Trigger/Abjured – Split LP


Trigger - Abjured - SplitCooler Scheiß, endlich gibt es was Neues von den Grindcorlern ABJURED. Schon ihr verdammt starkes Debütalbum „Life … You Now?!“ wusste zu beeindrucken und machte Hunger auf mehr, denn die Hallenser zocken richtig fetten, gut gespielten rasenden Grindcore der alten Machart und das mit genügend Schmackes und Blastbeat in den Backen, dass sich so manche Grindcore-Band verdammt warm anziehen darf, um hier mitzuhalten. Auf dem diesjährigen Grind The Nazi Scum legten die Jungs einen oberamtlichen Auftritt hin, so dass ich noch Monate später sehr beeindruckt bin von dieser massiven Wucht, die einem ABJURED entgegenschleuderten. Als mir Schlagzeuger Ron auf dem GTNS sagte, dass demnächst eine Split-LP ansteht, war die Vorfreude groß. Okay, die Splitpartner trübten das Ganze zwar etwas, aber dennoch war es Pflicht, sich die Scheibe zuzulegen.

Obwohl das ganze Layout darauf hinweist, dass hier TRIGGER das Grindgewitter beginnen, fange ich dennoch mit A wie ABJURED an. ABJURED haben vier neue Killersongs und einen recht eigenwilligen Instrumentalsong im Gepäck und ich kann versprechen, jeder, der Grindcore hört, wird diese Songs regelrecht in sich aufsaugen, denn die Hallenser bleiben sich zu 100% treu und knüppeln ein Geschoss nach dem anderen durch die Rillen. Ohne herumzuschleimen, aber hier stimmt einfach alles, angefangen mit ihrem aggressiven Vorprescher „Do you feel good?“ geht’s gleich von Null auf 100 los.

Die Songs bestechen auch dieses Mal durch ihre unglaublich gute Dynamik, ein wirklich gutes Handling beim Songschreiben, und gerade die für den Grindcore unabdingbare DIY-Einstellung kommt auch dieses Mal nicht zu kurz. Yeah!! ABJURED bleiben mit ihrem zweistimmigen Gesang weiterhin am Ball, was den Songs noch mehr Pfeffer und zusätzliche Abwechslung verleiht, ohne die raubeinige Atmosphäre kaputt zu machen. So soll’s sein!

Neben Rons wahnsinnigem, intensivem Hochgeschwindigkeits-Dauerfeuer-Schlagzeug kommt auch die Gitarre richtig fett zur Geltung, was ja im Grindcore nicht immer der Fall ist. Der Song „Machine Trauma“ ist einen Tacken gedrosselter als der Rest und erinnert mich einmal mehr an die Jungs von Depression, womit man eigentlich nicht viel falsch machen kann. Zum Abschluss gibt’s mit „Reminded“, wie oben schon erwähnt, ein Instrumentalstück. Haha, als ich das erste Mal diese fremden Klänge hörte, die mit Grindcore so gar nichts zu tun haben, war auch ich erst mal vor den Kopf gestoßen und teils ratlos und dachte, was ist jetzt los? Ich bin mir sicher, mit diesem Song werden wahrscheinlich so einige engstirnigen Grindcore-Kollegen ihre Probleme haben. Klar, es passt nicht zum restlichen Material, aber scheiß drauf, das Instrumental hat nach mehrmaligem Hören echt was, und mittlerweile gefällt mir das Instrumental echt gut. Das zeigt, dass ABJURED das machen, wonach ihnen gerade ist. Vielleicht waren auch gerade die Kifferfreunde im Studio unterwegs und man ging ganz beschwingt an den Song heran, haha. Schräge Idee, aber verdammt nochmal gut und originell umgesetzt. Jedenfalls klingt das hundertmal besser als irgendwelche Technoscheiße.

ABJUREDs Sound ist auf den Punkt gespielter Highspeed Grindcore der ruppigen alten Art ohne irgendwelchen Firlefanz und mit jeder Menge Potential und einer Menge eigener Ideen.

Einmal gewendet, geht es dann mit den Glauchauern weiter. Ich muss ehrlich gestehen, ich konnte noch NIE etwas mit deren Sound anfangen, aber dennoch ging ich ohne Vorurteile an die Songs von TRIGGER heran. Gleich beim ersten Song wurde mir bewusst, oha, das wird ein zähes Stück Arbeit. Natürlich verstehen es auch TRIGGER, richtig mörderisch fiesen, höllisch arschschnellen Grindcore zu fabrizieren, aber hey, das hier ist echt überhaupt nicht mein Ding. Alleine der Gesang ist sowas von nichtssagend und nervend, dass ich tatsächlich so einige Anläufe brauchte, um deren Kram überhaupt am Stück hören zu können.

Und dann dieser Sound, oh Mann, wer zum Teufel mischt so etwas überhaupt ab, oder ist das Ganze auch noch genau so gewollt? Im Grunde genommen hörst du bei TRIGGER nur zwei Dinge heraus, zum einen das Schlagzeug und zum anderen den Gesang. Das Schlagzeug ist viel zu laut und steht über allem, was an sich nicht verkehrt ist, hört man so nämlich das langweilige Gekeife und Geplärre nicht so penetrant heraus. Vom Bass ist nur spärlich was auszumachen und auf Gitarre wird wohl komplett verzichtet – ganz tolle Wurst. Und wenn dann doch mal ein Song vorkommt, wo das Schlagzeug nicht zu dominant in den Vordergrund gerückt wurde, und man somit auch mal den Rest der Jungs hört, wünscht man sich im selben Augenblick, dass sofort das Dauerfeuerschlagzeug über einen hereinfällt. Einzig allein der abwechslungsreiche Song „Evil Dust“ weiß aus dem ganzen vernebelten Chaos herauszustechen und mit dem Rausschmeißer-Song „Wahre Liebe“ (was ist das für ein Grindcoretitel, bitteschön??) kann man noch mal ein paar Punkte sammeln.

Leider sprechen mich auch nach dem zehnten Mal Hören die Songs von TRIGGER nicht im Geringsten an. Natürlich sind hier keine Anfänger am Start, aber hier vergeht mir das Hören spätestens nach der dritten Lärmorgie. Schade, denn gerade Schlagzeuger Kevin hat enorm was drauf, das alleine reicht aber nicht, dass daraus ein paar richtig packende Grindcore-Songs werden.

Wer auf noisgen Grind steht, kein Problem mit komischem bis eigenartigem Gesang inkl. Produktion hat, dem könnte das Waschmaschinen-Gerödel durchaus zusagen. Mir persönlich ist das eine Spur zu stumpf und zu einfallslos. Da bleibt einfach mal gar nichts hängen. Ganze elf Songs werden hier runter gehämmert, gefühlt sind es eher doppelt so viele.

Für mich wird es wohl eine einseitig abspielbare LP bleiben, zwar echt schade, dafür treffen die ABJURED-Songs meinen Geschmack nahezu perfekt und somit hat sich dennoch der Kauf gelohnt. Dazu ist die LP mit einem zwar einfachen, aber sehr gelungenen Front- und Rückcover ausgestattet, was mich vom Stil her ganz leicht an die „Grindstein“ Scheibe von den Aachenern Cause of Divorce erinnert. Die Scheibe kommt im coolen Grindcore-Giftgrün daher, was echt saugeil ausschaut. Nicht lange fackeln heißt die Devise, Scheibe zulegen und mit ABJURED ordentlich die Sau rauslassen. Also, knacken lassen!!

PS: Wer braucht schon zwei Seiten auf einer LP? Sollte in Zukunft wieder eine Split geplant sein, dann wünsche ich mir für ABJURED die Splitpartner Tacheless, denn das wären Sparringspartner, die auch qualitativ gut zusammenpassen würden. Cooles Teil.

Infos
SM-Musik, Halleluja Stoner Rec., Basement Records – 2014
LP – 16 Lieder / Krach.

https://triggergrindcore.bandcamp.com/album/trigger-abjured-split
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https://www.facebook.com/wastetowngrind
http://abjured-grindcore.com/