Violation Wound – Violation Wound


Violation Wound - Violation WoundDass Chris Reifert, seines Zeichens nach Schlagwerker bei Autopsy, auch bekannt für sein Schaffen auf „Scream Bloody Gore„, eine gewisse Affinität zu rohem, ursprünglichen, auch primitiven Punkrock hat, das ließe sich an den deutlichen Einflüssen bei Abscess oder Doomed, sogar unmittelbar bei Eat My Fuk heraushören. Nun hat der gute Herr eine neue Kapelle mit zwei Mitstreitern am Start, die zumindest stilistisch den mit Eat My Fuk eingeschlagenen Weg – mit Reifert an Gesang und Klampfe – weiterführen. VIOLATION WOUND nennt sich dieses Projekt. Ein ziemlich offensiver Markenname für ziemlich offensive Tonkunst.

18 Mal gibt das Trio nun auf dem selbstbetitelten Debütwerk Gift und Galle, Rotze und Eiter zum Besten, eingehüllt in den Mief von Alkohol, Schweiß und erkalteten Rauchs irgendwelcher Hinterhofkellerspelunken mit Schutzgittern vor den Bühnen. Direkt und simpel, dreckig und aus dem Bauch heraus, ungekünstelt, schnörkellos und mit einem miesen Schlagzeugsound. G. G. Allin und Antiseen als musikalische Referenzen zu nennen (Active Minds! – Chris), erscheint hier so treffend wie erschöpfend zugleich, denn mehr scheint es zu „Violation Wound“ auch nicht zu sagen zu geben. Maximale Assiattitüde, ebenso textlich, trifft auf – wider Erwarten! – minimalste Metaleinflüsse. So mancher Konsument könnte hier ob des Kaufarguments Chris Reifert schon schwer enttäuscht werden. Die Werbezeile „Autopsy trifft auf „The Ramones“ (oder so ähnlich) ist definitiv eine Lüge.

Dass „Violation Wound“ dennoch ganz unterhaltsam ist, liegt allerdings vor allem am ungeschönten Charme dieses Potpourri aus altbackenem Punk Rock und Proto-Hardcore. Dieser Gegenentwurf zu allem, was die letzten 25, 30 Jahre an Punk populär wurde, punktet gerade mit dieser Holzhammermethodik und lässt doch hier und da, vor allem bei den Gastsolos von Eric Cutler und Danny Coralles (beide natürlich von Autopsy), ein fast schon rock’n rolliges Feeling aufkommen, das der Band ungehört gut zu Gesichte steht. Dem gegenüber stehen einige Stücke, die an Stumpfheit und Auswechselbarkeit nicht zu überbieten sind.

Alles in allem ist „Violation Wound“ eine nette, tendenziell belanglose Punkscheibe für zwischendurch, die einen Großteil ihrer Popularität ihrem Hauptprotagonisten zu verdanken haben wird. Autopsy-Puristen sollten definitiv vor dem Kauf ein Öhrchen riskieren, punkfeindliche Metaller gleich den Geldbeutel ganz stecken lassen. Meinereiner dagegen wird das Teil sicher dann und wann mal rotieren lassen, nebenbei, und vielleicht würde ich mich über eine Liveumsetzung freuen, denn eines ist „Violation Wound“ definitiv: Livemusik. Und Chris Reifert ne coole Sau.

Infos:
Vic Records – 2014
CD – 18 Lieder / 25:53 Min.

https://www.facebook.com/Violationwound