Entombed A.D. – Back To The Front


Entombed A.D. - Back To The FrontEin neues ENTOMBED-, meinetwegen auch: Pseudo-ENTOMBED-Album zu besprechen, ist schon nicht das Trivialste. Herzensangelegenheit zum einen, zum anderen wegen dieses peinlichen Rosenkrieges und – es ist einfach so! – des letzten wirklich haarsträubenden Totalausfalls namens „Serpent Saints„. Allerdings möchte ich gleich vorwegnehmen, dass ich hier weder in Lobeshymnen bezüglich des Frühwerkes der Schweden ausbrechen werde, noch dem Schulmädchenzoff Raum geben will. Am liebsten würde ich ENTOMBED A.D. als völlig eigenständige Band sehen – und vergessen. Allerdings geht dies aus bekannten Gründen einfach nicht.

Nun gut, da ist nun „Back To The Front„, nach knapp zehnmonatiger Verzögerung. Der damals geleakte Track, „Vulture And The Traitor“ war es, glaube ich, wusste schon nicht zu begeistern und sollte nur schlichter Vorbote dessen sein, was nun hier unter dem einst so glorreichen Markennamen hätte erscheinen sollen. Dabei ist dieser Song schon so programmatisch für das gesamte Album, wirkte er doch wie ein Outtake des unsäglichen „Serpent Saints„. Jenes Album erschallte wie ein unausgereifter Schnellschuß, zusammengeschustert und einfach nicht gut geschrieben, mit Riffs aus dem Discounter, Songwritingstangenware von vorne bis hinten – man merkte ENTOMBED einfach an, dass Uffe Cederlund nicht mehr in der Band war und dafür mit Disfear und deren „Live The Storm“ einen wahrhaftigen Hammer ablieferte. Und „Back To The Front“ ist keinen Deut besser, nimmt sich zu „Serpent Saints“ recht wenig, nein, wirkt wie dessen direktes Sequel inklusive der schrägen, irgendwie eingängig gedachten Refrains, und ja, unterbietet dieses noch, mit dem kleinen, feinen Unterschied, dass „Back To The Front“ eben jenes Manko nicht hat, nämlich zu wirken wie ein Schnellschuss. Das macht es umso tragischer!

Back To The Front“ kommt nämlich keineswegs wie ein kalkuliert, flott gezimmertes Werk daher – Death Metal ist ja wieder populär! An sich wirkt es einheitlicher (beschissen), ausgereifter als Gesamtwerk, was es allerdings nicht besser macht, denn kaum ein Song überschreitet die Intensität einer Schlaftablette. Generische, biedere, redundante Thrash-Riffs en masse statt der erhofften rotzigen Death’n Roll Keule oder der Rückkehr zum glorreichen Pfad zur Linken, spannungs- und drivebefreit vor sich hinplätschernde, einfach nicht zündend geschriebene, langweilige, repetitiv gestaltete Songs, lahm und kraftlos, wo selbst noch „Serpent Saints“ irgendwo so etwas wie Leidenschaft erahnen lies – völlig gleich, welchen Song man sich von diesem Neuwerk vornimmt. Klar, Petrovs Vocals sind cool herausgerotzt, der Typ ist halt schon eine Bank, aber selbst das kann keinen Song dieser LP wirklich zu einem mitreißend Werk wandeln.

Nur zu gerne würde ich „Back To The Front“ als Schnellschuß oder wenigstens als Durchschnittsware abtun, aber dies ist kaum möglich in diesem Kontext. Es fällt sichtlich schwer, da auch bei dem Gedanken, dieses Machwerk losgelöst vom Erbe von ENTOMBED zu bewerten, es gnadenlos durchfallen würde. Alleine schon im Vergleich zur Konkurrenz, jung (Miasmals „Cursed Redeemer„) und alt (beispielsweise die Weggefährten von Grave, die noch immer konsequent Spitzenware abliefern, wenn auch genrethematisch etwas anders gelagert). Ich finde, dieses Album hätte gar nicht in Verbindung mit ENTOMBED erscheinen dürfen. Diesen Markennamen hätte man spätestens nach dem Gerichtsverfahren aus dem Spiel nehmen müssen, um das Erbe nicht vollends vollzupinkeln, mindestens solange bis Nicke Andersson seinen Finger aus dem Hintern nimmt und sich mit einigen anderen Originalmitgliedern wieder zusammentut, um ordentlich zu lärmen. Stattdessen bekommen wir, werbetauglich natürlich auch, ENTOMBED A.D. vorgesetzt. Wahrlich: ENTOMBED außer Dienst.

Infos:
Century Media – 05.08.2014
CD – 11 Tracks / 51:19 min.

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