Ichor – Depths


Ichor - DepthsNach vier Jahren melden sich ICHOR endlich zurück. Eine lange Wartezeit, nachdem das letzte Album „Benthic Horizont“ doch ein wahres Monster im modernen Death Metal war. Technisch, atmosphärisch, brutal und in allen Aspekten stimmig. Die Erwartungen an „Depths“ waren entsprechend hoch. Kann die Trierer Band an die überwältigende Durchschlagskraft des Vorgängers anknüpfen?

Bedingt, bedingt. Zum einen knüpfen ICHOR im Jahre 2014 mehr oder minder nahtlos an „Benthic Horizont“ an. Wiedermal ist das Label der Wahl Bastardized Recordings, wiedermal handelt das Album um die Tiefen des Ozeans, die alte Gottheit Cthulhu und anderen nautischen Horror. Das großartige Artwork von Pär Olofson illustriert die Thematik wunderschön und ist eine mächtige Steigerung zu dem bereits guten Cover des letzten Albums. Mal wieder schnüren ICHOR ein mehr als stimmiges Gesamtpaket.

Musikalisch sind gleichermaßen die Element vorhanden, die „Benthic Horizont“ und den Stil von ICHOR prägen. Ein durchaus modernes Verständnis von Death Metal, gespickt mit gelegentlichen Elementen aus dem Deathcore, mal mit überaus technischen Riffs und Soli, hyperschnellen Blastbeats und einem wohl dosierten Melodieanteil, dass die Songs trotzt aller Brutalität doch noch eingängig bleiben.

Insgesamt geben ICHOR noch ein bisschen mehr Gas, sind noch brachialer geworden. Gerade die gewaltigen Blast-Gewitter sind ausgedehnter und voluminöser. Ja, stellenweise erinnert das rabiate Geballer schon etwas an Vader, nicht zuletzt an deren Meilenstein „Litany„, aber auch an neuere Werke. Der Sound aus dem polnischen Herz-Studio tut da sein übriges. Vielleicht mögen manche Elemente zwischen Technik und modernen Death Metal auch an Abysmal Dawn erinnern; „Hedal Sirens“ kommt in seiner Atmosphäre sehr nahe an mittlere Nile. Und der Opener „Apophis“ hat sogar einen Jack Slater-Gitarrenlauf.

Doch im Gesamtbild scheint auf „Depths“ etwas die Dynamik verloren gegangen, die „Benthic Horizont“ so spannend machte. Der Pegel ist permanent auf Hochwasser und im wilden Geballer fehlt etwas die Diversität. Gerade der grandiose Bass ist sträflich im Hintergrund, und zwar nicht nur bei den Blastbeats!

Die großen Stärken spielen ICHOR definitiv aus, wenn sie mal aus dem fast permanenten Highspeed ausbrechen und mehr mit Atmosphäre und progressiven Elementen spielen. „Desire Of The Depths“ zum Beispiel, das ziemlich verspielt ist. Oder das bedrohliche „Leviathan„. Oder das schleppende „While Giants Sleep„, das mit seinen modernen Stakkatos und seiner klirrenden Kälte einen wunderschönen Spannungskontrast aufbaut. Das sind die Momente, die ICHOR interessant machen, den richtigen Gegenpol zum recht straighten, schnellen und damit ultrabrutalen „Cthulhus Sons“ setzen; „Depths“ leben verleihen.

Doch im direkten Vergleich zu „Benthic Horizont“ ist das neue Album zu sehr am Anschlag. Es fehlt die Dynamik, die furiosen Wendungen und griffigen Hits, wie „Barotrauma“ oder „The Deepest Blue Is Black“ waren. Ob das am Austausch von einem Gitarristen und Bassisten liegt? Ich kann es nicht sagen. Denn technisch sind alle Mitglieder definitiv äußerst fit an ihren Instrumenten und auch im Zusammenspiel. Alleine der polyphone Teppich in „Leviathan“ mit zwei Gitarren und Bass ist grandios. So monoton es auf Dauer auch sein mag, so sehr sind auch die fetten Blastbeats und das Drumming im allgemeinen zu loben. Besonders der rituelle Tom-Tom-Part in „Hedal Sirens„. Und Sänger Eric liefert einen außerordentlichen Job ab, setzt seine Stimme sehr variabel ein, platziert damit gezielt Akzente, wo andere Bands einfach nur durchblubbern würden. Der dezente Einsatz von Effekten auf dem Gesang verleiht eine weitere Note. Obwohl das in „Leviathan“ etwas cheesy wirkt. Aber das sind Details.

Depths“ ist sicherlich ein gutes Album. Modern, technisch, aber nicht übertrieben und nur um der Technik willen. Die Atmosphäre und Melodien machen die Musik zugänglich und wiedererkennbar. An sich alles super, alles gut. Wäre da nicht die Bürde von „Benthic Horizont„…. Fans von modernem Death Metal sollten dennoch ein Ohr riskieren und sich das Lyric-Video zu „The Heretic King“ anschauen. Wem der Track gefällt, der macht mit dem kompletten Album definitiv nichts falsch!

Infos:
Bastardited Recordings – 05.09.2014
CD – 11 Lieder / 42:25 Min.

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http://www.depthsofhorror.com/

http://www.bastardizedrecordings.de/
https://www.facebook.com/Bastardizedrec