Phobiatic – Fragments Of Flagrancy


Phobiatic - Fragments Of FlagrancyFragments Of Flagrancy“ ist das zweite Album der Ruhrpötter PHOBIATIC. In einer recht eigenständigen Mischung aus extrem technischen Death Metal und alter amerikanischer Schule trotzen sie Trends und den meisten Erwartungshaltungen. Dafür bedienen sie voll das Bild vom NRW-Inzest. Alleine Gitarrist Robert Nowak hat in unzähligen Bands gespielt und scheint das Bindeglied der gesamten Szene im Pott. Zuletzt hat man sicherlich von seiner Kollaboration mit Christoph Kather bei Fake Idyll gehört. Und gemeinsam sind auch beide bei den Japanischen Kampfhörspielen. Kein Wunder, dass „Fragments Of Flagrancy“ auf deren Label Unundeux erscheint. Neben Jack Slater hat Robert mit Bassist Michael Stifft aber auch bei Unchallenged Hate und den Fickelmonstern Infecdead gezockt. Dazu kommt nun Sebastian Meisen ans Mikro, der vorher bei Warfield Within aus Mönchengladbach gesungen hat und hier seinen Einstand in die Band gibt.

Für ich ist dieses Album auch der erste richtige Kontakt zu PHOBIATIC – von ein paar Live-Erlebnissen abgesehen. In erster Linie springen die teilweise extrem technischen Gitarren dem Hörer regelrecht entgegen. Sweepings, Arpeggios, verspielte Läufe, abgedrehtes Tremolo Picking. Diese Momente erinnern zuweilen an Origin. Und an manchen Stellen, wenn auch ein paar Stakkatos und Breaks dazu kommen, vielleicht auch an Beneath The Massacre. Doch sind die Songstrukturen nicht so abgedreht. Im Gegenteil, die Abfolge einzelner Teile erschließt sich recht schnell, so wie auch einige Riffs durchaus mal etwas geradliniger sind und dann etwas nach Cannibal Corpse und Vader klingen. Vielleicht in manch härteren Passagen auch nach Suffocation. Und der ein oder andere Moment hat sicher auch etwas von moderneren Slam-Kapellen. Alles in allem eine sehr abgefahrene Mischung, die sehr eigenständig ist. Auch, wenn ab und zu schon mal etwas dieser Vibe vom letzten Jack Slater Album mitschwingt, klingen PHOBIATIC immer noch einen Ticken anders.

Interessant wird „Fragments Of Flagrancy“ durch kleine Details. Wenn eben mal das Tempo was gedrosselt wird, aus der Genre-typischen Nähmaschine ausbricht und auch etwas Atmosphäre aufkommen lässt. Da sind sicherlich die beiden stimmungsvollen Songs „Metropolis (Of The Dead)“ und „House In Cleveland“ die Aushängeschilder. Doch auch „Downward Spiral“ oder „Suitable Method“ spielen mit diesem Element. An anderer Stelle wird das permanent hohe Tempo mit Gravityblast hingegen noch mal deutlich gesteigert und setzt andersgeartete Akzente.

Anfangs wirkte das ein oder andere technische Riff etwas abschreckend. Doch nach ein paar Durchläufen zeigen eigentlich fast alle Songs großen Wiedererkennungswert. Selbst Live funktioniert das Material sehr gut und man erkennt sofort einzelne Lieder. Das ist beim technischen Death Metal ein deutlicher Pluspunkt und lässt auch gerne darüber hinweg sehen, dass die Songs in der zweiten Albumhälfte nicht mehr ganz so viele Höhepunkte haben, wie zum Beginn der Scheibe. Dafür gibt es einen Song über das Fahren mit der Deutschen Bahn. Als Berufspendler vergebe ich da gerne einen Bonuspunkt. Auch für das simpel gehaltene Artwork. Jaja, Totenschädel ist ausgelutscht, ich weiß. Aber ich mag diese triste, monochromatische Darstellung.

Wer technischen Death Metal mit Wiedererkennungswert und mit deutlichen Wurzeln in der alten Schule mag, etwas bodenständigeres als Origin und anspruchsvolleres als Cannibal Corpse, der findet hier eine durchaus gelungene Mischung aus beiden Interpretationen. Dank Bandcamp kann man sich auch selber ein Bild von der Musik machen.

Infos:
Unundeux – 2014
CD – 10 Lieder / 33:32min.

https://www.facebook.com/phobiaticmetal
http://phobiatic.bandcamp.com/

http://www.unundeux.de