Massacre – Back From Beyond


Massacre - Back From BeyondBack From Beyond„. Soso. Nachdem die meiner Meinung nach sehr gelungene „Abschiedstour“ vor einigen Jahren einen endgültigen Punkt unter das Thema MASSACRE setzen sollte (und auch gleichzeitig Kam Lees neue Band Denial Fiend promoten sollte), so kam es nun, nach einigem Hin und her, wie es kommen musste: MASSACRE vereinigen sich ein weiteres Mal wieder, diesmal in anderer Konstellation – Rozz statt Lee; abgesegnet von dem mittlerweile in Japan residierenden Bill Andrews. Problem: Egozentriker Kam Lees Vocals waren ein prägnantes Merkmal des Sounds der Florida-Legende. Daran kann man rumlamentieren, so sehr man doch will: so ist es eben.

Natürlich hängt nun am Name MASSACRE noch mehr als nur der Name Kam Lee, sondern ein ganzer Schwanz an (death)metal(prä)historischer Glorie: die Vernetzung zu Mantas, Death, Obituary und damit die tiefe Verwurzelung in den Gründerjahren der US Death Metal Szene, speziell eben Florida; „From Beyond“ als unangefochtener Klassiker (und natürlich, „Promise“ als Riesenmist, hihi…). So etwas weckt Erwartungen und dabei nicht zu geringe. Auch ohne Lee. Dafür mit Ed Webb, einstmals bei Eulogy und den großartigen Diabolic, am Gesang.

Vorab gab es eine 7″ mit zwei Songs, welche sich beide auch neu aufgenommen auf „Back From Beyond“ finden, die weniger eindrucksvoll schon all die Problematik des nun erschienen Albums aufzeigten. Bodenständig – ja, sicher: groovender, recht dynamischer Death Metal, auf jeden Fall wurzelnah, aber auch zeitgemäß produziert und – man staune! – kein direkter Abklatsch von „From Beyond„.

Treibend, tight, versiert gespielt und geschrieben ist die Scheibe auf jeden Fall: Lowlights sind keine zu vermelden, Hits allerdings ebenso wenig. „Back From Beyond“ mangelt es nicht an guten Songs, allerdings aber an einer eigenen Identität, das Album ist kaum in irgendeiner Weise irgendwie spektakulär oder gar spannend oder mit irgendwelchen Alleinstellungsmerkmalen versehen. Würde man ohne Vorwissen dieses Album hören, es wäre schwer auf MASSACRE zu schließen, denn „Back From Beyond“ ertönt dabei wie eine x-beliebige, sicher alles andere als schlechte Florida Death Metal Auflage, daran ändern alle berechtigten Vorschusslorbeeren nichts. Und so sind auch Ed Webbs etwas an Ola von Grave erinnernde Vocals zwar brutal und alles, sogar wesentlich abwechslungsreicher als Lees herrlich stumpfe Grunts, aber dabei ebenso leider austauschbar, null charismatisch und kaum „remarkable“! Sehr schade…

… denn so rauscht „Back From Beyond“ an einem vorbei, animiert zum Mitwippen, allerdings zu nicht mehr, und ist nach kurzer Zeit schon wieder vergessen (außer vielleicht der tatsächlich coole, düsterer Mittelteil des Titeltracks). In die Tonne kloppen sollte man das Album keineswegs, dazu ist es schlicht zu gut und wäre es auch unter einem anderen Namen. Sicher dürfte es auch vielen munden, gerade den Fans des eingängigen, beliebigen Floridasounds um Obituary und Six Feet Under, deren Spätwerken MASSACRE ohne Weiteres das Wasser reichen können, was hier allerdings keineswegs überbewertet werden sollte. Und dennoch wird „Back From Beyond“ dem Namen MASSACRE einfach nicht gerecht.


Massacre – Back From Beyond on MUZU.TV.

Infos:
Century Media – 2014
Digipak/CD/LP – 16 Lieder / 52:16 Min. (Digipack)

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