The Drip – A Presentation of Gruesome Poetics


The Drip - A Presentation of Gruesome PoeticsGrindcore-Freaks aufgepasst. The Drip heißt die neuste Grindcore-Blastbeat-Waffe aus dem Hause Relapse. Aber bevor es hier um die Musik geht, noch was in eigener Sache. An sich sollte man als Grindcore-Hörer auf solch überflüssigen Schnickschnack wie einseitig abspielbare LPs von Haus aus verzichten, aber hin und wieder muss man über solche Sinnlosigkeiten hinweg sehen, wenn am Ende solch ein Tornado an wahnsinnig intensivem, aber auch qualitativem Grindcore/HC Stoff herauskommt.

Diese MLP ist mein Einstand mit den Jungs, und ich bin jetzt schon dermaßen aus dem Häuschen, was hier geschieht. Gleich beim ersten Takt gibt’s extrem schnellen, rabiaten Grindcore der alten Machart serviert, der sich aber nicht komplett gegen neue Einflüsse verschließt. Auf dieser einseitig abspielbaren MLP wird eindrucksvoll bewiesen, dass man neben Dauer-Hochgeschwindigkeits-Blastbeat-Attacken auch bei den Gitarren irre schnell und sehr versiert spielen kann.

THE DRIP haben ihre Einflüsse unter anderem bei Napalm Death (gerade die neuen Alben lassen grüßen), Rotten Sound und einen Tick Nasum. Das alleine ist schon mal ein sehr positiver Nebeneffekt, aber THE DRIP haben genügend eigene Ideen, ihren Songs ordentlich Würze zu verleihen, denn sie verstehen es, bei all dem Chaos, das sie hier loslassen, das eigentliche Ziel (nämlich, die alte Grindcore-Tradition zu pflegen), nicht zu verfehlen. Mit Brandon hat man zudem einen mehr als genialen Kreisch-, Keif- und Aggro-Brüllwürfel am Mikro, der hier außerordentliche Arbeit leistet und seiner Wut freien Lauf lässt. Sein Gesang ist eher an die neuere Schule angelehnt (Maruta oder auch Trap Them fallen mir da spontan ein), was hier verdammt gut passt und keinesfalls nervig wirkt.

A Presentation… ist energiegeladener „Leckt uns doch alle mal gepflegt am Arsch!“-Grindcore der besseren Sorte. Die sechs Songs sind, wie man es vom Grindcore gewohnt ist, verdammt kurz, extrem intensiv und auf den Punkt gespielt. Die Produktion der Scheibe ist durchaus gelungen, sprich, recht druckvoll, und dennoch hört man diesen gewissen rauen, leicht bratzigen, nebligen Sound heraus, ohne dabei vollends zu versinken.

Ich denke, in Europa werden diese Amis noch als Geheimtipp gehandelt, aber spätestens mit diesem Teil hier wird man in naher Zukunft noch öfters von ihnen hören. THE DRIP ist ein gnadenloses, dreckiges Stück Grind-CORE, und wer sowohl auf altenhttp://grindcorekaraoke.com/ als auch auf neuen Grindcore und auch HC steht, der wird von dieser Scheibe nicht mehr loskommen. In gerade mal knapp 13 Minuten wird alles niedergemäht, was nur möglich ist. Jetzt bleibt nur abzuwarten, ob THE DRIP ihre ungestüme Spielweise auch auf Albumlänge ausdehnen können, ohne an Intensität zu verlieren. Wie es sich für Relapse schon so gehört, gibt es mal wieder auf der B-Seite eine Gravierung, oder wie man es so schön in Englisch sagt „Etching“. OK, sieht nett aus, aber wer braucht so etwas wirklich? Ich find’s überflüssig, und es hat in meinen Augen nichts mit dem ursprünglichen Underground-Gedanken des Grindcores zu tun. Aber das ist halt Relapse, Hauptsache der Albumpreis springt am Ende bei raus.

PS: Auf Grindcore Karaoke kann man drei EPs der Band kostenlos runterladen: „The Drip„, „The Wasteland“ und „The Wasteland 2.0

Infos:
Relapse Records – 2014
6 Lieder / 12:23 Min.