Paramnesia – Paramnesia


Paramnesia - ParamnesiaWie quasi aus dem Nichts kommen für mich PARAMNESIA fast zeitgleich mit zwei großartigen Releases daher: der SplitLP mit Unru und diesem Full Length Album, schlicht nach den enthaltenen Songs „IV – V“ betitelt (Laut Bandcamp ist das Album selbstbetitelt – Chris). Zwei Songs, zweimal 20 Minuten auraler Wahnsinn!

PARAMNESIA können meinetwegen gerne in das Potpourri namens Post Black Metal gepackt werden, hierunter stellt sich ohnehin jeder irgendetwas anderes vor, ich zum Beispiel eine der Möglichkeit nach sehr freie Neuinterpretation der musikalischen Ebene des Black Metal, genreofffen, experimentell. Im eigentlichen Sinne rebellierend gegen die Konventionen der Tradition – und somit lustigerweise genau das, woran sich so viele Traditionalisten so gierig und definitorisch reiben und aufgeilen. Aber lassen wir das Trveness-Bashing.

PARAMNESIA nun bieten schon einmal rein visuell das typische Bild eines „Studenten Black Metal“ Releases: Edles Design, von Artwork bis Verpackung, schön symmetrisch, symbolüberladen, folienbedruckt. Aber eben auch wundervoll detailreich und qualitativ hochwertig, sowohl das limitierte Digipack, wie auch das Vinylrelease, und dabei gar nicht mal so weit vom Klischee entfernt.
All dies trifft allerdings auch auf die Kompositionen zu: Zuweilen ausladend und sperrig gestaltet, irgendwo angesiedelt zwischen hypnotischer Monotonie, im Wirbelsturm aus Drums und wilden Riffs begrabenen, klar am geläufigen Postrock orientierte Texturen, wenigen fragile Momenten, mit irgendwo im Hintergrund erschallenden, gequälten Vocals. Übermächtig wirkt hier der Einfluss der zeitgenössischen US-Szene, den Erben von Weakling. Genauso episch-ausladend und zuweilen repetitiv-hypnotisch wie die visionären Fell Voices, jedoch wesentlich polierter produziert – ich würde die letzte Woe hier als Referenz heranziehen, ebenso wild wie Ash Borer zu Zeiten des Demos – und irgendwie doch nicht so nah an den vermeintlich über allen stehenden Waldschraten von Wolves In The Throne Room, die meiner Meinung nach ein ganz anderes Songverständnis zeigen. PARAMNESIA sind ausladender, weniger fokussiert, weniger songorientiert. Vielmehr wirken PARAMNESIA wie eine bisweilen kaum kontrollierte Sturmbrandung, wogenhaft zwischen Brechern und dem vermeintlich sich beruhigenden Moment, bis die nächste Sturmeswelle über uns hereinbricht.

Dabei gestaltet sich dieses atmosphärisch äußerst dichte Album auch nach mehrmaligem Lauschen zu einem überaus mitreißenden Trip! Nicht nur der auf’s erste Hören sich kaum erschließende Detailreichtum weiß immer wieder in diesem akustischen Gewittersturm zu begeistern und voll Spannung zu fesseln, auch die ebenso wechselhaften Stimmungen zwingen den Hörer geradezu mitten hinein in die tosenden, kosmischen Stürme aus Materie, Raum und Zeit, wirbeln ihn umher, reißen hinauf und wieder hinunter und wieder kreuz und quer und hin und her – und lassen ihn nach 40 Minuten begeistert zurück!

PARAMNESIA haben mit ihrem Debütalbum ein außerordentlich starkes Stück metallischer Tonkunst erschaffen. Atmosphärisch, stimmungsreich, wahrlich wild und ungezügelt und dabei doch noch mit einem Händchen für Fragiles, für Gegensätzliches, ja, für Spannung! Und das ist gerade bei so langen Songs durchaus bewundernswert. Und mehr als hörenswert, für jeden – aber ich fürchte ja, die Traditionalisten werden sich wohl doch eher grämen.

Infos:
Les Acteurs De L’Ombre Productions – 2014
LP – 2 Lieder / 40:15 Min.

http://paramnesiablackmetal.blogspot.de/
http://paramnesiaxpa.bandcamp.com/

http://www.lesacteursdelombre.net/
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