Raging Death Date 2014


Raging Death Date 2014, Festivalbericht
19.-20.4.2014, Neustadt/Orla

Raging Death Fest 2014 - Banner

K: Schon 2013 bei unserem ersten Besuch auf dem Raging Death Date hatte uns neben der Bandauswahl vor allem die undergroundige Atmosphäre sehr angesprochen. Auch dieses Jahr lag der Festivaltermin wieder arbeitnehmerfreundlich am Osterwochenende, so dass schnell klar war, dass wir 2014 wieder nach Neustadt fahren würden. Außerdem sieht man hier auch mal Bands, die nicht auf jedem dritten Festival mit von der Partie sind. Wer darauf aus ist, ein paar unbekannte Underground-Perlen zu entdecken, hat auf dem Raging Death auf jeden Fall gute Chancen, etwas Interessantes zu finden. So war für uns auch gar nicht unbedingt ausschlaggebend, hier schon vorneweg besonders viele Bands zu kennen, sondern wir wollten uns einfach wieder überraschen lassen.
R: Nachdem das Raging Death Date 2013 nur einen Tag ging, hat man wieder zur alten Stärke gefunden, so dass einem 2-Tage-Festival nichts im Wege stand. Und die für dieses Jahr gebuchten Bands wie PENTACLE und GEHENNAH sollten für einige mehr Besucher garantieren. Also machten wir uns nach Thüringen auf.

== Samstag ==

K: Als wir am Samstagmorgen auf der Landstraße durch irgendwelche arschkalten Thüringer Bergdörfer kurvten und dabei sogar noch einen Schneemann am Straßenrand entdeckten, beglückwünschten wir uns zu unserer Entscheidung, uns ums Zelten zu drücken und lieber ein Hotelzimmer zu buchen. (R: Ganz schön dekadent.) Vor Ort in Neustadt herrschten dann zwar angenehmere Temperaturen, aber wirklich vertrauenserweckend sah das Aprilwetter trotzdem nicht aus. So checkten wir schnell im Hotel ein und machten uns schnurstracks auf den Weg zum Festivalgelände, das nur einen kurzen Fußweg entfernt war.
R: Auch dieses Jahr fing das Festival wieder recht früh an, was uns natürlich sehr entgegenkam. Als wir gegen halb eins den alten WOTUFA-Saal betraten, bemerkten wir, dass bedeutend mehr Leute vor Ort waren als letztes Jahr. Während die erste Band gerade beim Soundcheck war, latschten wir ein wenig durch den DDR-Saal und haben auch gleich unser erstes Opfer gefunden. Denn Alex von Ketzer Records war mit seinem Labelstand vor Ort. Nachdem es letztes Jahr gar keine richtigen Labelstände gab, gab es dieses Mal gleich vier, wo wir dann auch übers Wochenende unser Geld ordentlich verprassten.

K: Beim Begrüßungsbier am Ketzer-Stand verging die Wartezeit auf die erste Band wie im Flug. Um 13 Uhr legten dann schon ARCHAIC THORN los, auf die ich sehr gespannt war. Letztes Jahr auf dem Hell’s Pleasure hatte ich einen sehr cool aussehenden Flyer der Sachsen eingetütet, es seither aber irgendwie nie gebacken bekommen, mich näher mit der Band zu befassen. Nun war also die beste Gelegenheit, sich endlich mal live einen Eindruck zu verschaffen. Und was das Trio hier vorlegte, war echt beeindruckend und ein bestens gelungener Start ins Konzertgeschehen: Der okkulte Death Metal von ARCHAIC THORN verbreitete nicht nur eine sehr düstere Stimmung (was durch die Kerzen und Knochen auf der Bühne noch mal unterstrichen wurde), sondern wurde auch technisch auf verdammt hohem Niveau vorgetragen. Wenn man bedenkt, dass die Band bisher gerade mal ein Demotape („Hydra Throats„) veröffentlicht hat, konnte man bei dem perfekt auf den Punkt gespielten Todessound nur mit den Ohren schlackern. Die technische Finesse stand hier aber zum Glück nie als Selbstzweck im Vordergrund und man langweilte die Zuschauer nicht mit selbstverliebtem Gefiedel und Gefrickel. Stattdessen wurden die wilden Gitarrensoli immer songdienlich eingesetzt und unterstrichen noch mal die dunkle, zerstörerische Stimmung der Lieder. Ein klasse Auftakt fürs Festival! Wer hier zu spät kam, hat wirklich was verpasst.
R: Auf mich machten ARCHAIC THORN ebenfalls einen sehr positiven Eindruck. Ihre Mischung aus okkultem Death Metal und teils thrashigen Einflüssen konnte mich ebenfalls während der kompletten Spieldauer nachhaltig überzeugen. Da Kommunikation mit dem Publikum die Spielzeit sowieso verkürzt und dies ohnehin nicht purer Underground ist, haben sich ARCHAIC THORN erst gar nicht damit aufgehalten und einfach ihre Songs gespielt. War auf jeden Fall ein sehr geiler Einstand. Sollte man definitiv gesehen haben. Tipp: Haltet nach der Band Ausschau!

Jetzt stand erst mal eine Pause an, so dass wir etwas Hopfenblütentee zu uns nahmen und uns auf dem Gelände etwas umschauten. Als zweite Band spielte nun passenderweise die Band mit dem Kürzel II, was man irrtümlich als 2 deuten könnte, aber laut Sänger sind es wohl lediglich zwei ii´s und Initialen eines alten Gorgoroth-Songs. Wie dem auch sei, uns sagte die Band rein gar nichts. Von daher war ich einfach mal gespannt, was uns erwartet. Und dann kam etwas wirklich sehr Unerwartetes. Auch II besteht nur aus drei Leuten, und die konnten gleich für einiges Aufsehen sorgen. Zum einen das optische Bühnenbild mit Kerzen, dem vermummten Sänger, der mich ein wenig an die Isländer Svartidaudi erinnerte. Als wenn das nicht schon genug gewesen wäre, sorgte die extrem rasende Mucke für wirkliches Staunen beim Publikum. Es prasselte einem eine derartige Wucht an Geschwindigkeit und nihilistischem Black Metal gepaart mit Death Metal Einflüssen entgegen, dass du spätestens beim zweiten Song dieser Liveperformance hellwach warst. Das, was hier der Schlagzeuger E. darbot, kennt man eigentlich nur von extrem hyperschnellen Grindcore-Bands. Und ich fand das Material der Sachsen ebenfalls absolut Killer und freue mich schon auf deren erste Veröffentlichung, die demnächst über Eternity Records erscheinen wird. Sehr coole Songs, auch wenn hier rein die Geschwindigkeit im Vordergrund stand und auch der extrem laute kreischende Gesang. Es war ein wahres Inferno, was hier auf der Bühne geboten wurde. Eine richtige Killershow!

K: Auf dieses aggressive Highspeed-Geschrote folgte jetzt erst mal das absolute Kontrastprogramm. Der Veranstalter war wohl der Meinung, dass die blutenden Ohren nach II ein bisschen Entspannung brauchen könnten, und so durften als nächste Band BLACK WASTELAND für Erholung sorgen. Der rockende Doom-Sound war dann gleich ein komplett anderer Film und animierte erst mal zum lockeren Mitwippen. Die Bayern erinnerten vom Stil her ein bisschen an Saint Vitus oder Count Raven, was ja mal nicht so verkehrt ist. Der typische Ozzy-Gedenk-Gesang klang aber doch ein wenig zu schief. Bei dieser Stilrichtung lasse ich mir gesangsmäßig echt viel gefallen, aber na ja, auf Dauer lagen mir die Vocals etwas zu sehr neben der Spur. Auch die Songs waren nicht wirklich der Knaller, so dass der anfangs ganz gefällige Sound bald eintönig wurde. Nachdem ich die ersten zwei Songs noch vor der Bühne mitverfolgt hatte, trollte ich mich dann doch lieber weiter nach hinten und inspizierte mal ein bisschen die Verkaufsstände.

Danach standen IRON THOR auf dem Programm, und da wir weder auf verstaubten Heavy Metal noch auf peinliches Gepose Bock hatten, beschlossen wir, eine kleine Pause einzulegen. Wir hatten bei der Band vorab online in einen ultrapeinlichen Videoclip reingeschaut, und das hatte uns doch ziemlich abgeschreckt. So nutzten wir die Gelegenheit, mal kurz zu unserem Hotelzimmer zu latschen, die ersten eingetüteten Tonträger abzuliefern und ein paar Zines zu holen, um sie bei Ketzer-Alex auszulegen. Auf dem Weg zurück zum Festivalgelände quatschten wir uns noch bei ein paar bekannten Gesichtern aus unserer schwäbischen Gegend fest, die zu diesem Zeitpunkt noch überraschend ansprechbar waren. Bis wir dann wieder am Ort des Geschehens ankamen, hatten wir IRON THOR komplett verpasst, was uns sehr entgegenkam.

Mit ERAZOR ging es dann allerdings auch nicht so richtig aufregend weiter. Die Thrash-Mucke klang zwar immerhin ordentlich aggressiv und schwungvoll, aber so richtig wollte der Sound bei uns nicht zünden. Liegt wahrscheinlich daran, dass wir beide in der Regel nicht viel mit Thrash anfangen können. So liefen ERAZOR eher an uns vorbei, und wir konzentrierten uns erst mal darauf, nach unserem Fußweg durch die Stadt wieder Flüssigkeit nachzutanken. Bei vielen Leuten schienen ERAZOR allerdings ziemlich gut anzukommen. Vor der Bühne war nämlich ordentlich was los, und die Halle war zu diesem Zeitpunkt gut gefüllt.
Mit CHAPEL OF DISEASE wurde es dann mal wieder interessanter.

R: Da ich CHAPEL OF DISEASE von ihrer coolen Split-EP zusammen mit Lifeless kenne und echt interessant fand, war es für mich ein guter Grund, die Jungs mal live anzuchecken und zu sehen, ob sie nicht nur auf Platte überzeugen können. Und in der Tat boten die Jungs aus NRW ein ziemlich flottes Set aus Death Metal der alten Schule. Hier ging die Post richtig ab und es machte Spaß, sich den wilden Death Metal Reigen anzuschauen. Haltet einfach mal nach ihrem Debütalbum „Summoning Black Gods“ Ausschau, was ebenfalls wie die EP über FDA Records rauskam.
K: Der rotzige Death Metal mit Thrash-Einflüssen machte richtig Laune, so dass wir wieder näher an die Bühne ran rückten. So richtig nach Abgehen war uns dabei aber noch nicht zumute, und so beobachteten wir das Geschehen eher von der Seite. CHAPEL OF DISEASE lieferten auf jeden Fall eine gute Show ab und kamen nicht nur aggressiv, sondern auch abwechslungsreich rüber, was nach dem eher einförmigen Geholze von ERAZOR ganz angenehm war.

DIVISION SPEED waren dann wieder nicht wirklich unser Fall. Wie der Bandname schon vermuten lässt, wurde hier aggressiver Speed Metal gezockt, aber irgendwie war uns die Mucke zu stumpf. So hingen wir dann für den Großteil des Auftritts doch lieber unten in der Bar rum, um mal für etwas Abwechslung zu sorgen und zwischendurch ein paar Cuba Libre zu kippen.

Danach kamen dann endlich PENTACLE, und die waren für uns Pflichtprogramm. Die alten Death Metal Haudegen wollten wir uns nicht entgehen lassen, und so wanderten wir schon während des Soundchecks wieder Richtung Bühne und freuten uns darauf, uns ein ruppiges altes Todesbrett um die Ohren knallen zu lassen.
R: Mittlerweile gab es die ersten Verzögerungen, so dass erst nach 21 Uhr die Holländer die Bühne betraten. Wer die Jungs von PENTACLE kennt und sie schon mal live erlebt hat, weiß, dass er für sein Geld 100% Metal bekommt. Wannes und seine Mannen legten dann auch schnurstracks los und zogen scharenweise die Leute vor die Bühne, und die Meute fraß PENTACLE regelrecht aus der Hand. Der alte WOTUFA-Saal war mittlerweile schwer gefüllt, und geboten wurde richtig interessantes Live-Material aus nahezu jeder Epoche. Auch wenn Wannes dieses Mal nicht ganz so gesprächig war, wie man es von ihm kennt, zeigte sich dennoch, dass die Jungs mächtig viel Spaß hatten, und man bewies den Jungspunden, dass man auch nach 25jährigem Bestehen ordentlich was reißen kann und noch lange nicht zum verrosteten Eisen gehört. PENTACLE haben wir uns natürlich vom ersten bis zum letzten Song angeschaut, und die Zeit verging wie im Flug, und wenn uns unsere Erinnerung nicht zu sehr im Stich lässt, war leider für eine Zugabe keine Zeit mehr.

Jetzt war es langsam an der Zeit, endlich mal wieder etwas bissfeste Nahrung zu sich zu nehmen, und da ja der WOTUFA-Saal für seine Kultfettbemmen bekannt ist, hieß es, sich mal einige Bemmen in den Rachen zu schieben. Mit Fettbemme bewaffnet und einem ordentlichen Bier in der Hand ging es dann rein interessehalber zu den alten schwedischen Saufbolden GEHENNAH. Nachdem die ersten Alkoholiker-Thrashmetal-Songs nicht so richtig zündeten, torkelten wir wieder zur geliebten Bar. Irgendwie laberten wir uns fest und merkten, dass GEHENNAH einige technische Probleme hatten, so dass ca. 20 Minuten lang überhaupt keine Musik zu vernehmen war. Ein Blick auf die Uhr, es war halb zwölf, GEHENNAH wären jetzt eigentlich mit ihrem Set fertig gewesen, aber fairer Weise ließ man die schwedischen Trunkenbolde nach ihrer Zwangspause dennoch eine Weile weiterspielen. Eigentlich hatten wir uns ein wenig mehr von den Schweden erhofft. Außer dass der Sänger fett war, ist uns eigentlich nichts großartig in Erinnerung geblieben.

K: So langsam machte sich eine gewisse Müdigkeit breit und auch die Getränke, die wir über den Tag verteilt in uns reingekippt hatten, forderten ihren Tribut. Es stand allerdings noch eine letzte Band auf dem Programm, und da wollte ich zumindest mal reinhören: BLACKWHOLE aus NRW. Das Ausharren lohnte sich dann auch, denn die Band bot einen sehr eigenwilligen Mix aus Doom, Death und Black Metal dar, den man mal gehört haben sollte. Die Reihen hatten sich mittlerweile merklich gelichtet, so dass man ohne Probleme einen bequemen Platz direkt vor der Bühne ergattern konnte, um das Geschehen aus der Nähe zu verfolgen. Der düstere und vielleicht etwas sperrige Sound klang ziemlich interessant und cool, animierte aber nicht unbedingt zum Abgehen. Die Nackenmuskeln waren nach PENTACLE ohnehin schon ordentlich strapaziert, so dass ich mich hier lieber etwas zurückhielt. Die düstere und stellenweise schon fast psychedelisch angehauchte Mucke von BLACKWHOLE war auf jeden Fall genau richtig, um den ersten Konzerttag mal langsam ausklingen zu lassen. Danach machten wir uns auch ziemlich direkt auf den Rückweg und fielen in die Koje.

Raging Death Fest 2014 - Flyer

== Sonntag==

Am Sonntag hatten wir nach Katerfrühstück und Duschen noch genügend Zeit, bevor es mit dem Konzert weiterging. Also machten wir erst mal einen Rundgang durch Neustadt, um frische Luft zu schnappen und uns die Umgebung anzuschauen. Ein Abstecher auf den örtlichen Friedhof durfte dabei natürlich nicht fehlen, wo wir zwischen moosbewachsenen Mauern umherwanderten, die Atmosphäre von Ruhe und Zerfall auf uns wirken ließen und uns nebenbei über so manche Familiennamen auf den Grabsteinen wunderten. Hundhammer wäre ja eigentlich als Bandname prädestiniert (wenn schon nicht auf Deutsch dann wenigstens als Döghammer), und auch Familie Brühschwein punktete mit ihrem besonders originellen Namen…
Schließlich wurde es Mittag, und es war an der Zeit, sich wieder Richtung Festival zu begeben. Dort kümmerten wir uns erst mal um die Nahrungsaufnahme, um mit einer ordentlichen Grundlage im Bauch ins Geschehen zu starten. An der Futtertheke wurde eine angebliche Mexiko-Pfanne angeboten, die sich dann allerdings eher als eine Art Soljanka entpuppte. Egal, Hauptsache was Warmes im Bauch! Auch wenn wahrscheinlich jeder Mexikaner die Hände überm Kopf zusammenschlagen würde, war es eine leckere Stärkung, nach der sich gleich der Bierdurst wieder meldete.

Als erste Band standen die Norweger KROSSBURST auf dem Programm, und deren Sänger sah man schon beim Soundcheck an, dass er wohl am Vorabend mehr als ein bisschen zu tief ins Glas geschaut hatte. Der Mann sah extrem verkatert aus.
R: KROSSBURST zogen als erste Band am Tag so einige Leute an, und sie schafften es auch bis zum Ende, die Leute vor der Bühne zu halten. Man hat ja schon viele besoffene Bands live gesehen, aber was sich Sänger Dirty Mike hier gegeben hat, ist eigentlich schon wieder ein Wunder, dass der Typ es überhaupt fertig gebracht hat, live zu spielen. Ich habe selten so einen rotzevollen Sänger wie diesen Typen erleben dürfen. Nicht nur ich fand es sehr beeindruckend, dass er trotz seines desolaten Zustandes nicht einfach nur rumstand oder sich gar am Mikro festhielt, sondern der Typ ging tatsächlich noch richtig ordentlich ab. Zwischendurch hat er zweimal auf die Bühne gekotzt, was natürlich für einige Lacher sorgte, und sowohl das Aussehen und auch der Gesangsstil von KROSSBURST waren dem Tod näher als dem Leben.
K: Für einen Song wurde noch Carnivore von Cruel Force als Gastsänger auf die Bühne gerufen. Der wirkte allerdings erst mal nicht sonderlich motiviert. Aber vielleicht fürchtete er auch nur eine weitere Kotzattacke von Dirty Mike?
R: KROSSBURST ernteten einigen Applaus, und selbst wenn diese Rabauken noch nicht sonderlich viel Material vorzuweisen haben, sollte man diese Band auf jeden Fall im Hinterkopf behalten. Cooler Scheiß, was uns die Typen da boten. Sozusagen Vomit Thrash pur.

K: Nach einem Rundgang übers Gelände schauten wir dann doch mal zwischendurch bei der zweiten Band rein, auch wenn uns schon von vornherein klar war, dass VIGILANCE mit ihrem Heavy Metal nicht unbedingt unseren Geschmack treffen würden. Obwohl der Sound stilistisch nicht mein Ding war, entpuppten sich die Slowenen doch als gute Band, die echt was auf dem Kasten hat. Die Mucke war ziemlich ausgefeilt und punktete mit Melodien, die ins Ohr gehen. Zugleich kamen VIGILANCE aber nicht zu verweichlicht, sondern ziemlich energiegeladen rüber. Was allerdings echt anstrengend war, waren die hohen Schreie des Sängers, der sich wohl King Diamond als großes Vorbild genommen hat. Man muss dem Typen zwar lassen, dass er die hohen Töne tatsächlich gut traf, aber das ändert nichts daran, dass es ordentlich in den Ohren schepperte. Vor der Bühne war zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht allzu viel los, was mich irgendwie wunderte. Eigentlich schienen doch genügend Leute da zu sein, die auf Heavy Metal Sound abfahren. Aber wahrscheinlich waren VIGILANCE einfach nicht stumpf und versoffen genug…

R: Nach dem ollen Gejaule der Vorgängerband kam dann endlich mal was für meine Ohren, denn als nächstes standen WOUND auf dem Plan, und deren Death Metal war nun mal genau nach meinem Geschmack. War schon bei VIGILANCE recht wenig Publikum im Saal, wurde es jetzt leider noch leerer, was uns doch wunderte, denn am Sound von WOUND kann es definitiv nicht gelegen haben, denn der war einfach nur energiegeladener alte Schule Death Metal mit technischem Know-how, was mal richtig gut abging. Schade nur, dass man WOUND so eine beschissene Uhrzeit zugeteilt hat, denn wir finden, wenn die Jungs ein paar Stunden später gespielt hätten, wäre weitaus mehr los gewesen.
K: Vielleicht waren WOUND auch einfach zu nette Jungs, um beim Publikum anzukommen? Ihr Death Metal ließ nämlich jede Spur von Okkultismus vermissen, der ja hier auf dem Festival schon fast Pflicht zu sein schien. Auch die Bühnenshow war aufs Wesentliche reduziert, hier gab es weder Kerzen noch Knochen oder sonstigen finsteren Schnickschnack, sondern einfach eine brachial daherbretternde Death Metal Band. Kurz und gut, man konzentrierte sich auf die Musik und erdreistete sich auch noch, dem Publikum höflich „viel Spaß“ zu wünschen, haha.
R: WOUNDs Death Metal ist jetzt nicht gerade das, wonach man den Schädel kreisen lassen kann. Aber nach einer gewissen Aufwärmphase sind ein paar Leute dann doch richtig abgegangen. Wer auf richtig guten Death Metal steht und nichts dagegen hat, wenn eine Band mal nicht komplett besoffen auf der Bühne steht bzw. Alkohol nicht ihr kompletter Lebensinhalt ist, der sollte sich definitiv mal deren Scheibe „Inhale The Void“ zulegen und seiner Sammlung was Gutes tun. Uneingeschränkte Kaufempfehlung und danke noch mal an die Band für diesen sehr coolen Auftritt. Ich hoffe, ich werde die Band selber noch ein paar Mal live sehen können.

Gut gelaunt ging es nun zum Fressstand, denn wenn man schon mal im Grillland Thüringen ist und zudem auch noch draußen auf dem alten Werksgelände frisch gegrillt wird, war es Pflicht, sich hier eine Bratwurst reinzupfeifen. Zwischendurch noch ein bisschen rumgestumpft, und ab ging es dann mit den Jungspunden von ABYSSOUS, deren Demo „Smouldering“ bei uns in den letzten Monaten schon oft gelaufen ist. Denn diese alte Death Metal Keule mit angeschwärzten Einflüssen hinterließ wirklich sehr gute Eindrücke. Obwohl ich anfangs ein wenig brauchte, um mich auf die Band einzulassen, muss ich doch fairer Weise sagen, dass sie ein ziemlich geiles Material anboten, und dem, was sie auf Kassette an Killerstoff runterzocken, auch live nicht nachstanden.
K: Ich fand ABYSSOUS auch ziemlich cool, obwohl ich denke, dass die okkulte Grabesatmosphäre der Songs sicher noch besser rübergekommen wäre, wenn sie etwas später gespielt hätten. Aber irgendwer muss halt uhrzeitmäßig die Arschkarte ziehen… Wenn man sich nur die Mucke anhört, könnte man wirklich denken, dass hier ein paar alte Säcke am Werk sind, so schön old schoolig und vermodert klingt der Death Metal. Umso erfreulicher zu sehen, dass junge Hüpfer wie ABYSSOUS die Tradition am Leben erhalten und dabei nicht nur stumpfsinnig die alten Helden kopieren.

R: Nachdem ich schon eine ganze Weile am Undercover Records Stand herum lümmelte und mich durch den Wust an Platten arbeitete, meinte El Cheffe Alex: „Hey Rayk, kennst du NOCTURNAL WITCH, die musst du dir unbedingt anschauen“. NOCTURNAL WITCH haben ihr Album über Undercover veröffentlicht, von daher war es logisch, dass Alex hier Werbung machte. Nun ja, was soll ich sagen, obwohl die Kollegen zwar nicht das spielten, was ich bevorzugt höre, fand ich deren Sound aus Thrash/Death ziemlich gut, die Band war sehr gut aufeinander abgestimmt, die Halle war brechend voll, und die Leute gingen ordentlich ab, was wiederum auf die Band übersprang, denn man merkte, hier haben Leute Bock, live zu zocken und einem eine geballte Metallfaust um die Ohren zu hämmern. Man kann sagen, Alex hat nicht zu viel versprochen.

Mit WITCHING HOUR kam eine weitere Undercover-Band zum Zuge, die ich abwechslungshalber mal kannte, denn ich hatte die Jungs schon mal aufm Heavy Metal Forces Festival in unserer Gegend gesehen, und das war alles andere als halbgar, obwohl man zugeben muss, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch etwas rumpeliger, einfacher gestrickt waren und auch live nicht sooo viel abging. Ein paar Jahre später sah das nun weitaus besser aus. Den Leuten gefiel es, nur dieses Mal konnten mich die Songs nicht so recht vor der Bühne halten, so dass ich ab der Hälfte der Songs erstmal das Weite suchte und was zu trinken brauchte.
K: Ich hatte mich eigentlich auf WITCHING HOUR gefreut, denn ihre Scheibe „Past Midnight“ finde ich ziemlich cool. Live konnte mich die Band dieses Mal allerdings nicht so richtig vom Hocker reißen. Die Songs kamen zwar ein Stück ruppiger rüber als auf CD, dafür aber auch irgendwie unpräziser und weniger mitreißend. Auf der Bühne war zwar weitaus mehr Bewegung als damals bei ihrem etwas steifen Auftritt auf dem Heavy Metal Forces, aber das ging leider ein bisschen zu Lasten der musikalischen Qualität. Schade, hier hatte ich mir deutlich mehr versprochen.

Da es uns beide nicht allzu lange vor der Bühne hielt, fanden wir uns bald wieder beim Ketzer Stand zusammen. Dort wurde Ketzer-Alex langsam unruhig, weil er zumindest einen Teil seines Stands so langsam mal abbauen und ins Auto schaffen wollte, um später weniger Stress zu haben. Da uns die nächste Band REZET nicht so brennend interessierte, willigten wir gern ein, ihm dabei ein bisschen unter die Arme zu greifen. Für mich war es eine willkommene Gelegenheit, mich einfach mal faul hinter den Verkaufsstand zu setzen und aufzupassen, dass die CDs keine Füße bekommen. Rayk und Alex machten derweil die schwere Männerarbeit und schleppten Shirts und CD-Kisten zum Auto. Nebenbei bekam ich auch ein bisschen was von REZET mit, die gar nicht mal schlecht klangen. Der geradlinige, aggressive Thrash war zwar nicht unbedingt weltbewegend, aber immerhin eine gediegene Hintergrundbeschallung, die ganz gut reinlief.

R: Nach getaner Arbeit war es Zeit, unsere prall gefüllten Einkaufstüten auf unser Zimmer zu bringen. Dazu bot sich hervorragend die nächste Band an. Denn nun waren IRON KOBRA an der Reihe, die uns mal sowas von überhaupt nicht interessierten, so dass wir stattdessen lieber etwas länger im Hotel rumtingelten als zuerst geplant. Mit freudiger Miene Richtung Festivalgelände gelaufen in der Hoffnung, dass IRON KOBRA fertig gejault haben, aber Scheiße war‘s. Die Typen haben immer noch gespielt, so dass wir uns schnurstracks Richtung Bar aufmachten, um endlich wieder mal einen Cocktail zu saufen. Aber irgendwie merkten wir, dass auch die Cocktails die Mucke von IRON KOBRA nicht besser machten. Denn das, was an unser Ohr herandrang, klang einfach ein Stück weit zu angeschwult, gerade was den Gesang angeht.
K: Die Leute schienen’s allerdings cool zu finden, denn vor der Bühne war ordentlich was los. Der für meinen Geschmack einfach zu einfallslose Heavy Metal wurde gut abgefeiert, und auch das Formel Eins Cover sorgte für Begeisterung im Publikum. Vielleicht war ich auch einfach nur zu nüchtern für die Mucke? Es wurde höchste Eisenbahn, Alkohol nachzutanken. Aber komischerweise wollte der Cuba Libre nicht mehr so richtig wirken, und ich hatte auch den Eindruck, dass die Mischung mittlerweile ein ganzes Stück zahmer war als noch am Anfang.

Irgendwann waren IRON KOBRA dann endlich fertig und wir hofften, dass die nächste Band DEATHHAMMER etwas mehr Schwung reinbringen würde. So langsam steckte uns nämlich die Müdigkeit in den Knochen, und wir brauchten dringend was zum Aufwecken. Nachdem die Umbaupause überstanden war, schauten wir also mal bei DEATHHAMMER rein, aber so richtig schafften es die Norweger nicht, uns aus unserer Lethargie zu reißen. Der Thrash Metal, der hier dargeboten wurde, war zwar nicht übel, aber einfach nicht unser Geschmack. Und die hohen Schreie des Sängers gingen zumindest Rayk schon wieder richtig auf die Nerven. Bei mir wurden langsam auch die Beine schwer, so dass ich froh war, als ich einen Sitzplatz ergattern konnte, von dem ich das Geschehen entspannt beobachten konnte.

R: Als letzte Band standen dann VIDARGÄNGR auf dem Plan, auf die wir eher durch Zufall aufmerksam geworden sind, als wir vor ein paar Monaten bei Ralf von Kink Records bestellten. Vorab sei gesagt, VIDARGÄNGR sind eine raubeinige, schnelle (extrem schnelle!!) Black Metal Band mit einer dreckigen Punk-Attitüde. All diejenigen, die mittlerweile nicht mehr im Saal waren und VIDARGÄNGR somit verpassten, haben sich unserer Meinung das Highlight entgehen lassen. Während der Soundcheck etwas länger dauerte, hatte man genügend Zeit, sich noch etwas mit Trinkerei einzudecken und sich einen guten Platz vor der Bühne zu sichern.
K: Ich war auf VIDARGÄNGR sehr gespannt, denn ihre selbstbetitelte Debütscheibe ist ein echtes Hammerteil, das vor negativer Energie nur so strotzt. Auch wenn es teils eine echte Herausforderung war, die letzten paar Schnarchnasen-Bands zu überstehen, war dieser letzte Programmpunkt ein Anreiz, bis zum Ende auszuharren, und unsere Geduld sollte auf jeden Fall belohnt werden.
R: In der Regel ist es ja so, dass die Band, die als letztes spielt, oft die Arschkarte hat, da die Leute entweder zu voll sind, müde, oder keinen Bock mehr haben. Ich war ja selbst neugierig, wie VIDARGÄNGR ihre extrem schnellen Songs live darbieten wollen und war überhaupt auf das Bühnenbild gespannt. Als dann der Vorhang aufging, einem dicke Nebelschwaden entgegenzogen, das garniert mit reichlich viel Kerzen, was dem Ganzen einen okkulten Anstrich gab, ging es dann gleich von NULL auf 150 los. Im ersten Moment dachte ich, ich bin auf einem Grindcore-Konzert.
K: Sobald VIDARGÄNGR loslegten, war jegliche Müdigkeit vergessen. Was hier untermalt mit Nebel und kaltem blauen Licht auf der Bühne abging, musste einen zwangsläufig wachrütteln. Die Songs kamen derartig schnell, aggressiv und wütend rüber, dass wir augenblicklich wieder hellwach waren. Der Sound war, wie eigentlich schon die ganze Zeit, richtig gut, so dass hier nicht undifferenziertes Geschredder herrschte, sondern man bekam richtig schön brachial und präzise eins vor den Schädel gezimmert. Auch die zweite Gitarre, die hier mittlerweile mit von der Partie ist, verlieh den Songs noch mal zusätzliche Wucht und Abwechslung. Es war also an der Zeit, noch mal die letzten Kraftreserven zu mobilisieren, richtig abzugehen und die Haare in Höchstgeschwindigkeit kreisen zu lassen!
R: Das Geschehen auf der Bühne zog doch noch mal einige Leute in den Saal, und ich denke, dass VIDARGÄNGR aufgrund ihrer extremen Songs für viele auf Dauer um diese Uhrzeit einfach zu viel waren. Was ebenfalls sehr interessant war, war die Tatsache, dass einige Leute teilweise minutenlang mit runtergeknallter Kinnlade dastanden, weil sie einfach nicht begreifen konnten, was gerade auf der Bühne geschieht. Sänger P. brachte die Songs mit seinem sehr lautstarken, aggressiven Geschrei sehr boshaft rüber und er wurde regelrecht angetrieben durch dieses extrem wahnsinnige Schlagzeugspiel von T. Ich bin immer noch dermaßen überrascht und von den Socken, wie ein Mensch so lange am Stück so dermaßen präzise, aber auch so abwechslungsreich Schlagzeug spielen kann, ohne dabei einen Herzinfarkt zu bekommen. Was mir allerdings nicht ganz so gut rein lief, war dann, dass zwischendurch noch zwei Gastsänger P ablösten, und obwohl sie ihr Ding eigentlich gut darboten, konnten sie nicht mit P. mithalten. Schade, das war etwas lasch. Aber dies schmälerte dennoch keineswegs die Livedarbietung von VIDARGÄNGR. Wer auf bestialischen Underground der extremen Marke abgeht, sollte sich definitiv VIDARGÄNGRs LP zulegen. Für uns war es definitiv eine Bereicherung, VIDARGÄNGR kennenzulernen und live zu sehen, und die Leipziger hatten somit ein sehr interessantes Festival gebührend abgeschlossen. (Ein Tipp am Rande für Fanzine-Leser: Im neuen Hammerheart Fanzine – Ausgabe 8 erscheint in den nächsten Tagen! – ist ein Interview mit den Leipzigern drin.)

Fazit: Wieder ein gelungenes Festival, wo wir sicher auch nächstes Jahr wieder mit von der Partie sein werden. Vielen Dank an die Veranstalter.

http://ragingdeathdate.de/
https://www.facebook.com/ragingdeathdate
(Rayk u. Katja)