Blockheads – 24 Jahre Grindcore aus Frankreich

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Frankreich holt in den letzten Jahren mit neuen Killer-Bands wie z.B. Chiens, Doomsisters, Whoresnation oder auch SATAN im Grindcore-Bereich enorm auf. Aber auch alte Recken wie eben BLOCKHEADS, die es nun schon seit über 20 Jahren gibt, können mit der jüngeren Generation locker mithalten, ja sogar noch einen oben drauf setzen, denn deren aktuelles Album hinterließ nicht nur eine heruntergeklappte Kinnlade, auch meine Boxen qualmten wie bekloppt aufgrund dieser unglaublichen Intensivität, die hier über einen hereinbricht. Die Jungs aus Nancy gehören zu der Generation, die die Anfänge des Grindcores selbst miterlebt hat, so dass es auch in diesem Bereich ein paar Dinge gab, die mich brennend interessierten. Lange genug geschwafelt, los geht’s und viel Spazz damit.


Hallo Eric, Gratulation zu eurem extrem intensiven Geschoss „The World is Dead“. Ich bin wirklich beeindruckt von dem Teil. Ich hoffe, euer Bier ist gut gekühlt und ihr seid bereit für ein paar Fragen.

Hallo Rayk, danke für deine freundlichen Worte über „The World is Dead“, wir haben unser Bestes gegeben. Es ist noch zu früh für Bier, aber keine Sorge, der Kaffee steht bereit, und ich habe gerade die neue Coke Bust 12″ auf dem Plattenteller… also, ich bin bereit… zum Kampf!

Was mir als altem Grindcore Fan sofort aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass der Sound von „The World is Dead“ wieder mehr in die Grindcore Richtung geht als es beim letzten Album der Fall war. Das begrüße ich sehr, obwohl ich generell kein Problem mit einem, sagen wir mal, eher Metal-orientierten Sound bei Grindbands habe. Ich denke, es war eine verdammt gute Idee, mit Jérôme von Mumakil aufzunehmen. Kam es einfach deswegen zu diesem Wechsel, weil ihr euch schon jahrelang kennt, oder war es vielleicht so, dass ihr mit eurem neuen Album bewusst zu den alten Grindcore-Wurzeln zurück wolltet?

Es war eine natürliche Entscheidung, für dieses Album mit Jérôme zusammenzuarbeiten. Wir kennen uns schon lange, seit der Nostromo Zeit, und wir wussten schon, dass das gemeinsame Arbeitsverhältnis klasse sein würde. Wir hatten vor ein paar Jahren die Stücke für die Split mit Mumakil in seinem Studio in Genf aufgenommen. Später waren wir noch mal dort, um zwei Coversongs für die Nasum- und Repulsion-Tributalben aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir alle, dass die Wahl für den Posten hinterm Pult bei „The World is Dead“ selbstverständlich auf ihn fallen würde. Er hat es geschafft, während der Aufnahmesessions das Beste aus jedem von uns herauszuholen, es war die reinste Freude, in dieser entspannten, aber auch konzentrierten/fleißigen Atmosphäre zu arbeiten.
Was den Sound angeht, wollten wir uns bei diesem Album mehr am Grindcore orientieren, wir haben das gemeinsam diskutiert, und als wir nach Genf kamen, hat er definitiv das gefunden, was wir haben wollten. Es war einfach großartig!

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Seit eurem letzten Album „Shapes of Misery“ sind sieben lange Jahre vergangen, und es freut mich zu hören, dass Blockheads immer noch mit der gleichen Energie wie zuvor agieren und dass mit Blockheads immer noch zu rechnen ist. Was habt ihr in der Zwischenzeit seit der Split-EP mit Mumakil getrieben? Habt ihr euch eine Auszeit genommen oder seid ihr durch die ganze Welt gereist und habt Konzerte gespielt?

Leider haben wir nicht die ganze Welt bereist, um Konzerte zu geben. Da Blockheads für uns keine Vollzeit-Beschäftigung ist, haben wir immer unser Bestes getan, um das Bandleben mit unserem eigenen Leben und mit unseren Familien und Jobs in Einklang zu bringen, und so werden wir es auch in Zukunft machen. Was ist also seit 2006 passiert? Nun, nach der Veröffentlichung von „Shapes of Misery“ haben wir sehr viele Konzerte gegeben. Die Band musste drei Besetzungswechsel durchmachen, wobei es immer ein paar Monate dauert, den neuen Mitgliedern die neuen Lieder beizubringen. Wie du schon gesagt hast, haben wir eine Split 7″ mit Mumakil veröffentlicht. Dann haben es uns gewisse Umstände ermöglicht, auf zwei Konzerten eine DVD aufzunehmen. Wir haben fast eineinhalb Jahre damit verbracht, dieses Projekt zu verwirklichen, wir haben das ganz allein in Zusammenarbeit mit TDK gemacht. Wir geben große Acht darauf, was wir machen und veröffentlichen… und wir investieren viel Zeit, um dann mit dem Endergebnis hundertprozentig zufrieden zu sein. Wir hatten das Gefühl – „das wird wahrscheinlich unsere einzige DVD sein, also muss sie perfekt werden“. Während beinahe der gesamten Zeitspanne haben wir auch immer wieder live gespielt, und die letzten zwei Jahre haben wir uns dann dem neuen Album gewidmet – mit Proben, Aufnahmen, Mix, Master und der Veröffentlichung.

Zwei Songs, die schon auf der Mumakil-Split veröffentlicht waren, wurden jetzt auch für das aktuelle Album benutzt. Warum? Waren diese Songs sozusagen die Vorboten für das neue Album? Das würde heißen, dass einige Songs auf „The World is Dead“ schon ziemlich alt sind.

Ja, „Famine“ und „Buenos Aeres SC“ waren schon auf der Split 7″ mit Mumakil. Wir haben hauptsächlich wegen der Besetzungswechsel seit der Split-Sessions beschlossen, sie zu „The World is Dead“ hinzuzufügen.
Einige Lieder sind schon ziemlich alt, da hast du Recht. Der Songwriting-Prozess ist bei uns fortlaufend, von daher sind einige Stücke jetzt schon fünf bis sechs Jahre alt. Bei uns läuft der Prozess eher so ab, dass wir neue Songs schreiben, bis wir genug haben, um eine Scheibe zu veröffentlichen, es ist also nicht der „klassische“ Schreiben/Aufnehmen/Touren-Ablauf, so wie es früher die größeren Bands gemacht haben.
Jetzt haben wir also schon ein paar neue Stücke für die nächste Scheibe, die uns dann alt vorkommen werden, wenn sie veröffentlicht werden.

Ist es nicht verrückt und cool zugleich, dass dieser Lärm namens Grindcore, der vor über 30 Jahren seine Anfänge fand, immer noch genauso gehört wird wie in der damaligen Zeit? Manchmal bin ich schon fast schockiert, dass Grindcore so beliebt ist! Wenn du weißt, was ich meine… Was ist, deiner Meinung nach, der Grund dafür?

Es ist der gleiche Grund, warum wir persönlich immer noch diese Musik spielen: Leidenschaft. Leidenschaft treibt alles an. Leidenschaftliche Leute spielen in Bands, andere veranstalten Konzerte, andere veröffentlichen Platten, andere machen Zines… Und das führt dazu, dass der Grindcore-Stil weiterhin auf der Karte verzeichnet bleibt.

Blockheads - This World Is DeadBesonders bei Grindcore lege ich großen Wert auf den Zusammenhang zwischen Texten, Albumcover und dem entsprechenden Albumtitel. Meiner Meinung nach passt das Cover perfekt zu eurem aktuellen Album. Wenn ich richtig recherchiert habe, zeigt das Bild einen Schauplatz in Nord Peru nach einem Erdbeben. War dieses Bild eure erste Wahl, mit der alle gleich einverstanden waren, oder gab es ein paar Alternativideen, die euch die Entscheidung schwer gemacht haben?

Wie schon erwähnt, geben wir wirklich auf jedes Detail Acht, also ist uns auch die visuelle Gestaltung sehr wichtig. Außerdem sind wir ein Haufen alter Kerle, die denken, dass eine Platte nicht nur Musik ist, sondern ein komplettes Projekt mit Artwork, Texten und Musik. Wir sind sehr sorgfältig, was den visuellen Aspekt angeht, und wir haben immer versucht, nach einem Artwork zu suchen, das einen wichtigen visuellen Eindruck hinterlässt und das man auf verschiedenen Ebenen betrachten und verstehen kann. Bei „The World is Dead“ hat die Suche sehr lang gedauert. Wir haben Tonnen von verschiedenen Ideen/Covers ausprobiert, und eines Tages hat Xav dieses Bild gesehen, dann rief er uns an und meinte „wir haben das Cover“. Dieses Bild hat uns allen gefallen, und wir haben es nur soweit bearbeitet, um es an das CD- und Plattenformat anzupassen. Es ist ein echtes Bild, keine Photoshop-Montage, und das war es, was uns gefallen hat.

Kommen wir zu einem sehr wichtigen Thema, nämlich Sound und Produktion: Lasst mich euch zuerst mal auf die Schulter klopfen für diesen wahrlich mörderischen und kraftvollen Sound. Ich bin sehr beeindruckt, wie viel Power die Lieder besitzen, aber zum Glück klingen sie weder steril noch überproduziert, eben weil der Sound immer noch genug Underground-Feeling hat. Das ist etwas, was heutzutage vielen Bands fehlt. Klar, in der Aufnahmetechnik gab es in den letzten Jahren enorme Veränderungen, aber wie viel Technik lasst ihr bei Blockheads überhaupt zu? Was macht deiner Meinung nach den typischen Old School Grindcore Sound aus?

Danke, es war eines unserer Ziele, auf dieser Platte einen kraftvollen Sound zu haben mit einer perfekten Balance zwischen Old School Grindcore Sound und klarem Klang. Was Technik angeht, die benutzen wir nur dann, wenn es drauf ankommt. Wir haben Lied für Lied aufgenommen, ein Instrument nach dem anderen, und wir haben die Möglichkeit genutzt, einen kurzen Part neu aufzunehmen, wenn beim ersten Versuch etwas falsch war. Der Sound muss „lebendig“ bleiben, Überproduktion tötet diesen Aspekt des Sounds.

Der letzte Song „Trail of Dead“ ist der langsamste auf der Platte. Man könnte ihn fast als Grind-Doom bezeichnen, haha. Der kurze Text und der langsame, kriechende Sound haben etwas Apokalyptisches. Was war gerade in der Welt los, als dieser Song komponiert wurde?

Der Song spiegelt einfach nur unseren Musikgeschmack wider. Wir mögen alle Doom, Stoner und Sludge. Es hat sich aus dem Hauptriff entwickelt, das haben wir geübt, wenn wir die Grind-Maschine beim Proben warm laufen ließen. Es hat uns gefallen und wir haben weiter daran gearbeitet, erfüllt vom Geist von EyeHateGod und Electric Wizard, und es wurde ein richtiges Doom-Stück. Wir haben eine Zeit lang unsere Shows mit diesem Stück eröffnet.

Um beim erwähnten Song zu bleiben – ich denke, dieses Lied ist wirklich sehr wirkungsvoll, und es passt auch gut aufs Album, obwohl ich normalerweise nicht wirklich auf langsame Grind-Songs stehe. Wer hatte die Idee, „Trail of Dead“ in einem anderen Licht erscheinen zu lassen als die restlichen Lieder?

Als wir über die neue Platte sprachen, haben wir gedacht, das könnte ein gutes „Outro“ sein nach diesen ganzen Grindstücken. Wie ein guter Soundtrack zum Ende der Welt, hehe. Langsam und verzweifelt!

Ihr seid schon seit ein paar Jahren in regem Kontakt mit den Schweizern Mumakil. Es hat mich gefreut, dass Thomas euch für drei Songs seine Stimme geliehen hat. Aber war das irgendwann auch schon mal umgekehrt der Fall?

Bei den Aufnahmen war Thomas nur für diesen Beitrag mit von der Partie. Aber wenn wir in Genf oder der Umgebung spielen, ist er jedes Mal da. Es ist immer eine Freude, ihn zu sehen!

Ihr seid seit Jahren im Underground verwurzelt und seid immer dem guten alten Grindcore treu geblieben. Zeigt sich eure Denkweise auch im Privatleben? Oder spiegeln sich diese Ideen nur in eurer Musik wider?

Es ist klar, dass wir nie das Ziel verfolgt haben, von unserer Musik zu leben, und wir hatten immer eine DIY-Einstellung. So lief das schon von Anfang an. Wir bringen uns alle auf unsere Weise in die Band mit ein, jeder mit seinen eigenen Fähigkeiten. Diese Herangehensweise steht eher der Punk/Crust Szene nahe. Unsere Texte reflektieren unsere Gedanken und unsere Meinung, ohne dass wir im Alltagsleben militante Leute wären.

Xav, wenn mich nicht alles täuscht, bist du derjenige, der am längsten in der Band ist, oder? Ich hoffe und wünsche doch, dass diese Besetzung stabil bleiben wird, denn ich habe das Gefühl, dass ihr gerade in dieser Besetzung alle an einem Strang zieht. Seid ihr alle komplett unterschiedliche Leute, die einander nur auf der Bühne kennen?

Xav war von Anfang an dabei, er ist der Bewahrer des Blockheads-Geists, hehe. Im Ernst, es ist fantastisch, die derzeitige Situation ist tatsächlich so wie du es beschreibst, wir ziehen alle an einem Strang. Und wir haben jede Menge Spaß. Blockheads war von Anfang an eine Freundschafts-Geschichte. Wir treffen uns nicht so oft, wie wir eigentlich wollten, weil wir alle in verschiedenen Städten wohnen, aber die „Grind-Hotline“ ist sehr aktiv. Wir sind Freunde, die eine gemeinsame Leidenschaft für diese Musik haben, und was gibt es besseres, als mit deinen Freunden in einen Bus zu steigen und zu reisen, Konzerte zu spielen und noch ein paar alte/neue Freunde zu treffen?

Wenn eine Band aus einem nicht-englischsprachigen Land kommt, finde ich es immer interessant, wenn die Band wenigstens einen Titel in ihrer eigenen Muttersprache schreibt. Ich bin mir sicher, dass in Frankreich auch nicht alles super läuft, und so könntet ihr explizit Stellung beziehen. Oder haltet ihr von dieser Idee nicht so viel?

Die Sache ist, dass Englisch eine Weltsprache ist, und somit ist es einfacher, unsere Ideen für eine größere Menge Leute verständlich zu machen.

BLOCKHEADS - with Napalm Death

Wer euch kennt, der weiß, dass ihr seit Jahren große Napalm Death Fans seid. Letztes Jahr habt ihr zusammen mit diesen Grindcore-Veteranen auf dem Motocultor Festival in Frankreich gespielt. Wie fühlt es sich an, mit so einer Legende zu spielen? War es vielleicht sogar eure Idee, Napalm Death für dieses Festival zu buchen? Ist Motocultor eine reine Grind- und Crustcore-Veranstaltung, oder ist es auch für Metaller interessant?

Wir alle mochten Napalm Death, besonders die Ära von 1987 bis 1992. Sie haben in dieser Zeit ein paar Platten gemacht, die den Stil begründet haben, und die uns auch heute noch den Kopf wegblasen, wenn wir sie anhören. Wir haben sie ein paarmal getroffen, wenn wir gemeinsam aufgetreten sind, das ist so etwas wie ein Teenager-Traum, hehe!
Das Motocultor Festival war perfekt und höllisch heiß. Wir haben am Nachmittag gespielt, unter sengender Sonne bei 30 bis 35 Grad… Es war trotzdem der Hammer, mit dem ganzen Schweiß, den der Grindcore so braucht, haha. Das Festival ist eher Metal-orientiert, fast alle Stile sind vertreten. Das verantwortliche Team ist sehr professionell, der Veranstaltungsort ist gut, es ist eines der neueren Festivals hier, das von Mal zu Mal wächst, ähnlich wie das Sylak Open Air Festival in der Nähe von Lyon.

Obwohl ich mit einigen Sachen, die Relapse so macht, nicht ganz glücklich bin, finde ich es trotzdem super, dass ihr schon eure zweite Veröffentlichung über dieses Label rausbringt. Wie zufrieden seid ihr bisher mit ihrer Werbung? Ich frage das, weil Relapse in Europa nicht so viel Werbung machen und sich mehr auf die USA konzentrieren.

Bisher sind wir sehr zufrieden mit unserer Zusammenarbeit mit Relapse. Was die Werbung angeht, hatten wir nicht den Eindruck, dass sie sich, wie du sagst, mehr auf die USA konzentrieren. In unserem Fall haben wir mehr Interviews aus Europa als aus den USA beantwortet. Das könnte aber auch daran liegen, dass wir dort ziemlich unbekannt sind. Und für die Band war diese Veröffentlichung klasse, denn durch Interviews oder Reviews haben uns einige Leute entdeckt und haben uns gesagt, dass sie sich auch unsere älteren Veröffentlichungen zulegen werden.

Ihr kommt aus der Umgebung von Nancy. Wie offen ist Frankreich für Grindcore-, Crust- und Hardcore-Bands? Wie sind die Möglichkeiten, live zu spielen?

Die Szene in Frankreich ist ziemlich gut. Es gibt gute Labels, gute Distros und jede Menge Möglichkeiten zu spielen, aber mit der Zeit gibt es viele Veränderungen, was die Veranstaltungsorte angeht. Ich meine, wir haben nicht viele Veranstaltungsorte, die sich schon seit 20 Jahren halten, wie es vielleicht in Deutschland sein mag. Es ist eher so, dass in einer Stadt ein neuer Laden aufmacht, die Leute veranstalten dort Konzerte, die Sache hält sich ein, zwei, drei Jahre, und dann ist Schluss. Und dann geht es woanders wieder los. Das Hauptproblem beim Touren in Frankreich sind die verrückten Autobahngebühren.

Was ist es, das euch seit all den Jahren antreibt, Grindcore zu spielen (mal abgesehen von der Einstellung)? Ist es all der Müll und all die Lügen, von denen wir tagtäglich geradezu überflutet werden, aber auch die Seuche Menschheit, die sich trotz Technik und Fortschritt immer weiter selbst in die Scheiße reitet und zugrunde richtet?

In erster Linie spielen wir weiter Grind, weil wir alle diese Musik lieben. Es ist immer eine Freude, deine Freunde zu treffen und zu proben, in einen Bus zu steigen und Konzerte zu geben. Und das Alltagsleben liefert die perfekte Inspiration für unsere Texte…

In den letzten Jahren ist der Grindcore leider nicht davon verschont geblieben, in den verschiedensten Varianten gespielt zu werden, was manchmal schon fast eine Art von Folter ist. Besonders, was all die geistig retardierten Porn Grind Bands angeht, was meiner Meinung nach das Widerlichste ist, womit man den Grindcore verseuchen konnte. Dieser moderne Scheiß kotzt sicherlich nicht nur mich an, oder? Sollte man da nicht in einem Song Stellung beziehen?

Ich stimme dir absolut zu, aber es ist eben Geschmackssache. Ursprünglich kam der Grindcore für uns aus dem Punk, und es ist nicht nur ein Musikstil, sondern auch eine Art und Weise, gesellschaftliche/politische/etc. Probleme anzuprangern. Es ist eine geistige Haltung. Und mal ehrlich, es gibt hunderte tolle Bands da draußen, also warum sollten wir unsere Zeit damit verschwenden, Sachen anzuhören, die wir hassen?

Ich persönlich halte absolut nichts von Facebook! Klar, für Bands ist es natürlich eine gute Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen, aber andererseits seid ihr auch schon auf einigen anderen Seiten vertreten. Wenn du mich fragst, geht durch solche Sachen die Underground-Einstellung verloren. Besonders bei einer Grindcore-Band. Was ist deine Meinung? Oder ist das vielleicht ein gewisses Muss für Relapse, um sicher zu gehen, dass man Leute auf der ganzen Welt erreicht? Muss man heutzutage wirklich bei allem mitmachen, nur um mit der Zeit zu gehen und auch den faulsten Hörer für sich gewinnen zu können?

Facebook ist nicht mehr und nicht weniger als ein Kommunikationsmittel. Seine Bedeutung hängt davon ab, wie du es benutzt. Für Blockheads sehen wir es als eine Plattform, auf der wir Neuigkeiten, Konzertdaten und allgemeine Informationen über die Band veröffentlichen können. Unser Ziel ist, einen Anlaufpunkt zu haben, wo die Leute einfach aktuelle Informationen finden können, ohne dass sie selbst registriert sein müssen.
Ich denke nicht, dass das der Underground-Einstellung widerspricht, es ist nur eine Anpassung an die heutige Zeit. Es ist zum Beispiel perfekt, um Werbung für ein Konzert zu machen, man kann so eine Menge Leute erreichen. Warum sollte man diese Gelegenheit ungenutzt lassen? Unser Ziel ist nicht, den faulsten Hörer für uns zu gewinnen, nicht bei unserem Musikstil, denke ich, denn selbst wenn jeder die Informationen sehen kann, so muss man doch noch aktiv suchen, wenn man auf solche Underground-Stile steht.

Vor ein paar Tagen habe ich gelesen, dass es eine Blockheads DVD geben soll. Nun ja, ich bin kein großer DVD Fan, aber das würde mich trotzdem interessieren. Wann wurde die DVD veröffentlicht und was ist darauf zu sehen? Wurde die DVD auch über Relapse veröffentlicht oder kann man sie vielleicht direkt bei euch bestellen?

Wir haben die DVD 2010 gemacht. Wie ich schon geschrieben habe, hatten wir die Gelegenheit, in unserer Heimatstadt in einem großen Veranstaltungsort zu spielen, und mit unseren Freunden von TDK hatten wir die Idee, das Konzert für eine DVD aufzunehmen. Alle technischen Aspekte haben perfekt gepasst, also haben wir zugeschlagen. Ein paar Monate später haben wir in Paris gespielt, in einem besetzten Haus namens „La Miroiterie“, wo hauptsächlich DIY Grindcore/Punk Touren Station machen. Studenten einer Kunstschule fragten uns, ob wir einverstanden wären, gefilmt zu werden. Das war eine perfekte Idee, und wir konnten diese Show auch mit verwenden. Es war perfekt, denn es zeigt zwei verschiedene Live-Aspekte der Band, einmal auf einer großen Bühne und einmal im kleinen Rahmen, wo man dem Publikum von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht.
TDK haben uns bei der Aufnahme des Konzerts in Nancy geholfen und bei der ganzen Video-Bearbeitung. Abgesehen davon haben wir alles allein gemacht und es ganz im DIY-Geist veröffentlicht. Man kann die DVD bei unseren Konzerten bekommen oder direkt bei uns bestellen, am Ende des Interviews findet ihr die Kontaktdaten.

Blockheads gibt es nun schon seit 24 Jahren, Gratulation zu dieser langen Zeit und eurem Durchhaltevermögen. Euer erstes Demo wurde vor 20 Jahren veröffentlicht, wie hast du diese Zeit in Erinnerung, wenn du jetzt zurückblickst?

Zu dieser Zeit war es nur eine Gruppe von vier Teenagern, die beschlossen, eine Grindcore-Band zu gründen, nachdem sie die ersten Bands gehört hatten, die diesen Stil damals spielten. Frische und Unreife waren an der Tagesordnung, und als das erste Demo aufgenommen wurde, wussten wir so gut wie gar nichts über Aufnahmemethoden.

BLOCKHEADS - Live

Seit der Bandgründung habt ihr auf einer ganzen Menge Konzerte und Festivals gespielt und seid ganz gut in der Welt rumgekommen. Während Grindcore-Bands in Mitteleuropa für gewöhnlich keine Probleme haben, live zu spielen und ihre Meinung zu sagen – wie sieht die Situation in politisch schwierigen Ländern wie zum Beispiel in der Türkei, Israel, Russland… aus? Welche Erfahrungen habt ihr in diesem Zusammenhang gemacht?

Wir waren noch nie in diesen Ländern. Viele Bands sind in den letzten paar Jahren in Russland aufgetreten, wir haben mit einigen darüber gesprochen, und sie waren zufrieden mit ihrer Reise. Und falls es russische Veranstalter geben sollte, die etwas arrangieren wollen, dann wäre das klasse!

Ihr habt euch auch an der „Tribute to Compulsion“ Compilation beteiligt. Besonders dieses Jahr waren diese Kult-Amis ziemlich präsent auf Konzerten in Europa. Obwohl sie seit Jahren nichts Neues mehr veröffentlicht haben, würde mich interessieren: Was erwartest du von so einer Band, die anscheinend nach all den Jahren nichts von ihrem Kultfaktor eingebüßt hat?

A_Tribute_To_Repulsion_-_Compilation-LPRepulsion ist für uns wirklich eine Kult-Band. Wenn wir also dieses Jahr die Gelegenheit haben, sie live zu sehen, dann erwarten und erhoffen wir uns, dass sie uns mit einem großen Knall die Ohren wegblasen und uns auf direktem Weg in die Zeit Ende der 80er Jahre zurückkatapultieren… Als wir Teenager waren und diese Band entdeckten, war „Horrified“ hier ziemlich schwer zu finden… Aber wir reden hier von einer Band, die wir auch heute noch hören, unsere Antwort ist also sicher nicht objektiv, und wir verfallen schnell in Sentimentalität und Nostalgie für die guten, alten Zeiten…

Eine aktive Szene kann nur bestehen, wenn neue Bands am Ball bleiben und die alte Lärmtradition am Leben erhalten. Gibt es in Frankreich irgendein Festival, das auch neueren Underground-Bands eine Chance gibt? Welche Bands speziell aus Frankreich sind deiner Meinung nach erwähnenswert?

Wir haben hier ein paar phantastische Festivals. Es gibt natürlich das Hellfest, das ist das größte. Für alle Arten von Metal gibt es das Motocultor und das Sylak Open Air. Kanivo Chaos ist auch ein sehr gutes, wenn du auf Punk/Crust stehst.
Was Bands angeht, in den letzten Jahren sind ein paar klasse Bands aufgetaucht. Um ein paar zu erwähnen: Chiens (Powerviolence aus Nancy), Whoresnation (Grindcore aus Besancon), Trepandead (Grind-Death aus Lille), Ratbomb (Grind aus Straßburg)… Und natürlich die älteren wie Inhumate (Grind-Death aus Straßburg), Strong As Ten (Fastcore aus Metz), Gasmask Terror (Crust D-Beat aus Bordeaux)… Und andere, wegen denen ich mich dann schlecht fühlen werde, weil sie mir zu spät eingefallen sind…

Nächstes Jahr werden Blockheads 25 Jahre alt. Plant ihr etwas Besonderes, sagen wir: Werden ein paar ehemalige Mitglieder als Gastmusiker eingeladen oder wird es vielleicht ein reines Cover-Album geben, auf dem ihr ein paar Bands covert, die euch inspiriert haben, wie Napalm Death es mit „Leaders not Followers“ vor einigen Jahren gemacht haben?

Keine Ahnung… Vielleicht ein cooles Konzert mit einer tollen Party…

Okay, Jungs, das war’s. Ich will euch nicht noch länger aufhalten und nerven. Vielen Dank fürs Antworten! Ich hoffe, man sieht sich mal auf einem Festival. Bleibt dem alten Grindcore treu. Prost, und passt auf euch auf!

Gerne und danke an dich für dieses Interview. Natürlich wäre es klasse, dich zu treffen und bei ein paar Bier weiter über Old School Grindcore zu reden.
Danke an alle Leser, ihr könnt uns gern kontaktieren: blockheads-grindcore@gmail.com.
Unsere Konzertdaten sind auf unserer Facebook-Seite zu finden: www.facebook.com/blockheadsgrind ;-)
Und für Merchandise und DVDs könnt ihr an diese Adresse schreiben: hopelessgrind@yahoo.fr
Man sieht sich live!

http://blockheads.bandcamp.com/



Interview: Rayk Metz / Übersetzung: Katja Pabel
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