanzine, mmh?

Das Ganze kommt in schöner räudiger Cut & Paste Klebaktion daher, was mir ohnehin bei einem Fanzine am besten gefällt. Wer jetzt Interesse bekundet (was ich stark hoffe), der schreibt André mal an und bestellt sich das Heft, das nur lächerliche 3 Euro kostet. Jeder, der Fanzines liest und Underground hört und nicht nur klugscheißend daherlabert, sollte sich mal dem Heft annehmen, es lohnt sich. Wenn du obendrein noch ein Popper- und Discohasser bist, na hey, dann ist das Realm of Shades erst recht dein Ding. Warum und weshalb, erfährst du natürlich, wenn du beim größten niedersächsischen Bud Spencer Fan anklopfst und dir diesen dreckigen Metal-Fetzen zulegst: Wirklich sehr lesenswertes Utensil, was der Bucklige hier kreiert hat.

Infos:
Sprache: deutsch
Kontakt: Beneath_The_Trees@gmx.de

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