Fallujah – The Flesh Prevails


Fallujah - The Flesh Prevails

The Flesh Prevails“ ist ein besonderes Metal-Album! Es verbindet eine transzendentale Atmosphäre, technischen Death Metal und Prog zu einer epischen, kraftvollen und harmonischen Realitätsflucht. Ja, es strotzt fast vor positiver Energie! Erfrischend abseits von Trends, Genrekonventionen oder verkopften Klischees. FALLUJAH haben ein anspruchsvolles, intensives Album geschaffen, das aber immer noch Herzblut und Feeling transportiert.

Natürlich ist die Mischung aus Prog/Jazz und Death Metal nicht neu. Auch für FALLUJAH nicht, die bereits zuvor in dieser Stilistik daheim waren. Nur eben haben sie auf „The Harvest Wombs“ noch etwas hölzerner geklungen, sich erst mit „-Nomadic-“ der Harmonie angenähert, die nun auf 41 Minuten zur Perfektion getrieben wird.

Die Wurzeln bei Cynic hört man deutlich heraus. Gerade in den etwas verspielteren Passagen. Vielleicht möchte man auch Parallelen zu Exivious ziehen. Nur geht die niederländische Instrumentalband mit ehemaligen Cynic– und Pestilence-Leuten wesentlich rationaler und nüchterner an die Musik. Aber nicht FALLUJAH! Nein, hier steht eine Menge Emotion hinter der Musik, verträumter Eskapismus, Hoffnung, Transzendenz! Daraus entsteht eine abgehobene, fast spacige Atmosphäre, polyphon, teilweise an der Grenze zur Überladung, aber meist zielgerichtet und nachvollziehbar. Zumindest im roten Faden, der den Song kohärrent führt, thematisch immer wieder mit Ankerpunkten versieht und interessante Steigerungen erlaubt.

Zu einem anderen Cynic-Ableger sind schon deutlichere Bezüge hörbar. Einige der ruhigeren Passagen, das Spiel mit klarem Frauengesang, das erinnert mich sehr an Portal, also das Zwischenspiel von den Cynic-Leuten. Nur eben etwas moderner, mit etwas mehr Wumms und Metal dahinter.

Vielleicht in der Mischung aus progressiven Klängen und Death Metal, mag auch der ein oder andere Moment an die verspielteren Instrumentalpassagen von Obscura erinnern. Doch sind die Überlappungen genau so marginal, wie einige technische Ideen ebenso bei Decrepit Birth vorkommen könnten. FALLUJA setzen im auf „The Flesh Prevails“ die Ankerpunkte in beiden Welten so sehr wie nötig und so wenig wie möglich.

Ja, einige Momente auf dem Album sind vom Metal fast gänzlich entrückt. Das Semi-Instrumentelle „Alone With You“ spielt mit elektronischen Klängen, ist fast schon kitschig. Es lebt vom Kontrast zu den härteren Passagen. Diese kommen im nachfolgenden Instrumental „Allure“ auch nur sehr pointiert zum Tragen. Auch sehr schön, wie das Gesangsthema aus dem vorhergegangenen Song aufgenommen und variiert wird. Die Metal-Einflüsse sind hauptsächlich am Schlagzeug auszumachen, verzerrte Brezelgitarren werden homöopathisch eingesetzt.

Natürlich sind dies aber auch nur Momente und Gegensätze zu den härteren Songs. Temmolo-Riffs, Growls und Blastbeats zeigen vom eröffnenden „Starlit Path“ an, dass dies keine Scheibe für den Prog-Nerd ist. Es ist ein Death Metal-Album. Mit frischen Ideen, technischem Anspruch und einer ungewöhnlichen Atmosphäre. Mit den Dichten Klangteppichen, abstrakten Rhythmus-Pattern, und wahnwitzigen Strukturwechseln sicherlich kein Easylistening und für Oldschool-Puristen der reinste Graus! Doch ist „The Flesh Prevails“ gleichzeitig fernab, ein kompliziertes oder konstruiertes Album zu sein. Die Ideen zünden direkt, die Riffs und Melodien haben immer prägnante Momente, die Wechsel zwischen verträumter Atmosphäre und energischer Härte sind ausgewogen. FALLUJAH sind eine außergewöhnliche Band, die hier ein besonderes Album abgeliefert haben. Und jeder Musik-Fan, der nur im geringsten auf anspruchsvolle und vorwärtsdenkende Musik steht, sollte „The Flesh Prevails“ anchecken.

Infos:
Unique Leader Records – 2014
CD – 9 Lieder / 41:40 Min.

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