Life Crime – Ordinay Madness Excess


Life Crime - Ordinay Madness ExcessBrutal Truth sind Geschichte. Zum 50sten Geburtstag von Dan Lilker hört die abgedrehte Grind-Combo auf und hinterlässt eine große Lücke im vorwärtsdenkenden Grindcore. Richtig füllen wird sie wohl so schnell niemand können. Aber wenigstens ein bisschen Trost schenken. Da kommt das Debüt-Album von LIFE CRIME nämlich genau richtige!

Das 2010 in Graz, Österreich, gegründete Trio hat auf „Ordinary Madness Excess“ ordentlich Einschlag von den abgedrehten und dissonanten Ideen zwischen „Need To Control“ und „Sounds Of The Animal Kingdom„. Dazu kommt noch ein bisschen Thrashcore und Hardcore-Punk, der von den tanzbaren Uptempos und manchen Riffs ein wenig an die Dead Kennedys erinnert. Besonders „Not In The Now“ hat diesen punkigen Charme. Als Ergebnis pendeln die 14 Lieder in 24 Minuten extrem zwischen eingängigem Groove und absolut verstörenden Klangkulissen. Es ist keine Easy-Listening Musik. „Ordinary Madness Excess“ ist nur etwas für Fans von Brutal Truth oder Noisear, dreckig, räudig, so unschön wie die Welt in der wir leben!

Doch so unangenehm und beklemmend auch die Atmosphäre ist, LIFE CRIME übertreiben nie. Die dissonanten Riffs sind immer exakt so dosiert, dass sie den Hörer verstören, aber nie so extrem, dass sie die Lieder in reine Lärmwände zerfallen lassen. Wie gesagt, im krassen Kontrast zu den fast tanzbaren Uptempo-Passagen entsteht ein ziemlich ambivalentes Bild. Dazu der angepisste Gesang von Gigerl, der zwischen Kevin Sharp, alten Punk-Shouts und Power-Violence in allen erdenklichen, angrefessenen Extrema wildert. Bass gibt es bei LIFE CRIME eigentlich nicht. Aber zum Glück hat ein gewisser Jakob Wiedner auf „Ordinary Madness Excess“ ein paar tiefe Töne eingezimmert. Das herrlich scheppernde Instrument vollendet den rotzigen Sound, nimmt in „Interzone“ sogar eine prägnante Position ein. Das Gesamtbild klingt einfach herrlich dreckig! Jungs, holt den Mann fest in die Band!

Gelegentlich meint man zwar das Schema hinter dem Album verstanden zu haben, weiß wann Uptempo und wilde Blastbeats sich abwechseln. Dann können LIFE CRIME doch noch überraschen, spielen mal etwas mehr Harmonien ein und hinterlassen eine coole Tanznummer wie „Burnout Nostalgia„, kredenzen einen dreckigen Sludge-Brocken wie den Rauswerfer „Black Room“ oder zaubern den tonnenschweren und atmosphärischen Brecher „Underachiever„. „Odinary Madness Excess“ ist unschön, unbequem, vielleicht ein bisschen sperrig aber durchaus auch abwechslungsreich. Man sollte sich Zeit nehmen, damit das Album wachsen kann. Dann knallt es. So richtig!

Das archaische Artwork ziert in bester Crust/Grind-Manier das stimmige Digipak. Es gibt nie genug Figuren mit Skelettschädeln! Dazu kommt ein achtseitiges Booklet zum quadratischen aufklappen. Inklusive zwei Band-Fotos und den Texten. Passt schon und gibt es beim Label Unundeux für nen 12er.

Infos:
Unundeux – 20.01.2014
DigiCD – 14 Lieder / 23:59 Min.
http://unundeux.de
https://www.facebook.com/lifecrime