The Great Old Ones – Tekeli-li


The Great Old Ones - Takeli-LiLovecraft. Inspiration unendlich vieler. Zu vieler. Und wäre Lovecrafts Werk nicht so fantastisch und so manche Adaption und so manches inspiriertes Werk nicht ganz so grandios, ich mich würde die vor allem die letzten Jahre immer ausgeprägtere Renaissance am Ende noch nerven. Noch ist es nicht soweit – und werden weiterhin so großartige Werke wie „Tekeli-Li“ veröffentlicht, dann wird sich, glaube ich, daran auch nicht viel ändern.

Frankreichs THE GREAT OLD ONES liefern mit diesem Werk den Nachfolger zum schon recht gelungenen, aber noch deutlicher in musikthematischen Grenzen gefangenen und noch nicht ganz so ausgereiften Debütwerk „Al Azif“ ab und – fast schon erschreckend typisch für Produkte von Les Acteurs De L’Ombre – gewinnen damit in allen Belangen: angefangen vom wunderschönen, absolut genrefremden Artwork, der Aufmachung (limitierter Digi, DoppelLP im Gatefold) bis natürlich hin zum großartigen Inhalt!

Mit letzterem fügen sich THE GREAT OLD ONES vorzüglich in das Reigen der aktuellen LADLO Bands: Black Metal, modern, „post“, genreoffen. Wo man auf „Al Azif“ jedoch noch in eher typischen Gewässern nach Cthulhu fischte, dem Schwedenstil nicht unähnlich, jedoch immer mit einem Blick gen die moderne US Szene, aber offen genug um Doom- und Post-Metal-Elemente einzubinden, nicht unähnlich frühen Altar Of Plagues, so ist „Tekeli-Li“ weitaus offener, mutiger, abwechslungsreicher, aber auch kompakter, direkter. Mehr auf den Punkt, will man meinen, das trifft aber nur zum Teil zu, denn ausschweifend können die Franzosen noch immer sein, wie das große Finale „Behind The Mountains“ mit knapp 18 Minuten eindrucksvoll und fesselnd und vor allem in allen Facetten des Werkes der Großen Alten zeigt!

Manchmal an die grandiosen Labelkollegen Regarde Les Hommes Tomber erinnernd, die fast schon eine zu THE GREAT OLD ONES invertierte Mischung aus viel Post-Metal und modernem Sludge mit Black Metal Elementen präsentieren, so befindet sich „Tekeli-Li“ durchaus im Spannungsfeld zwischen modernen Black Metal Elementen, zersetzt von schleppendem, zeitgenössischem, zähem Sludge und Post Metal, der nicht selten direkt an Isis zu erinnern mag. So manches treibende, dynamische, auch in Maßen dissonante Riff hätte dabei auch ohne weiteres aus einem straighten Botch Brecher stammen können, doch auch fragilen, polyphon-texturunterlegten Postrock-Momenten, ja, selbst akustischen Einsprengseln verschließen sich die Franzosen nicht. Als Gegenpole sozusagen stehen rasende Blastbeats und (wenige) klirrende, eher schwarzmetaltypische Riffwände, schräge, bisweilen richtig unheimliche Leads, überhaupt recht bizarre Gitarrenlinien. Alles dargeboten in einem modern, sehr dichten und schweren und dennoch angenehm rauen Tongewand, natürlich aber auch mehr als kompetent – man lausche nur dem Schlagwerker und seinem unterschwellig vom Jazz beeinflussten Spiel! – vorgetragen!

So ist diese musikalische Interpretation von „At The Mountains Of Madness“ eine bisweilen wilde Achterbahnfahrt durch allerlei mitreißende Momente und bizarrer Ideen, im Gesamtwerk eine äußerst stimmige und spannende Reise durch die Lovecraft’sche Ideenwelt. Stimmig vor allem auch, da sowohl die verschiedenen Stile und auch alle Songs hervorragend in einander überfließen, THE GREAT OLD ONES greifen dabei gerade beim erwähnten Finale sogar Themen vergangener Stücke nochmals leicht variiert auf und schaffen damit eine gewisse Kontinuität im Rahmen des Albums, was die intensive, düstere Atmosphäre von „Tekeli-Li“ nur noch unterstreicht. Bravo! Tekeli-li… tekeli-li…

Infos:
Les Acteurs De L’Ombre Productions – 2014
Digipak-CD/Do-LP – 6. Lieder / 53:18 Min

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