Borow – The Pnakotic Manuscript


Borow - The Pnakotic ManuscriptMit „The Pnakotic Manuscript“ öffnen BOROW ihr drittes Necronomicon. Elf Verse in einer vierzigminütigen Messe. Visuell verdammt gut aufgemacht. Das Artwork ist konsequent und stimmig, wirkt wie gefundene Seiten aus dem Notizbuch Abdul Alhazreds, zeigen den Vernichtungszug des großen Cthulhus. Es ist ein Augenschmaus.
In die Welt getragen werden die Waisen um den kosmischen Horror und die tiefste See mannigfaltig. Veröffentlicht wurde die CD von Rebirth The Metal Productions (Deutschland) und Santanath Records (Russland). Verbreitet wird sie von Grimm Distributions, Coyote Records (gleichsam Russland) und in den US fucking A von Amputated Vein Records und Secared Records. Eine Streuweite, die BOROW sich gänzlich verdient haben!

Denn wo heute häufig monolithisch auf die Retrowelle geachtet wird, spielen die Russen eine angenehm moderne Interpretation alter Lehren. Das Grundprinzip erinnert stark an das nautische Album von Ichor, von der modernen Ausrichtung und dem technischen Anspruch auch ein wenig an Abysmal Dawn. Manche Strukturen, Harmonien und besonders der Gesang im Wechsel zwischen kernigen Growls und Schreien, haben auch einen Touch von The Black Dahlia Murder.
Doch ist „The Pnakotic Manuscript“ nicht einfach nur moderner Death Metal, sondern bedient sich auch geschickt an orchestralen Elementen aus der Dose. Dadurch, und nicht zuletzt durch das übergreifende Thema Lovecraft und ein wenig der Atmosphäre, erinnern BOROW auch an Sulphur Aeon. In der majestätischen Attitüde ist aber auch sicher ein Vergleich zu Behemoth nicht unangebracht, derweil manche Verbindung aus Orchester und Death Metal vielleicht auch parallelen zu Fleshgod Apocalypse erlaubt. Melodieverständnis und einige moderen Ideen klingen gleichermaßen nach etwas weniger progressiven Augury. Ein wilder Mix, der am Ende sehr eigenständig ist und sehr gut funktioniert!

Borow - The Pnakotic Manuscript - Artwork

Erfrischend an „The Pnakotic Manuscript„, ist der konsequente Verzicht auf moderne Plagen wie Breakdowns. Zugegeben, in „Through The Darkness Of The Twenty Seven Ages“ wird mal kurzzeitig rhythmisch auf einem Akkord rumgeritten, doch fällt dieser Moment in Anbetracht der stellaren Weite des Albums gar nicht auf. Da lässt der Black Metal-Vibe in „A State Of Beeing“ schon eher aufhorchen und die dissonante Atmosphäre aus „The Great Black“ zerstört eh jedwede Illusion der Trendanbiederung durch BOROW.

The Pnakotic Manuscript“ erlaubt sich generell keine Ausfälle. Selbst wenn die Songs mal nicht an das hohe Niveau der mächtigen „It’s Senselessly To Be Afraid Of End„, „Atomic Doom„, „The Great Black“ oder „The Patron Of Slaves“ rankommen, spielen BOROW immer noch deutlich in überdurchschnnittlicher Liga.
In der abwechslungsreichen Mischung aus morbiden Melodien, griffigen und teilweise polyphonen Riffs, mächtigem Geschnetzel, erhabener Haltung und intelligent eingesetzten Synthies, macht das Teil auch durchgängig Spaß und langweilt zu keiner Sekunde.

Ich bin positiv angetan und kann das Album nur empfehlen. Wer nur mal eben schnell reinhören mag, kann das über die zwei Songs auf dem Bandcamp-Profil von BOROW machen. Wer sich lieber etwas intensiver mit der Scheibe beschäftigen, stundenlang mit dem Kopfhörer ein Urteil vor dem Kauf fällen mag, der findet direkt über die Facebook-Seite der Band das komplette Album zum kostenlosen Download. Aber seid bitte fair, wenn ihr das Teil runterladet, dann sagt der Band auch bitte eure Meinung (darum bitten sie für das Rar-Archiv) und bei Gefallen kauft die CD von Rebirth The Metal Productions. Kostenlose Musik ist schön und gut, aber wenn alle nur noch für lau runterladen, bringen gerade die kleinen Labels in naher Zukunft gar nichts mehr als physischer Tonträger raus. Das wäre wirklich schade!

Infos:
Rebirth The Metal Productions / Satanath Records – 2013
CD – 11 Lieder / 38:09 Min.
https://www.facebook.com/borowofficial
http://borow.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/rebirththemetalproductions