Décembre Noir – A Discouraged Believer

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Decembre Noir - A Discouraged BelieverRetro-Bewegung hin oder her. Manche Genre scheinen ausgestorben. Oder zumindest fast. Denn gelegentlich gibt es ein Aufbegehren einzelner Bands. Dann bekommen auch die unvergessenen Frühwerke von Katatonia, Paradise Lost oder My Dying Bride wieder eine kleine Rennaissance. Für diese seltenen Momente der hauchdünnen Schnittmenge zwischen Doom, Death und der frühen, guten Interpretation des Gothic Metals, für tonnenschwere Riffs und harte Doublebass vermengt mit tottrauriger Melancholie, da hat Rico von FDA Rekotz schon einmal ein geschicktes Händchen gehabt. Vor nicht zu langer Zeit haben Graveyard Of Souls eine schöne Reminiszenz an düstere Herbsttage in den mittleren 90ern aufleben lassen. Nun kommen ganz unverhofft DÉCEMBRE NOIR aus Erfurt und legen mit ihrem Debütalbum „A Discourraged Believer“ nochmal einen oben drauf.

Bisher gänzlich unbekannt – was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass dies wirklich der erste Tonträger der Band ist (wenn man den gängigen Quellen in diesem ominösen Internet glauben darf -, präsentiert das 2008 gegründete Quintett hier einen sehr guten Einstand. Sieben Lieder mit einer Spieldauer von knapp 50 Minuten. Das erlaubt den meisten Liedern ordentlich Zeit um sich zu entwickeln und die richtige Stimmung zu transportieren. Doch es birgt auch die Gefahr der Langatmigkeit, der der überlange Track „Stowaway“ auch direkt zum Opfer fällt. Sicherlich ein solider Song, aber über die fast 10 Minuten zieht sich die Nummer doch etwas zu sehr.

Da gibt es andere Momente, die DÉCEMBRE NOIR von wesentlich besserer Seite zeigen. Beispielsweise der Titelttrack beginnt noch recht unspektakulär mit austauschbaren Stakkatos. Doch spätestens nach dem Break mit der Klimpergitarre, den Streichern und den Spoken Words, nimmt der Song eine richtig gute Wendung und erinnert mich persönlich sehr an die grandiose „Gothic„.

Nachdem „Throns“ mit starkem Katatonia-Einschlag startet, gibt es immer wieder überraschende Wendungen in dem Song. Nicht zuletzt in den Blastbeats, die im Kontext noch brutaler wirken, als bei den meisten Bands, die schlicht das komplette Album durchballern. „Resurrection“ hat schön bedrohliche Melodiebögen, richtig finster. „Escape To The Sun“ experimentiert mit wunderschönem, mehrstimmigen Gesang, männlich, weiblich, ein bisschen an die Portal-Demos der Prä-Cynic-Zeit erinnernd, aber aus dem Prog in Doom/Death transponiert. Formidabel!

Das Aushängeschild von „A Discouraged Believer“ ist aber „The Forsaken Earth„. Das Teil hat schlicht eine sehr coole Melodie, griffig von der ersten Sekunde an! Melancholisch, düster, melodisch, polyphon. Schwer, schleppend, aber dennoch absolut catchy. Einfach ein hammer Song!

Wie bei FDA Rekotz mittlerweile usus, gibt es eine limitierte LP von der Scheibe. 300 Einheiten auf orangem Vinyl. Komische Farbe für so finstere Musik. Aber das Borderline-Artwork wird auch der Grundstimmung nicht ganz gerecht. Da gefällt mir das Innenteil vom Booklet wesentlich besser. Jede Seite ein kleines Kunstwerk mit der Kernaussage eines Songs. Dazu gibt es dann auch die kompletten Texte in der Mitte. Aber in so minimaler Schriftgröße, dass mir die Lust zum Lesen beim ersten Anblick vergangen ist.

Fans von „Gothic“ (dem Album von Paradise Lost), frühen Katatonia/My Dying Bride, Nailed To Obscurity oder Graveyard Of Souls sollten DÉCEMBRE NOIR definitiv anhören. Das schöne an „A Discouraged Believer„: Es ist ein gutes Album, das wächst. Und das sage ich, obwohl ich mit dem melancholisch-melodischem Doom/Death/Gothic Mikro-Genre – bis auf wenige Ausnahmen – wenig anfangen kann.

Infos:
FDA Rekotz – 09. Mai 2014
CD / LP – 7 Lieder / 48:19 Min.
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