Golem – Eternity: The Weeping Horizons / The 2nd Moon


Golem - Re-ReleasesZeit für eine kleine Geschichtsstunde! FDA Rekotz führt uns in die Mitte der 1990er Jahre und präsentiert uns die ersten Beiden Alben der Berliner GOLEM. Wie so oft bei einem Re-Release, dürfte diese Neuauflage primär für die jüngere Generation gedacht sein. Wer sich hingegen etwas länger mit der hiesigen Szene auseinandergesetzt hat, dürfte an GOLEM kaum vorbeigekommen sein, auch wenn die faule Bande seit ihrem letzten Album „Dreamweaver“ (2004) nichts mehr rausgebracht hat. Indirekt ist ein Kontakt zu Sänger, Gitarrist und Komponist Andreas Hilbert über seine Tätigkeit als Tonmensch und Produzent durchaus möglich. In seinem Musicflash Studios haben immerhin schon Die Apokalytptischen Reiter, Harmonie Dies, Sinners Bleed, Goregast, oder Defeated Sanity.

Da ist es nur logisch, dass Andreas auch das Re-Mastering der beiden Alben für die Neuauflage übernommen hat. Das war scheinbar keine leichte Aufgabe, denn die Originalaufnahmen sind schon lange Verloren. (Dieses und weitere interessante Details aus der Geschichte von GOLEM gibt es im ausführlichen Interview mit dem Voices From The Darkside!) Aus den alten Master-Tapes konnte Andreas dennoch ein sehr gutes Endergebnis zaubern, die neuen Versionen klingen transparent, druckvoll und sehr ausgewogen.

Neben aufpoliertem Klanggewandt, ziert auch ein neues Artwork die Doppel-CD/LP. Ob nun rechtliche Hintergründe, oder schlicht die Unzufriedenheit über das eher atypische Cover von „Eternity“ der Grund waren, ist mir an dieser Stelle nicht bekannt. Das neue Cover überzeugt mich auf jeden Fall nicht wirklich. Der leere Hintergrund lässt das Motiv unvollständig wirken, die Ausführung zwischen frühneunziger Obskurität und etwas zu sauberer Technik harmoniert nicht sonderlich. Vielleicht stören mich einfach nur die Beigetöne und in anderen Farben ist die Wirkung eine ganz andere? Und so unpassend die nakten Tanten mit den Föhnfrisuren auf dem ursprünglichen Artwork von „Eternity“ auch waren, so sehr hat es auch einen absurden Charme. Gleiches gilt für das surreale Bild auf der „The 2nd Moon„.


Golem - EternityGolem - The 2nd Moon

Eternity: The Weeping Horizons“ erschien ursprünglich 1996 über Invasion Records und hat einen sehr deutlichen Einschlag von Carcass. Auch, wenn die Band das heute nicht mehr so gerne hört. Doch trotz der überdeutlichen Parallelen, geht der Sound deutlich über die bloße Kopie hinaus und nimmt noch Einflüsse von Death/Morgoth mit. „The 2nd Moon„, 1998 über Ars Metalli erschienen, geht noch deutlich weiter, und nimmt etwas mehr Grind und vor allen Dingen Black Metal auf. Dazu kommt das Konzept über die Sci-Fi-Story Dune, wo wohl auch der Soundtrack des gleichnamigen Films von David Lynch eine gewisse Rolle spielt. Zusammen bilden diese beiden Alben nicht nur ein spannendes Zeitzeugnis in der Geschichte von GOLEM, sondern sind auch für den deutschen Death Metal sehr wichtige Alben, die hier eine verdiente Wiederveröffentlichung feiern!

Neben der digitalen Vollbedienung als Download und Doppel-CD, gibt es beide Scheiben auch zum ersten Mal auf Schallplatte. Als Doppel-LP kommen die streng limitierte Version in klarem grün (100 Einheiten) und 400 Kopien in klassischem Schwarz. In dieser Form sicherlich nicht nur für die Youngster, die gerade massiv von der Retro-Welle im klassischen Death Metal profitieren, sondern auch für die alten Szene-Hasen eine durchaus interessante und sicherlich lohnende Option. Vollste Empfehlung!

Infos:
Eternity: The Weeping Horizons – 9 Lieder / 42:57 Min. / Invasion Records / 1996
The 2nd Moon – 9 Lieder / 43:24 Min. / Ars Metalli / 1998
Re-Release: FDA Rekotz – 2014
Doppel-CD/Doppel-LP – 18 Lieder / 86:22 Min.
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