Ecocide – Eye Of The Wicked Sight


Ecocide - Eye Of The Wicked Sight
Eigentlich ist es unglaublich. Eine frische Band aus drei niederländischen Jugendlichen, der älteste 20, der jüngste 18 Lenzen alt. Und dennoch ist deren Debütalbum ein mächtig rockendes Stück Retro-Death Metal, der wesentlich älter klingt, als die Bandmitglieder. Der kleine Senkrechtstarter heißt ECOCIDE und ist gerade ziemlich aktiv unterwegs. Von kleinen Underground-Konzerten wie dem Rhein in Blood zu Support-Slots für die mächtigen Gorguts ist da alles dabei. Zu recht, denn das junge Trio fetzt einfach. Live und auf Konserve!

Dabei ist „Eye Of The Wicked Sight“ ein bisschen Restessen. Einige Songs sind bereits vom ersten Demo bekannt. Da ich das Teil aber nicht habe, ist mir dieser Umstand ziemlich humpe. Nachdem über Bandcamp und die sozialen Medien die selbstproduzierte Auflage des Debüts anscheinend schnell vergriffen war, haben in kürzester Zeit Disharmonic Records eine neu CD-Version und Supreme Chaos Records die Vinyl-Edition rausgehauen. Davon gibt es 100 in Splatter mit Patch als Gimmick und 200 schwarze Schallplatten. Allesamt handnummeriert und mit Poster, Lyric-Sheet und Download-Code. Wer sich nur für die digitale Variante ohne Hardcopy interessiert, bekommt für lässige 5 Euro die sieben Lieder zuzüglich Intro von ECOCIDEs Bandcamp-Profil.

Auf jeden Fall hat man noch die Möglichkeit, der Musik handfest habhaft zu werden. Das sollte man auch rasch tun, bevor die Band in aller Munde ist, und die Neuauflagen von „Eye Of The Wicked Sight“ auch wieder vergriffen sind. Trotz vielleicht mangelnder Innovation – wird eh zu häufig als Lippenbekenntnis eingefordert, wenn man Musik nicht versteht -, sind die 34 Minuten feuriger und rotziger Death Metal. Stark beeinflusst von „From Beyond“ und „Leprosy„, poltern ECOCIDE durch die frühe amerikanische Schule, nehmen häufig eine große Kelle Thrash Metal und ein bisschen Punk mit und präsentieren ausnahmslos großartige Songs!

Das junge Trio spielt perfekt aufeinander abgestimmt. Die Riffs sind prägnant und zünden direkt. Der Bass pumpt ordentlich Druck und unterstützt auch harmonieführend. Das Schlagzeug ist roh und auf den Punkt; von treibenden Doublebass-Attacken, die rollen wie ein Panzer, zu schnellem Ufta-Ufta klingen die Songs immer äußerst kraftvoll. Wie bei den großen Vorbildern wird auf Blastbeats verzichtet. Stört aber nicht. Dazu wunderschön tiefer Gesang, der das Gesamtbild in seiner voluminösen Erscheinung abrundet. Alles in guter Produktion, was will man mehr?

Und wie auch schon bei Massacre oder Death, wechseln die Songs immer wieder zwischen verspielten Gitarrenläufen, forschem Geholze, treibenden Beats und plötzlichen Wendungen. Gerade diese Trademarks machen „Beneath The Flesh“ so spannend, „Crawling From The Crypt“ zu einem mächtigen Schlachtschiff. Mit dem Titeltrack hat die Band sogar einen großen Hit im Gepäck, der noch etwas über den anderen Songs thront. Schade nur, dass es lediglich ein Gitarrensolo auf der Scheibe gibt. Da ist noch Luft nach oben! Doch sonst haben ECOCIDE alles richtig gemacht! Fans von Massacre, Death oder den heutigen Recken Skeletal Remains, Chapel Of Disease oder Morfin kommen nicht drum herum: Hört euch das Album auf Bandcamp an und kauft euch die Scheibe, bevor es zu spät ist! Und haltet ein Auge auf die Band und ihren weiteren Werdegang!

Infos:
Disharmonic Records (CD) / Supreme Chaos Records (LP) – 2014
CD/LP/Download – 8 Lieder / 33:55 Min.
http://ecocide-osdm.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/EcocideMetal
http://www.disharmonic-records.com/
http://www.s-c-r.de/