Hammerheart Fanzine -Ausgabe 8


Hammerheart - 8Und wie jedes Jahr gibt es eine neue Ausgabe vom Hammerheart. Zum 10 Todestags Quothrons vielleicht sogar mit noch etwas mehr Bathory-Nostalgie als sonst. Und etwas weniger Death, Thrash und Doom als in den Ausgaben zuvor. Dafür aber immer noch mit einem Haufen Enthusiasmus und einer optischen und haptischen Qualität, die weiterhin keinerlei Konkurrenz fürchten muss – zumindest solange der Necromaniac weiterhin schreibfaul, und das Organ noch nicht in aller Munde ist. Im Gegenteil, in diesem Heft gibt es nicht einmal kleine Unlesbarkeiten zwischen Schriftbild und Hintergrund zu bemängeln! Ist das Hammerheart damit überhaupt noch ein Fanzine?

Das Cover mag dieses Mal ein wenig auf die falsche Fährte locken. Brennende Kirche, böses Baumwesen, das könnte auch von einem blasphemischen Death Metal-Album stammen. Ein typisch schrulliges Artwork, mal wieder von Frank Melech, der auch die vorigen Einbände gestaltet hat. Dabei währe das Pagan-Drachenboot (#6) oder die Black Metal Burg (#7) dieses mal passender zum Inhalt gewesen. Der Anteil anderer Genre ist verschwindend gering und macht – zumindest thematisch – diese Ausgabe für mich und wahrscheinlich auch den prototypischen NecroSlaughter.de-Leser recht uninteressant.

Dennoch kann sich die Todesmörtel-Fraktion über eine historische Aufarbeitung mit Massacra freuen. Northern Plague gesellt sich stilistisch dazu. Witzigerweise beide Geschrieben vom Chefredakteur Chris und nicht dem Krachexperten Rayk. Dieser hat in dieser Ausgabe seine Liebe zum Black Metal gefunden (haha!) und bringt deswegen das Gespräch mit Black Shore auf den Teller.
Devarien, ebenfalls vom Rayk, decken den Bereich Thrash Metal ab. Obelyskkh finden sich einfach selber toll. Da ist es passend, dass die lobenden Worte zur CD vom begeisterten Fragesteller Thor stammt, derweil sich Stromberg um die realistische Betrachtung von Band und Platte kümmert. Sehr geile Idee! Etwas weiter über den Tellerrand blickt das Interview mit den alten Prog-Rock/Metal Hasen Soul Cages. Einen sehr spannenden und exotischen Einblick gibt es von „Prog/Opeth/Anathema„-mäßigem Metal aus dem Iran, im Interview mit Mist Within.

Wir leben an einem Ort, an dem Menschenrechte ausgeschaltet werden. Ich kann das wirklich nicht näher erklären.

Mit solchen Antworten wirkt der restliche Black Metal Quatsch mit Killernieten und Menschenhass wie ein peinlicher Kindergarten.

Doch damit will ich nicht den Hauptteil vom Hammerheart schlecht machen, der sich mehr denn je im Schwarzmetall rumtreibt. Lord Belial/Death Tyrant, Cacucolcus, Dawn, Falkenbach, IXXI, Kampfar, Nivlhel, Sarkhon, Vemod oder Vidargängr sind allesamt gute Interviews. Am spannendsten fand ich jedoch fast das Gespräch mit Fyrnask. Und etwas überrascht war ich über Träumen Von Aurora. Doch das ist nur ein weiteres Beispiel, wie das Herzblut der Autoren jede Band interessant und enthusiastisch präsentieren kann.

Über Black Metal im weitesten Sinne, ist das Interview mit der „Skogtatt„-Autorin Ulrike Serowy. Das Gespräch über Musik, Philosophie und Widersprüche betrachtet die Subkultur aus einem angenehm distanzierten und dennoch involviertem Blickwinkel. Es hilft vielleicht sogar dem ein oder anderen Außenstehenden, diese Subkultur zu verstehen. Und macht natürlich auch Lust auf die Novelle, die eingeweihte scheinbar an Valfar von Windir erinnert. Wie gut, dass ich als Death Metal-Fan unvoreingenommen an die Geschichte gehen kann, hihi!

Nach 19 mehr oder minder intensiven Unterhaltungen (exklusive des „Skogtatt„-Specials) über 60 Seiten, folgt der Review-Teil des Hammerhearts. Thor umreißt in ziemlich knappen Worten Kampfar in Essen, Christian widmet sich etwas ausgiebiger Borknagar mit Ereb Altor und Procession mit Isole. Dann geht es an die Konservenmusik. Mit 133 CD-Kritiken, 8 Kassetten-Besprechungen, 14 Vinyl-Reviews und 3 Fanzine-Rezensionen gibt es auf 24 Seiten die Vollbedienung. Und meiner Meinung nach etwas fokussierter als in den vorigen Ausgaben, ohne große Ausreißer in Heavy, Power, True Metal oder Rock-Geschichten. In dieser Hinsicht wirkt das Zine schon stimmiger. Dazu kommen noch die 13 Besprechungen, die direkt bei den zugehörigen Reviews platziert sind, und natürlich noch die Rezension von „Skogtatt„. Dass bei dieser Menge schon mal die Intensität variiert ist ganz klar. Gerade die Tapes werden vom Thor ziemlich flott durchgenommen. Hingegen setzen sich Rayk und Katja schon mal etwas intensiver mit Fanzines, Demos oder Alben auseinander. Witzigerweise erkennt man den Stil der einzelnen Autoren recht schnell wieder.

Was mir etwas störend aufgefallen ist: Einige Reviews scheinen nach gerade einem Hördurchlauf geschrieben. Das wäre schade, auch wenn das heute sicherlich gängige Praxis ist. „Coverage“ und Quantität sind das Stichwort. Aber wo bleibt die Betrachtung der Langzeitwirkung? Vielleicht habe ich aber auch einfach nur manche Worte falsch verstanden. Was ich hingegen ziemlich deutlich gelesen habe: Christian Metzner kennt die bedeutenden „Obscura“ und „From Wisdom To Hate“ von Gorguts nicht! Das ist wirklich eine Schande!

Rein Qualitativ hält das Hammerheart konsequent sein hohes Niveau. Die Bandauswahl umfasst kleine Raritäten größer Namen, aufstrebende Newcomer, eigenbrödlerische alte Hasen und exotische Neuentdeckungen. Dass Metal mehr als nur Musik ist, zeigt nicht nur die leidenschaftliche Hingabe der Autoren in ihre Artikel, sondern auch die Verwendung des Black Metal Themas in einer Novelle. Lediglich stilistisch ist diese achte Ausgabe noch weiter aus meinem Interessensgebiet entrückt als es bereits Heft Nummer 7 war. Schade eigentlich, denn der Lesespaß ist nach wie vor ungebrochen. Nur nachhaltig werde ich wohl die wenigsten Bands weiter verfolgen….

Nach wie vor gilt aber: Fans von Black und Pagan Metal und aufgeschlossene Hörer extremer Musik im allgemeinen, sollten definitiv die 5 Euro (inkl. Porto) investieren. Das Hammerheart ist nach wie vor jedem Kioskblatt an Intensität und Hingabe überlegen.

Infos:

  • 19 Interviews: Massacra, Death Tyrant / Lord Belial, Kampfar, Falkenbach, Dawn, Fyrnask, Blackshore, Obelyskkh, Sarkom, Vidargängr, Vemod, Träumen Von Aurora, Nivlhel, Northern Plague, Devariem, Catuvolcus, IXXI, Mist Within, Soul Cages
  • Specials: Buchvorstellung „Skogtatt“, Live Rezis Ereb Altor & Borknagar, Kampfar, Isole & Procession. Zahlreiche CD (133)-, Fanzine (3)-, Tape (8)- und Vinyl (14)-Reviews!
  • Umfang: 92 Seiten!
  • Aufmachung: Cover farbig, Innenteil schwarz-weiss, sauberes Layout, Offset-Druck, Hochglanzpapier
  • Preis: 4,00 Euro (zzgl. 1 € P&V)

http://adnoctum.de/hammerheart-zine/