Stench – Stench

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Stench - StenchIrgendwie ist es eine Schande! Da kommt die neue EP von STENCH raus, und kaum einer bekommt es mit. Die Band selber schweigt sich auf ihrem Facebook-Profil aus. Letzten Hinweis auf den Release-Termin am 17. Februar 2014, gab es Mitte Dezember. Und bei Agonia Records wurde das Shop-Update um die neue EP auch nur beiläufig erwähnt. Fast hätte ich die gute 7″ verpasst. Dabei ist diese Veröffentlichung kontextuell doch so unglaublich spannend und interessant!

Ursprünglich wurde STENCH von Jonathan und Johannes gegründet, weil sie viele ihrer Ideen und Visionen in ihrer Hauptband Tribulation nicht ausleben konnten. Die EP „Reborn In Morbidity“ war ein unglaublicher Eindruck von ihrer Vorstellung! Furioser Black/Death Metal. Flitzeschnell, wütend, verspielt und instrumental auf überragendem kompositorischen Niveau. Das folgende Album „In Putrescence“ war etwas überlegter, weniger impulsiv, aber gleichermaßen ein sehr gutes Stück Musik. Dann kam aber der große Wandel bei Tribulation. The Formulas Of Death ist anders, greift aber das Verspielte und das anspruchsvolle Songwriting auf. Ja, erweitert es um Progressivität und Einflüsse außerhalb des Metal-Genres. Die große Frage war: Sind STENCH somit obsolet?

Scheinbar nicht! Es besteht noch Bedarf für STENCH, der nun mit der selbstbetitelten 7″ EP ausgelebt wird. Die Trademarks sind geblieben: Wilder Black Metal, griffige Melodien, morbide Atmosphäre. In diesen Ansprüchen werden die drei Lieder in knapp neuneinhalb Minuten allen Erwartungen gerecht und knüpfen nahtlos an das letzte Album an. Das ungezügelte Feuer von „Reborn In Morbidity“ darf man sicher nicht erwarten. Aber im Vergleich zu „In Purtrescence“ sind STENCH wieder mehr auf den Punkt, etwas knackiger.

We Should Not Exist“ wechselt schön zwischen D-Beat und Geballer, überrascht mit einem ziemlich atypischen Basslauf. „Lost“ ist das beste Stück der Platte, zeigt am besten die grandiose Verwebung von drei unterschiedlich agierenden Saiteninstrumenten zu einem polyphonen und doch sehr eingängigen Klangteppisch. Wilder Black Metal, geile Harmonien. Griffig, brutal. Geballer und etwas Polka-Groove. Ein grandioser Track!
Bei „Unfold“ finden sich am Anfang ein paar Ideen, die man auch auf „The Formulas Of Death“ hätte verwenden können. Doch spätestens wenn der kalte Stampfer weiterläuft, mehr dem Black Metal zugewandt ist, dann passt der Song deutlich besser zu STENCH.

Somit klärt „Stench“ direkt mehrere Fragen. Ja, STENCH machen weiter. Ja, STENCH behalten ihren eigenen Stil bei. Ja, STENCH knüpfen hervorragend an ihr letztes Album an und machen neugierig auf das kommende Full-Length. Denn: Ja, da kommt noch was. Doch gleichzeitig muss man beachten: Nein, ein zweites „Reborn In Morbidity“ ist diese EP nicht geworden. Und nein, STENCH muss man unabhängig von Tribulation betrachten, die sich ziemlich krass weiterentwickelt haben. Dagegen sind STENCH fast schon konservativ. Aber genau das mag ich! Ich bekommt genau die abgedrehten, mehrstimmigen Kompositionen, diese Mischung aus Eingängigkeit, Geballer und morbider Atmosphäre, die ich mir von STENCH gewünscht habe. Ich bin sehr glücklich mit der EP und kann sie bedenkenlos weiterempehlen.

Sammler konnten die EP noch auf blauem Vinyl mit rundem Logo-Patch bekommen. Aber schnell sein, davon existieren nur 100 Exemplare. Die reguläre schwarze Version gibt es wohl etwas öfter. Wie häufig, ist mir aber nicht bekannt.

Infos:
Agonia Records – 2014
7″ EP – 3 Lieder / 9:20 Min.
https://www.facebook.com/pages/Stench-official/213520935347849
http://agoniarecords.com/
https://www.facebook.com/agoniarecords