Begraven – Ein Interview aus dem Grab

 

Begraven - Logo

BEGRAVEN waren ein Strohfeuer. 2012 gegründet, einige Shows mit Undead Creep, Master, Cryptic Brood, Bones, Dehuman Reign, etc. pp., unter anderem auch auf dem Grind The Nazi Scum und nun endlich auch die erste Demo. Schick auf Kassette, über Weedhunter Records. Doch zeitgleich ist schicht im Schacht! Im April haben BEGRAVEN ihren letzten Gig gespielt. Schade eigentlich, denn der mobid-melodische Death Metal mit Punk-Attitüde macht viel Spaß! Ein posthumes Interview mit der Band musste her. Hört euch die Songs an und kauft euch ein schickes T-Shirt. Davon hat die Band noch mehr als genug (;


1. Hallo Angie, hallo Dödi, hallo wer mir auch sonst für dieses kleine Interview bereitsteht! ( Betti ) Schon mal vielen Dank für eure Zeit und Antworten. Stellt euch doch mal kurz vor, damit ich und meine Leser wissen, mit wem sie es zu tun haben! Ich hoffe, ihr habt gute Musik und ein kaltes Bier am Start, dann können wir direkt loslegen…

A: Hey Christian! Betti und ich haben uns einen Wein geschnappt und die Platte TALES FROM THE TOMB von EVOCATION dreht sich schon fleißig. Übrigens sehr geile Scheibe! Betti ist die Bassistin und ich bin die Sängerin von Begraven.

D: Ich bin Gitarrist von Begraven und habs mir grad mit XENO & OAKLANDER und ner Brause gemütlich gemacht.

2. BEGRAVEN sind ein kleines Strohfeuer! Im Vorfeld schien das Demo heiß erwartet, Vorgeschmack über Bandcamp und Mundpropaganda haben Interesse geweckt. Dabei ist dies gerade mal das erste Lebenszeichen von euch, die ihr 2012 erst aus der Taufe gehoben wurdet. Doch quasi zeitgleich mit Release der Demo ist auch wieder Schluss. Am 21.02. habt ihr euren letzten Gig gespielt. Schade! Denn eure Kassette macht echt Lust auf mehr. Insgesamt war dies aber nur eure Geschichte Fast-Forward. Ich denke, da gibt es einiges mehr zu erzählen! Fangen wir erst mal vorne an: Wie hat alles begonnen? Wie seid ihr zusammengekommen und was hat euch bewegt diese leicht punkige und melodische Interpretation des Death Metals zu spielen? Kanntet ihr euch bereits aus anderen Bands/Projekten?

D: Angefangen hat alles mit unserem ersten Drummer Bobo mit dem ich zuvor bei KATYUSHA gespielt habe. Wir beide hatten Bock auf Death Metal und begannen mit den ersten Proben. Betti hatte gerade wieder mit Bass angefangen und dann kam sie gleich unter Vertrag. Angie kannte ich von unserer legendär schlechten Vokü und nach einmal zusammen jammen war klar das sie mit dabei ist. Phil kannte ich von POST-WAR PERDITION. Das war so 2012. Im weiteren Verlauf gabs dann zwei Drummerwechsel bis wir dann mit Micha was festes an den Trommeln hatten.

B: Nachdem ich überhaupt erst wieder angefangen habe Bass zu spielen fragten mich Bobo (der erste Drummer) und Dödi ob ich nicht Bock hätte bei deren neuen Death Metal Projekt mitzuspielen. So trafen wir uns ein paar mal zum proben, hatten aber noch keinen Gesang. Kurz darauf lernte ich Angie bei unserem lokalem Metaltresen beim Kochen kennen. Sie erzählte nebenbei das sie etwas growlen kann und auch Bock auf Death Metal hat. Dabei hat sie ziemlich untertrieben, als sie dann zum ersten Mal bei der Probe war, hat’s uns ganz schön weggepustet! So kam das dann zusammen.

3. Euer letzter Auftritt war mit Deviated Instinct in den dreckigen Katakomben des Köpis zu Berlin – ich denke mal, damit ist das Koma F gemeint, richtig? Ist aber auch egal, denn derweil ihr in wunderschönen besetzten Haus ein paar Mal aufgetreten seid, habt ihr auch mit Master, Bones und Cryptic Brood in Wolfsburg gezockt, mit Dehuman Reign Neubrandenburg bespielt, das Grind The Nazi Scum bespaßt, und, und, und. Reichlich aktiv für gerade mal zwei Jahre Existenz. Was waren eure persönlichen Highlights in eurer kurzen Lebenszeit? Und welche Meilensteine waren für die Band besonders wichtig?

B: Der letzte Auftritt war zwar in der Köpi, aber nicht im Koma F, sondern im sogenannten Technokeller, wo übrigens auch das Morbid Catacombs stattfindet. Die Räumlichkeiten sind nicht weniger dreckig und abgeranzt, aber größer. Für mich war das GTNS ein Highlight da wir da viel gutes Feedback bekommen hatten von anderen guten Death Metal Bands und natürlich vom Publikum.

A: Ja, das GTNS war auf jeden Fall ein Highlight! Aber auch Wolfsburg und der Abschiedsgig im Köpi Keller. Im Endeffekt haben alle Auftritte echt Spaß gemacht! Auf dem Weg nach Neubrandenburg hatten wir dann ein Panne mit Bettis Bus… in der Dunkelheit mitten auf der Autobahn. Da standen wir dann anderhalb Stunden in der Kälte und haben auf den ADAC gewartet. Die Leute von DEHUMAN REIGN haben netterweise mit uns gewartet und wir haben die Zeit verquatscht und Witze erzählt, haha. Schließlich mussten wir Bettis Bus an einer Raststätte hinterlassen und wurden von den netten Leuten aus Neubrandenburg abgeholt. Das war schon ein kleines Abenteuer!

D: Der Gig war im alten Kegelkeller wo auch das MORBID CATACOMBS stattfand. Die Highlights hast du eigentlich schon ganz gut aufgelistet. Wir hatten trotz kurzem Set eigentlich immer energetische Shows und ein cooles Publikum. Ich hatte oft ein im Tee und einmal ist mir die Gitarre vom Gurt gerutscht. Dann musste ich schnell noch nachstimmen während die Anderen weitergebrettert haben. Die Leute vor der Bühne hielten mir Feuerzeuge hin damit ich was sehen konnte. Das war schon nen Knaller.

Begraven - Tapes

4. Zum krönenden Abschluss gibt es nun endlich die Demo auf Kassette. Posthum. Leider nur mit fünf Liedern, ich bin mir fast sicher, dass alleine für das Live-Programm mehr Songs geschrieben wurden… Warum nur diese fünf Tracks auf Konserve? Selbst wenn ihr mehr Material habt, denke ich aber nicht, dass wir es jemals zu hören bekommen, oder?

B: Es gibt tatsächlich nur diese fünf Songs die auftrittsreif geworden sind. Wir hatten noch einige andere Songs angefangen, allerdings nie zuende geschrieben.

D: Wir haben tatsächlich nur diese fünf Songs.

5. Februar 2014, Schicht im Schacht für BEGRAVEN. Warum musste das so kommen? So kurz vor dem Release der Demo? Auf Facebook haltet ihr euch ja recht bedeckt. Einzig die Anmerkung „this will be our last show cause we split up.“ und in einem folgenden Kommentar heißt es: „Because of too many differences in musical skills and ambitions.“. Vielleicht mögt ihr das an dieser Stelle noch etwas genauer ausführen?

B: Genauer darauf eingehen wollen wir nicht. Wir sind einfach ein bisschen kompliziert in dieser Konstellation :)

D: Ein paar interne Auseinandersetzungen und Schwierigkeiten haben mich dazu bewegt dem Namen alle Ehre zu machen und die Band zu Grabe zu tragen. Der Zeitpunkt war natürlich – wie bei jeder Trennung – ungünstig wegen dem Demorelease und Konzertanfragen. Allerdings war bei mir ein Punkt erreicht wo ich einfach nicht mehr weitermachen wollte.

A: Die Trennung war natürlich erstmal schwer zu verdauen, doch Dödi hat uns seine Entscheidung nachvollziehbar geschildert und somit haben wir uns alle auf die Auflösung von Begraven geeinigt.

6. Unterschiedliche Ambitionen deuten an,, dass der ein oder andere mit anderen Bands/Projekten beschäftigt ist und dort mehr Energie reinsteckt. Philipp zockt noch bei PIxGs (https://pixgs.bandcamp.com/), soweit ich das richtig mitbekommen habe. Wie schaut es beim Rest aus?

D: Micha ist mit AXT unterwegs, Phil mit POST-WAR PERDITION und PixGS. Ich hab noch Gitarre in der darkpunk Band TANZKOMMANDO UNTERGANG gespielt; mittlerweile auch aufgelöst aber bald kommen noch unsere letzten Aufnahmen raus.

A: Ich hatte parallel zu Begraven keine anderen Bands.

B: Für mich war das Ende von Begraven sehr schwer zu verdauen. Zur Zeit habe ich noch keine neue Band, halte aber Augen und Ohren offen. Da ergibt sich schon irgendwas.

Begraven - w Undead Creep

7. Man beurteilt ein Buch nicht nach seinem Einband. Dennoch erwecken eure Fotos auf Facebook bestimmte Vorahnungen. Killing Joke und Black Sabbath Shirts, Dreadlocks (zumindest früher), dreckige autonome Zentren und besetzte Häuser. Nicht so ganz die ordentliche Jugendheim-Kultur, die man bei vielen jungen Death Metal Bands findet. Eher die Wurzeln, wie man sie vom Kill Town Death Fest oder Bands wie Undergang, Undead Creep, etc. pp. kennt: Irgendwo in den verschwimmenden Grenzen von Crust, Punk, HxC und Death Metal. In welcher Szene habt ihr euch persönlich gesehen? Welche Bands und Subkulturen haben euch geprägt, BEGRAVEN beeinflusst?

D: Wir kennen uns alle aus der Berliner Punkszene und hängen immer noch gerne in versifften Kellern rum. Irgendwie macht auch jeder was im diy-Rahmen, sei es nen Konzert, Tresen, Kochen, betrinken. Von daher liegst du da mit deiner Beurteilung schon ganz richtig. Innerhalb der Szene verschwimmt die Grenze musikalisch sowieso was ich auch ganz gut finde. Hier gibt’s für verschiedene Genres und die Leute die drauf Bock haben und was dafür machen. Ich hab schon oft von Leuten gehört wie irre die das finden wenn hier auf ner Gruftiparty jemand tanzt der eher der Metalszene zuzuordnen ist.

B: Dass die Grenzen zwischen Metal und Punk teilweise verschwimmen sehe ich als gute Entwicklung an. Festivals wie KTDF oder das Morbid Catacombs in Berlin zeigen, dass das ganz gut funktionieren kann auch wenn es teilweise noch viele Grenzen in den Köpfen gibt.
Bei unseren Konzerten haben wir auch beobachten können, dass Menschen, die nach unterschiedlichen Subkulturen aussehen, gleichermaßen auf die Mucke abgehen. Dass wir das Punk-Publikum angezogen haben, liegt natürlich zunächst daran, dass wir aus der Ecke kommen und in den einschlägigen Schuppen gespielt haben. Dennoch waren auch immer viele Metalheads dabei.
Außer in Neubrandenburg, da hat man gesehen, dass die Punks dort noch nicht so viel mit Metal anfangen können. Das Konzert war cool und die Gastgeber waren super drauf, aber als wir gespielt haben, standen doch fast nur unsere Berliner Freunde vorne und sind abgegangen!

8. Eure Demo habt ihr selber aufgenommen. Mix und Mastering hat Patrick Engel übernommen. Nicht die schlechteste Wahl! Warum habt ihr das Recording selber gemacht? Hattet ihr damit bereits Erfahrung und Equipment? Oder war euch ein Studioaufenthalt schlicht zu teuer? Wie lange habt ihr für das Einspielen gebraucht? Alles in einem Take, oder brav die Instrumente nacheinander? Warum fiel die Wahl auf Engel und sein Temple Of Disharmony? Natürlich ist er für seinen super Klang bekannt, aber gab es da nicht einige interessante Alternativen? Das Ergebnis ist auf jeden Fall ein sehr trockener Sound. Besonders der blecherne Bass gefällt mir sehr gut, weil er schön prägnant im Sound verwurzelt ist, aber nicht zu penetrant hervor sticht. Ich finde den Tieftöner im Metal eh meist zu stark ignoriert! Aber auch der organische Drumsound gefällt mir. Was sagt ihr zum Klang? Oder könnt ihr eure Demo mittlerweile nicht mehr hören?

D: Mix und Mastering hat unser Philipp Engel übernommen aber ich denke er weiß es als Kompliment zu schätzen das du ihn mit Patrick in einen Hut wirfst ;)
Das Einspielen haben wir nacheinander gemacht und auch hier hat Phil alles gut koordiniert. Ich finde es hätte noch ne Spur dreckiger sein können bin aber im allem zufrieden.

B: Zu erwähnen ist noch das Phil studierter Toningenieur ist und von seinem Fach auch wirklich Ahnung hat. Das nötige Equipment hat er gehabt und teilweise geliehen. Außerdem saß er bei den einzelnen Aufnahmen stundenlang dabei und drauf geachtet das es auch ordentlich gemacht wird. ;)

A: Mit Philipp aufzunehmen ist echt super! Er ist sehr, sehr, sehr geduldig und ruhig und verliert auch bei der Arbeit seinen Humor nicht. Sehr lobenswert! Bei zwei Songs hat unser Kumpel Philipp Pichler, ebenfalls studierter Toningenieur, den Gesang aufgenommen, da ich zwischenzeitlich krank war und sich somit die Aufnahmen verschoben haben. Engel musst dann aber wegen einem Job weg aus Berlin und somit hat Philipp Pichler uns da ausgeholfen, der ebenfalls sehr gute Arbeit geleistet hat!

Begraven - Skull9. Euer Cover ist schön schlicht und hat dennoch einen angenehm ranzigen Charme. Wer hat denn den Zombie-Schädel gekritzelt?

B: Wir haben unseren zweiten Auftritt im Koma F als Support für UNDEAD CREEP gespielt. Das war ziemlich cool, Sandro (nun Ex-UNDEAD CREEP Sänger; ELEVATORS TO THE GRATEFUL SKY) war sehr begeistert (besonders von Angie’s Gesang ;) ) und kurze Zeit später hatten wir den Schädel im Postfach!

A: Ja das kam echt unerwartet. Er hatte zwar schon angedeutet, dass er mal was für uns zeichnen würde, aber wir hätten echt nicht damit gerechnet, dass wir zwei Wochen später schon eine fertige Grafik von ihm bekommen würden! Wir haben die natürlich sofort genommen, die sieht ja auch echt fett aus! Genauso wie das Logo, welches unser Kumpel Bela (AVVERKAD) für uns gezeichnet hat.

10. Nun ist die Kassette da. Sehr schön aufgemacht, wirkt sehr wertig. Durch den Aufkleber als Gimmick, wird alles noch mal angereichert. Und in Limitierung auf 166 Stück, ist der Preis von 4 Euro durchaus fair. Im Package mit T-Shirt sogar für sensationelle 10 Euro! Der olle Weedhunter eben. Dennoch bietet ihr die Lieder auch als Pay-What-You-Want Download an. Scheinbar macht euch das Internet keine Angst, haha! Aber ich denke, das ist auch ein bisschen Teil von der autonomen Szene, dass man die Musik durchaus verschenkt, aber für den gewillten Fan auch physische Medien anbietet…

B: Dass das Demo vom ollen Weedhunter gemacht wird war naheliegend, da ich mit ihm zusammen bin und die anderen gut mit ihm befreundet sind. Über Konditionen und Kosten mussten wir da kaum reden, ist klar dass es bei ihm immer äußerst fair und pro Band abläuft. Von den Shirts haben wir mehr als genug gedruckt, als wir noch nicht wussten, dass es die Band nicht mehr so lange geben würde. Jetzt hoffen wir, so viele wie möglich noch los zu werden, die Sache mit dem Package für ’nen Zehner hilft da vielleicht. Und hey, es ist mit dreifarbigem Druck ein echtes Schmuckstück, welches jeden Metal-Kleiderschrank aufwertet!
Und zum letzten Teil der Frage: kostenlose Downloads sind immer gut, sollten einen aber nicht davon abhalten Geld für gute Platten/Tapes auszugeben.

D: Das hat nix mit Szene oder so zu tun. Hätte ich gewusst wie ich meine Million damit machen kann wär das ganz anders gelaufen ;) Von den Shirts sind noch einige da, leider etwas groß ausgefallen, dafür aber günstig und zuschneidbar.

Begraven - T-Shirt

11. Nun, BEGRAVEN sind kaputt. Da macht es keinen Sinn mehr nach eurer Zukunft zu fragen. Ob euer Demo mal auf Vinyl rauskommt ist auch eher so eine akademische Frage. Vielleicht magst Du etwas über die nahe Zukunft aus eurem Umfeld verraten, was meine Leser und eure Fans interessieren könnte?

D: Phil wird weiterhin mit PIxGS durchstarten. Da spielt auch unser zweiter Drummer Philipp P. mit. Beide sind sehr engagierte und vor allem gute Musiker. Von meiner Seite wird es Ende diesen Jahres hoffentlich was zu hören geben. Ich hab angefangen mit Schlagzeugspielen und schreibe mit Micha neue Songs die allerdings nichts mit BEGRAVEN zu tun haben. Desweiteren schraub ich mit Bela (AVVERKAD), unserem ersten Drummer Bobo (SANDY LEATHER) und dem verrückten Hannes von WEEDHUNTER an nem Panzer rum. Only Time will tell …

A: Ich denke wir werden alle musikalisch auf jeden Fall weitermachen. Ich schaue mich nach einer neuen Band um und habe demnächst auch schon ein Vorsingen bei einer Death Metal Band. Und dann mal sehen, bin gespannt.. ;)

12. Ich danke euch vielmals für Deine Zeit und Antworten, obwohl BEGRAVEN nun Geschichte ist! Ein posthumes Interview ist nicht immer selbstverständlich. Unser Gespräch ist zu ende. Darum obliegt euch nun die Bürde der abschließenden Worte!

D: Danke für das posthume Interesse ;)

A & B: Danke dir für das Interview! Cheers!

http://begraven.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/pages/Begraven/299960943446202



Antworten von Angie (vocals), Bettie (bass) und Dödi (gitarre) von BEGRAVEN
© Bilder: Facebook/Bandcamp-Profile von BEGRAVEN