Sun Worship – Elder Giants


Sun Worship - Elder GiantsSeitdem SUN WORSHIP das erste mal live gesehen habe, bin ich hin und weg. Ein Powertrio, zwei Gitarren und ein Schlagzeug, aber mehr braucht es auch nicht! Die Band ist ein mächtiges Abrisskomando, sowohl auf der Bühne, wie auch auf Platte. Doch bisher gab es immer nur Appetithappen. „Surpass Eclipse„, eine Single-Sided EP, gerade mal zwei Songs. Die Split mit Unru, auch nur ein neues Lied. Das erste Demo und die Split mit Earth Chaos zeigen eine ähnliche Bilanz und sind längst nicht mehr erhältlich. Vielleicht sollte ich mich mal genauer mit den Lieder auf Bandcamp auseinandersetzen… Mittlerweile ist aber auch endlich das Debütalbum draußen. Oder ist „Elder Giants“ auch nur wieder eine EP? Im Endeffekt gibt es drei neue Songs zuzüglich eines Outros. Insgesamt 37 Minuten Spielzeit auf LP, CD und Tape. Soweit ich mitbekommen habe, sind zumindest die CD und Erstpressung der Schallplatte ausverkauft. Vom Vinyl gibt es zwar wieder eine Neuauflage, aber wie lange noch verfügbar sein wird, ist fraglich…

Ich muss zugeben: Anfangs war ich etwas enttäuscht. „Elder Giants“ hat nicht so direkt gezündet wie „Surpass Eclipse“ oder der Song „Remembrance„. Erst nach mehrmaligem Hören ist der Funke übergesprungen und hat große Liebe entbrannt; mittlerweile würde ich sogar den Titeltrack der Scheibe als besten Song der Band ansehen.

Vielleicht hat es etwas länger gedauert, weil SUN WORSHIP auf „Elder Giants“ etwas unterschwelliger agieren. „Rememberence“ war wesentlich direkter, fiel quasi mit der Türe ins Haus. Mit leichtem Touch aus dem Cascadian Black Metal und recht frühem Einsatz von Melodie, lief die Nummer direkt und gut ins Ohr. Gleiches sicherlich auch für „Castle“ und „Eclipse„. Da ist der Gesamtkontext von „Elder Giants“ schon etwas gemächlicher. Alleine der Opener „We Sleep“ lässt sich Zeit, ist im Vergleich zum vorigen Material fast schon reduziert. In hypnotischen Repetitiv wirkt der Track entrückt von dieser Welt. Erst ab dem Mittelpart, wenn aus dem drückenden Midtempo die Wechsel zurück in das wilde Geballer logisch fließen, die Gitarren teilweise zweistimmige Harmonien spielen, gewinnt der Song deutlich und wird eingängiger. Es ist kein schlechtes Lied, aber sicherlich ein sperriger Einstieg in „Elder Giants„.

Wenn man aber erst mal „We Sleep“ verstanden hat, im Flow von „Elder Giants“ ist, dann zündet „The Absolute Is Becoming“ sofort! Das Riffing ist direkter, vielleicht auch mehr dem traditionellem Black Metal zugewandt. Es geht direkt ruppiger zur Sache. Schnell entwickelt sich der Songverlauf weiter, es sprießen wunderschöne Spannungsbögen und das musikalische Hauptthema wird exzessiv umspielt. Die instrumentale Klangwelt wird erst in der Hälfte des Songs unterbrochen, wenn endlich garstiger Gesang das Bild komplettiert. Spätestens hier erkennt man deutlich die Entwicklung und die bisher bekannten Elemente von SUN WORSHIP wieder.

Das größte Meisterwerk ist allerdings der Titelsong. „Elder Giants“ beginnt mit einem minimalistischen und mürbenden Riff, das schnell in eine unglaublich prägnante Melodie aufgelöst wird. Dieses Thema wird immer wieder aufgegriffen, polyphon oder im Kanon gespielt, ziert als roter Faden verschiedenste Stationen des Liedes. Vergleichsweise langsam, aber dafür mit einer Menge Energie startet der Track. Irgendwann gipfelt es aber zwangsläufig in furiosem Geschepper, brischt in zackige Blastbeats aus und fließt logisch zwischen diversen Geschwindigkeiten. Dazu besagte Melodie, die immer wieder, mal mehr und mal weniger vordergründig eingesetzt wird. In den reduzierten Mitteln und der resultierenden Wirkung ist „Elder Giants“ einfach ein kompositorisches Meisterwerk! Sicherlich deutlich entfernt vom Cascadian Black Metal, sicherlich im künstlerischen Minimalismus daheim. Und auf jeden Fall eine logische Weiterentwicklung für SUN WORSHIP, die einfach nur grandios ist!

Danach Ende die Platte mit sechseinhalb Minuten Outro. Drones, Noise. Dazu Synthies, die auch aus einem Fulci-Zombiefilm stammen könnten. Etwas befremdlich, etwas verstörend. Aber irgendwie auch passend zum Gesamtbild der Scheibe. Nach einigen Hördurchläufen könnte ich mir fast kein anderes Ende von „Elder Giants“ vorstellen. Und mittlerweile gehört es für mich sogar so sehr zum Gesamtkonzept, dass es auf jeden Fall bis zum Ende gespielt wird.

Die LP gibt es im schön schwerer Hülle, komplett gestaltet von View From The Coffin und mit schwarzem Innersleeve. Für den Genuss unterwegs gibt es einen Code, mit dem man „Elder Giants“ bei Bandcamp im beliebigen Format runterladen kann. Das sollte heute eigentlich Standard sein, ist aber noch längst nicht selbstverständlich. Darum noch mal Lob an die Band und Sick Man Getting Sick für diese Brücke zwischen analoger und digitaler Welt!

Wer „Elder Giants“ noch nicht hat, oder gar SUN WORSHIP noch nicht kennt, der sollte umgehend das Album auf Bandcamp anhören. Vielleicht auch beginnend mit „The Absolute is Becoming“ oder dem Titelsong. Gerne auch mehrfach auf Repeat. Und dann schleunigst die Scheibe kaufen. Meiner Meinung nach ist dies eine der besten deutschen Black Metal Bands. Und wer weiß, wie lange die Zweitpressung noch vorrätig ist…

Infos:
Sick Man Getting Sick Records / Dead Section Records (LP) / View From The Coffin (CD & Tape) – 2014
LP – 4 Lieder / 36:59 Min.

http://sunworship.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/sunworshipband

https://www.facebook.com/sickmangettingsickrecords
http://www.sickmangettingsickrecords.de/