Tombs – Savage Gold

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Tombs - Savage GoldEndlich ist es da, eines der wohl sehnlichst erwarteten Alben von 2014. „Savage Gold„, das dritte Studio-Album der Brooklyner TOMBS. Und ich kann mich von Vorfreude und großer Erwartungshaltung nicht freisprechen. Der Vorgänger „Path Of Totality“ war einfach ein Meisterwerk, beklemmend, düster, eine wagemutige Mischung aus Black Metal, Post-Hardcore, Shoegaze, Sludge. Famos! Doch können TOMBS dort anschließen? Oder gar noch einen oben drauf setzen? Die Messlatte liegt verdammt hoch…

Auf jeden Fall können TOMBS immer noch überraschen und zeigen deutlich, dass sie längst noch nicht alles gesagt haben! „Thanatos“ eröffnet als nahtlose Anknüpfung an „Path Of Totality„. Erhaben, bedrohlich, tiefschwarz. Die Spannungsbögen aus schnellem Drumming und stoischen Gitarren sind schlichtweg mächtig; die verstörenden Gitarrenteppiche einfach phantastisch.
Doch bereits „Portraits“ zeigt eine neue Seite an TOMBS, eine kleine Überraschung, die „Savage Gold“ zu einem ambivalenten Werk macht. Mit dicken Melodien über dem furiosen Geschepper, wirkt der Song fast schon hoffnungsvoll, zuversichtlich – und ist fast konträr zum dreckigen Pessimismu des Vorgängeralbums. Diese neue Klangfarbe auf der Palette TOMBS‚ findet sich auch immer wieder über die knapp eine Stunde Spieldauer. „Ashes“ oder „Spiral“ haben auch noch diesen positiven Vibe. Nicht durchgängig, nicht konsequent. Häufig bricht die Stimmung rapide, wechselt wieder in wütende, ungezügelte Blastbeats, in aussichtslosen Nihilismus. „We are Dust. In infinity!“. Repetitiv. Mürbend. Verzweifelt.

An zwei Stellen experimentieren TOMBS auch wieder mehr mit Post-Punk/Wave. Zum Beginn von „Echoes“ noch moderat, nutzen das volle Potential für Steigerungen, fast schon chaotische Wendungen und einen grandiosen Schluss. „Deathripper“ zieht es dann aber konsequent durch. Reduziert, bewusst monoton und mit sehr herausgezögerter Erruption nach fast fünf Minuten, ist der Song ungewöhnlich und sau stark.

Dagegen wirken manch andere Stellen von „Savage Gold“ fast bieder, cheesy; wenngleich auch sehr brachial. „Edge of Darkness“ als schlichtweg furioser Song mit viel kaltem Black Metal. Oder „Seance“ mit seinen morbiden Harmonien, wo so manche traditionelle Band gerne eine Scheibe abschneiden könnte.

In dieser Reise durch bösartige Verachtung, Momenten der Hoffnung, Resignation und immanenter Erhabenheit, haben sich TOMBS deutlich weiterentwickelt, neue Klangfarben in ihre Musik aufgenommen. Im ersten Moment fand ich das nicht ganz so cool, denn immerhin habe ich einen zweiten Moloch wie „Path Of Totality“ erwartet, die düstere Verspieltheit von „Winter Hours“ erhofft. An diese beiden Alben kommt „Savage Gold“ meiner Meinung nach nicht dran. Dennoch ist es weit davon ab, ein schlechtes Album zu sein. Es ist nur eben anders. Die Wechselspiele zwischen freundlichen Melodien und dem bekannten Pessimismus offenbaren eine neue Seite an TOMBS, bieten viel zu entdecken. Und „Spiral„, „Legacy„, „Edge of Darkness„, „Seance“ oder „Thanatos“ sind einfach super Lieder. „Severed Lives“ sogar ein grandioses. Dazu noch die wunderschönen „Ausreißer“ „Deathripper“ und „Echos„. Ach, so schlecht ist „Savage Gold“ dann doch nicht.

Mit der Produktion von Erik Rutan klingt das Album sogar richtig spannend. An manchen Stellen vielleicht etwas zu sauber und differenziert, aber definitiv unterkühlt und kraftvoll. Selbst nach mehreren Hördurchläufen weiß ich nun nicht, ob ich es gut oder schlecht finden soll. Einigen wir uns auf „interessant“.

Dank Bandcamp kann man „Savage Gold“ komplett online anhören. Das sollte man aber mehr als einmal machen. Denn die Songs wachsen, entwickeln sich, leben. Vorschnell will man ein Lied für seinen melodischen Anfang verurteilen. Das wäre schade!

Infos:
Relapse Records – 2014
CD/LP – 10 Lieder / 57:23 Min.
http://www.tombscult.com/
https://www.facebook.com/TombsBklyn
http://tombsbklyn.bandcamp.com/