Dephosphorus – Ravenous Solemnity


Dephosphorus - Ravenous SolemnityOh, sehr habe ich mich auf dieses Album gefreut. DEPHOSPHORUS haben bereits mit ihrem Debüt „Axiom“ einen schweren Eindruck bei mir Hinterlassen. Mit „Night Sky Transform“ ändert sich der Stil ein wenig und die Griechen konnten ihren Einstand deutlich übertreffen. Entsprechend waren die Erwartungen an „Ravenous Solemnity“ verdammt hoch. Die Ankündigung der Doppel-LP schürte die Neugier auf die neuen, womöglich epischen Dimensionen, etwaige musikalische Weiterentwicklungen.

Doch rein von der Spielzeit überrascht diese Veröffentlichung ein wenig. 42 Minuten für 14 Lieder. Das hätte auch locker auf eine normale LP gepasst. Oder eben als Doppel 10″, das vom Formatfaktor sicherlich auch noch was her gemacht hätte. Die Schallplatte selber habe ich aber leider (noch) nicht. Ich kenne lediglich das elektronische Promopaket und kann mich somit auch nur voll auf die Musik konzentrieren.

Aber selbst mit Kenntnis der Vorgängeralben, des ungewöhnlichen Herangehens und der absolut masseninkompatiblen Art von DEPHOSPHORUS, ist „Ravenous Solemnity“ immer noch verdammt sperrig. Furioser Grindcore mit hektischem Uptempo und ungezügelten Blastbeats trifft auf dreckige Riffs und Groove aus dem Hardcore, die klirrende Kälte aus dem Black Metal; ob nun in atmosphärischen Harmonien oder monoton-mürbendem Geballer, minimalistisch, reduziert, roh. Vermengte Attribute, eine Suppe mit Sludge, zähes Doom-Geschleppe, hervorpreschender Crustcore. Ach ja, das nannte die Band bereits zuvor „Astrogrind“. Und dennoch ist die Ausführung und Interpretation wieder anders als auf dem deutlich grindigeren „Axiom“ oder dem angeschwärzteren „Night Sky Transfom„.

Ja, die flinken Wechsel aus düsterem Downtempo hin zu kauzigem Geballer, Groove-Akzente zwischen entrückter akustischer Transzendenz. Kein Song wie der andere. Das macht „Ravenous Solemnity“ unberechenbar, dynamisch und spontan. Ein heißes Eisen. Und dennoch haben die Lieder mächtigen Wiedererkennungswert. Wer nach dem ersten Hördurchlauf „There Is A Color“ nicht nach 3 Sekunden sofort zuordnen kann, hat wohl die Gedächtniskapazität eines Goldfisches. Und so finden sich immer wieder mächtige Momente, die selbst die runtergekochtesten, minimalistischsten Auswüchse des abgefuckten Black Metal mit prägnanten Hooks verzieren.

Dazu machen DEPHOSPHORUS immer mächtig Druck. Alleine „Ancient Drone“ und „Astrocyte Portal“ sind treibend ohne Ende. Zumindest vor den aberwitzigen Wendungen im Songverlauf. Dann wird aus „treibend“ schlicht ein „zermalmend“. Gegen Ende schleichen sich ein paar Längen auf „Ravenous Solemnity“ ein, aber spätestens der Rauswerfer „Vicious Infinite Regress“ macht noch mal ordentlich Rabatz und rappelt den Hörer noch mal ordentlich durch.

Musikalisch sind DEPHOSPHORUS mal wieder erste Sahne. Abgedreht, abgefuckt und eigenständig. Ein Traum! Allerdings treffen gleiche Attribute auch auf den Gesang zu. Dieser ist noch eine Nummer räudiger und anstrengender, als er es bereit stellenweise auf „Night Sky Transform“ war. Diese hektischen, heiseren Schreie machen den Einstieg in die Scheibe nicht unbedingt einfach. An manchen Stellen werden die Songs sogar richtig anstrengend, wenn die Vocals ins Hysterische überschlagen. Harter Tobak, der auch nach einigen Hördurchläufen nicht angenehmer wird. Sicherlich passen manche Phrasierungen in exakt diesem Stil sehr gut in die Black Metal Parts. Aber zu einigen Crust/HxC/Grind-Passagen hätte ich mir doch etwas Variation gewünscht. Auch wenn an ein oder zwei Stellen mit Vocoder und Spoken-Words gespielt wird, insgesamt waren die Alben zuvor etwas flexibler.

Sicherlich ein großer Kritikpunkt an „Ravenous Solemnity„. Denn der Gesang ist omnipräsent und sehr eigenwillig. Das mag für manchen direkt ein K.O.-Kriterium für das Album sein. Wer hingegen diesen Aspekt ignoriert, vielleicht sogar diese unkonventionellen Vocals mag, der bekommt nach wie vor ein einmaliges Album mit einem einmaligen Stilmix.

LP gibt es wie immer über 7Degrees Records. 500 Einheiten auf 180g schwerem schwarzen Vinyl inklusive Download-Code. Und wie ich das Label kenne, wird auch die Aufmachung der Schallplatte wieder erstklassig sein. Auch wenn ich mich nach wie vor Frage, warum 42 Minuten über 2 LPs mit 45rpm…. Egal. Die Brücke zur digitalen schlagen Band und Label übrigens auch für (Noch-)Nicht-Kunden. Auf Bandcamp kann man das komplette Album anhören. Startet am besten direkt mit „There Is A Color“ und zerlegt dabei eure Bude.

Dephosphorus - Ravenous Solemnity - LP

Infos:
7 Degrees Records – 2014
Do-LP – 14 Lieder / 42:09 Min.

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