Rude – Soul Recall


Rude - Soul Recall

Ein neuer FDA Rekotz Release? Auch noch von RUDE, die bereits mit ihrem „Haunted„-Demo für ein wenig Furore in der Szene gesorgt haben? Verpackt in einem ultrafetten Dan Seagrave Artwork? Ei, muss ich dazu noch was sagen? Die Erwartungen waren Hoch und wurden definitiv nicht enttäuscht!

Soul Recall“ tropft und trieft an allen Ecken und Enden nur so vor unglaublichen Früh-90er-Worsphip. Angefangen bei der Wahl des Cover-Artists, der heute leider viel zu selten seinen Pinsel schwingt (was wohl nicht zuletzt an seinen Honorarvorstellungen liegen mag). Es ist ein wunderschön obskures Bild, organische Bauwerke, leichter Sci-Fi-Touch, verstörende Atmosphäre. Ein brillantes Highlight! Entsprechend sieht auch die Gestaltung des Booklets und der Druck auf der CD so aus, als ob alles vor 25 Jahren in eine Zeitkapsel gestopft wurde. Ein passender Flyer für die sozialen Netzwerke knüpft an diese Retro-Ästhetik nahtlos an…

Rude - Flyer

Einhergehend mit der retrospektiven Ausrichtung, adaptieren RUDE aber auch leider einen etwas anstrengenden Sound. Insgesamt klingt „Soul Recall“ ein wenig dünn und die Snare-Drum ist leider auch in den 90ern kleben geblieben. Nicht unbedingt das gelbe vom Ei, aber immer noch besser als eine 80er Snare….

Wer bereits das Demo „Haunted“ kannte, weiß bereits, was ihn erwartet. Nicht nur sind RUDE dem eingeschlagenen Weg ziemlich treu geblieben, sondern finden sich eigentlich auch alle eigenen Songs (sprich alle Lieder minus dem Traumatic-Cover) auch auf „Soul Recall“ wieder. Eröffnet wird alleine mit dem genialen Titelsong der Demo und steckt die Grenzen für die nächste Dreiviertelstunde fest: Morbid Angel-Gitarren treffen auf Martin van Drunen am Gesang.

Doch ist diese Umschreibung nur eine marginale Erfassung von „Soul Recall„. Gesanglich finden sich sicherlich auch noch Parallelen zu Marc Grewe. Musikalisch ist die Palette noch breiter aufgestellt. Wo viele kranke Riffs eben den kauzigen Charme von Morbid Angels Frühwerken (von „Altars Of Madness“ bis zur „Convenant„) haben, finden sich gleichzeitig aber auch Anlehnungen an Euro-Death/Thrash, vor allem an Pestilence. Gegen Ende sind einige geradlinige Gitarrenläufe auch sicherlich nicht der „Leprosy„-Phase von Death unähnlich. Und in der Mischmenge darf eventuell auch der jüngere Name der Label-Kollegen Chapel Of Disease fallen.

Mit Retro-Artwork und oldschool Sound, wäre es jedoch fatal RUDE als reine Copycats zu sehen. Wo die Originalität des Songmaterials sicherlich nicht an erster Stelle steht, ist die Umsetzung hingegen einfach Sahne! Die Gitarren pendeln zwischen geradlinigen Riffs und verschrobenen Ideen hin und her, verfalllen aber nie ins pure Selbstdarstellung, sondern sind immer griffig und bleiben im Ohr. Die Songstrukturen sind unglaublich gut ausgearbeitet. Nie werden Blastbeats übertrieben oder als Selbstzweck eingesetzt, sondern sind immer ein überraschendes Stilmittel der Steigerung. Prinzipiell arbeiten RUDE sehr dick mit Groove und Attitüde! Garnierend kommen dann kleine Details dazu, wie ungewöhnliche Drum-Pattern, ein Bass, der in „Conjuring Of Fates“ oder „Last Of Us“ mal eine exponiertere Stellung einnehmen darf.
Dazu kommen Soli, die in ihrer Ausführung sicher nahe an Trey Azagthoth liegen, aber immer noch eigene Ideen einbringen – man höre alleine den Auftakt zum Solo von „Haunted„!

In dieser Konstellation ist „Soul Recall“ voller Hits! Angefangen bei den bekannten vom Demo „Haunted„, „Forsaker“ oder das unglaublich ausgearbeitete „Conjuring Of Fates„, zu den neuen Songs „Soul Recall„, „Internal Ascension“ oder das direktere „Last Of Us„. RUDE haben definitiv den Newcomer-Einstand im OSDM 2014 hingelegt! Da können auch einige, mittlerweile wohl etwas ausgebrantere Kollegen sicherlich noch was von Lernen.

PS: Die Hörbeispiele stammen noch den den Demo-Aufnahmen.

Infos:
FDA Rekotz – 2014
CD/LP/Download – 8 Lieder / 42:40 Min.
https://www.facebook.com/pages/Rude/391039200987363
http://rudedeathmetal.bandcamp.com/
http://www.fda-rekotz.com/
https://www.facebook.com/FDAREKOTZ