23.11.2014 – Ulcerate, Wormed, Solace Of Requiem, Gigan, Departe im MTC Köln

2014-Ulcerate-Euro-TourAch, verdammt. Ein Konzert an einem Sonntag Abend. Meine Motivation war schon ziemlich im Keller. Zumal es fünf Bands werden sollten. Das heißt, es musste früh anfangen und wird bestimmt lange dauern. Und am Montag Morgen klingelt doch der böse Wecker wieder so früh. Außerdem könnte ich so schön den Tatort schauen. Ach, was mache ich mir selber eigentlich vor? Ich mag Fernsehen nicht sonderlich und der Tatort ist doof. Dafür liebe ich ULCERATE! Und nachdem ich erfahren habe, dass DÉPARTE als Opener im Billing dabei sind, war ich eh schon ganz unruhig. Da sind Bands wie WORMED und GIGAN nur noch kleines Sahnehäubchen oben drauf….

Früh sollte es dennoch anfangen. Laut Ticket und Interwebs um 19:15h. Dafür versicherte man mir vor Ort, dass um 23:30 Ende ist. Der Arbeiter in mir lachte! Alle Bands komplett sehen und um 2 Uhr dann endlich im Bett – ÖPNV ftw! Doch für die Bands bedeutete das eine stramme Taktung; Teil der Tourbedingungen war mitunter, dass alle Schlagzeuger gemeinsam beim Umbau helfen, um die engen Pausen einhalten zu können. Diese Strategie machte sich am späteren Abend bemerkbar, länger als 15 Minute sollte nie zwischen zwei Bands vergehen….

Die spacke Zeitplanung merkten wir auf jeden Fall direkt zu Beginn. Pünklich um 19:15 in der Location, waren wir auch schon mitten in der Eröffnung von DÉPARTE. Es war ihre erste Tour überhaupt, und ein wenig merkte man das dem australischen Quintett an. Gerade als wir den Raum betraten, waren die Musiker noch etwas steif und konzentriert auf ihr Spiel. Sänger Sam war merklich angespannt, als eine längere Instrumentalpassage kam – und er dann verdammt exakt den klaren Teil von „I“ live auf der Bühne gesungen hat. Das Wechselspiel zwischen Growls, Shouts und den klaren Passagen war verdammt akkurat und richtig emotional. Ein wenig Unterstützung bekam er bei tieferen Passagen vom Bassisten. Und gerade diese Stimmvariants macht DÉPARTE richtig interessant.
Dazu die kalten und atmosphärischen Gitarren, derbe Blastbeats und einige Leute im Publikum waren sehr angetan. Für Fans von Beyond Terror, Beyond Grace, Nero Di Marte oder Dementia Senex ist die junge Band aus Down Under definitiv ein Geheimtipp. Schade nur, dass die Band außer 2 T-Shirts keinerlei Merchandise, und entsprechend auch keine Tonträger mit hatte, und dass zum Beginn des Abends gerade mal 15-20 Leute anwesend waren. Etwas mehr Enthusiasmus hätte ich mir bei dem Line-Up durchaus gewünscht!

Zugegeben, später waren auch ein paar Leute mehr da. Mit jeder Band standen ein paar Nasen mehr vor der Bühne. Und ab WORMED waren es dann schätzungsweise 50, 60, vielleicht auch ein paar mehr. Immer noch beschämend für ein dermaßen großartiges Line-Up mit Bands aus Australasien, Amerika und Spanien, dass gerade mal 18 Euro kostete. Das sind zwar immer noch mehr, als die mageren 36 Facebook-Zusagen, aber dennoch eigentlich ein Trauerspiel.

Besonders schade für eine Band wie GIGAN, die bereits vor 20 Uhr beginnen musste. Verdammt, dieses unglaubliche Stück Wahnsinn man sich für wesentlich später im Billing aufsparen sollen! Es war wie ein Haufen Knallteufel, die man auf die Bühne geworfen hat. Wild, furios, explosiv und unberechenbar!
Angefangen vom total abgefahrenen Gitarristen, der total austickte, und die verrücktesten Riffs unglaublich locker aus dem Handgelenk rotzte, über den übermenschlichen Drummer zum hingebungsvollen Sänger. Überall auf der Bühne passierte was. Wobei sich der Bassist gerade durch seine Infraschallwellen bemerkbar machte. Ich glaube, mir fehlen nun ein paar Füllungen….
Eine komplett aberwitzige Show mit mitreißenden Beats, verstörrenden Riffs, derben Gesang und einem spacigem Instrument, das wie die Rundfunkantenne von Omas Dach aussah. Ich glaube, das war ein Theremin, aber das ist nun auch egal. Zwischen den Songs hat es auf jeden Fall für fancy Sounds gesorgt und das abgefahrene Gesamtbild um GIGAN vollends abgerundet. Wo mir die Band auf CD zuweilen etwas zu anstrengend war, hat sie live vollauf überzeugt! Wer die Möglichkeit hat, sollte sich diesen Wahnsinn definitiv geben!

SOLACE OF REQUIEM waren mir bisher noch kein Begriff. Dabei ist die Band eigentlich bereits seit 2001 aktiv. Unvoreingenommen ging ich also an den Auftritt – und ermüdete recht schnell. Nach dem dicken Brett von GIGAN waren SOLACE OF REQUIEM schon ziemlich harmlos. Gerade der starke technische Aspekt kam live nicht so sehr rüber, Eigentlich ein Pluspunkt, dass die Band auf der Bühne wesentlich direkter und kompakter war. Doch gleichzeitig klangen sie dadurch auch generischer nach dem typischen Brutal Death Metal Zeugs. Dazu war der Gesang auch etwas arg hektisch.
Schade eigentlich, die Band an sich war sehr sympathisch! Der Sänger suchte die Interaktion zum spärlichen Publikum und verstand: Die paar Leute vor der Bühne seien „der Underground“. Obwohl die gesamte Band auf der Bühne ziemlich abging, war das Highlight aber definitiv der Drummer, der ordentlich Armakrobatik und Gesichtskirmes zu seinem Spiel präsentierte. Gut gespielt und gut dargeboten. Im Gesamtbild aber eher das Schlusslicht des Abends….

WORMED haben für sich schon leicht die Weichen gestellt. Wo zuvor blaues Licht die Bands von hinten beleuchtete, war nun futuristisches grün geschaltet. Dazu die typischen Sci-Fi Samples zwischen den Songs, und die richtige Atmosphäre stand. Und dann ging auch schon das Armageddon los. Verdammt brutal, kompromisslos, technisch auf dem Punkt und mit abartig mechanischen Rhythmen und Grooves haben WORMED deutlich gemacht: Sie sind wohl die brutalste Band des Abends. Alles auf super gutem Niveau, die Breaks waren zu 110% akkurat, das Timing immer arsch-tight. Dazu pervers-tiefer Gesang zwischen Pig-Squeals, Frognoise und tiefen Growls. Alles super, alles packend, alles ein immenses Brett, eine Wand! Doch leider auch etwas monoton auf Dauer. Machte dennoch Spaß und rechtfertigte die Position so weit hinten im Billig. Naja, vielleicht hätte man auch GIGAN stattdessen einsetzen können. Aber darüber können sich nun die Geschmäcker streiten.

Mit gerade mal drei Leuten auf der Bühne, boten ULCERATE das wohl reduzierteste Line-Up. Doch viel mehr brauchte diese neuseeländische Macht auch gar nicht, um mit ihrem einzigartigen Post-Death Metal die Headliner-Position an diesem Abend zu untermauern. Dazu gab es dieses Mal rotes Licht und sogar Stroboskop und etwas Lightshow. Vielleicht unnötig, aber bei den Blastbeats durchaus eine probate visuelle Unterstützung des gewaltigen Klangbilds.
Zeitlich von „Everything Is Fire“ über „Destroyers Of All“ zu „Vermis“ haben ULCERATE eine breite Palette abgedeckt. Sowohl atmosphärischere Lieder wie „Cold Becoming„, brutalere Tracks von „Everything Is Fire“ zu der Mischung beider Welten, beispielsweise in „Confronting Entropy„. Vor der Bühne wurden die dargebotene Energie schnell in Bewegung umgewandelt, schnell waren die Reihen vor der Bühne vom einmaligen Vibe ergriffen und schaukelten im Takt mit. Richtiges Moshing, Headbanding, Crowdsurfing und so weiter, erwartet bei der abgefahrenen Musik aber auch wohl niemand. Vielmehr wurden die Besucher von den hypnotischen Gitarren ergriffen und den präzisen und einmaligen Beats von Jamie Saint Merat geführt.
Dank übergroßer Kopfhörer mit Klick, kam das Drumming immer tight auf den Punkt, verlor aber nicht an Dynamik. ULCERATE lebte von einem angenehm organischen Sound, ohne Trigger (vielleicht etwas auf der Bassdrum) und Orange-Verstärker für den Bass. Die kalten Gitarren waren ein schäner Gegenpol und erzeugten ein spannungsreiches Klangbild.
Zwischen den Songs erschufen Samples mit viel weißem Rauschen einen durchgehenden roten Faden, derweil die Musiker eigentlich permanent ihre Instrumente stimmten. Vielleicht etwas zu viel des Guten. Doch ich will nicht meckern, immerhin muss einzigartige Musik auch einzigartig vorgetragen werden. Dazu gehört auch die tonale Präzision.

Um 23:20 war denn Schluss, damit sich ULCERATE nochmal für einen Song als Zugabe auf die Bühne bitten ließ. Und um 23:30 war dann leider wirklich Ende. Ich hätte mir dieses fesselnde Klangwand locker noch ein paar Stunden geben können. Aber im Endeffekt war es schon gut so. Ich musste ja noch nach Hause, morgen wieder zur Arbeit. Und auch für die Band war die Arbeit noch lange nicht getan. Abbauen und dann weiter auf Tour. Es war gerade mal der dritte von 24 Tagen. Und das Programm ist stramm.

So war der Abend definitiv besser als jeder Tatort daheim vorm Fernseher sein kann. Jede Band war jeden Cent des günstigen Eintritts wert. Schade für die Leute, die sich dieses Event entgehen ließen. Ob sich ein dermaßen hochkarätikes Line-Up nochmal so schnell in das beschauliche MTC verirrt? Hoffen wir, dass die restlichen Termine der Tour ein größeres Publikum haben….