Sun Worship – Unru – Split 12″


Sun Worship - Unru - Split 12Es sind wohl die stärksten Vertreter des deutschen Black Metals, die sich hier für eine Split zusammengetan haben. Dabei kann man getrost vergessen, dass SUN WORSHIP aus Berlin und UNRU aus Bielefeld nicht den gängigen Klischees gerecht werden, und auf Corpsepaint, Leder und Nieten verzichten. Sie stammen beide aus einer alternativen Black Metal Bewegung, die den konservativen Metalheads häufig zuwider ist, die in autonomen Zentren zuhause ist und frische Ideen und Einflüsse in die Musik einbringt. Doch gerade diese Experimentierfreude gepaart mit traditionsbewusstsein macht beide Bands unglaublich stark!

Dabei liefern SUN WORSPHIP mit ihrem epischen 12-minuten Brecher „Remembrance“ den wohl gefälligsten Song der Kollaboration. Irgendwo mit schwedischem Melodieverständnis, norwegisch-harschen Vocals und der Atmosphäre aus dem „Cascadian“ Black Metal werden Retrospektive mit modernen Ideen vermischt und sehr unterhaltsam aufbereitet. Fans von Wolves In The Throne Room, früheren Altars Of Plagues, Fen, Krallice oder Ash Borer werden von der ersten Sekunde begeistert sein. Doch spätestens der erhabene Mittelteil mit den mehrstimmigen Gitarrenmelodien sollte auch Fans von Dissection gefallen. Eine grandiose Fortentwicklung zu „Surpass Eclipse„, die ich bereits ordentlich abgefeiert habe. „Remembrance“ mag nicht so griffig und direkt sein, entfaltet sich aber nach und nach zu einer unglaublich geilen Nummer.

UNRU sind da mehr auf Krawall gebürstet. Nichts mit Post-Black Metal, sondern eher der dreckige Hybrid zwischen der morbiden Atmosphäre von Dark Funeral und dem destruktiven Minimalismus der französischen Szene, Aosoth oder Deathspell Omega. Mit knapp 10 Minuten Spielzeit, nimmt sich „Von der Flüchtigkeit des Todes“ etwas mehr Zeit, wirkt strukturierter und atmosphärischer, als noch das Demo. Der D-Beat Crust-Anteil scheint auch weiter geschrumpft und es herrscht nur noch die klirrende Kälte des Black Metals. Nett verwoben zwischen mürbend repetitivem Ufta-Ufta, tribalen Drums und leicht entrückten Blastbeats, die durch ihre Nähe zu Deathspell Omega dem Post-Black Metal gar nicht mehr so fern sind.
Doch einfach ist der Song mitnichten. Es ist ein mächtiger Hassklumpen, der noch mehr wachsen und wuchern muss, als es die SUN WORSHIP Seite sollte. Wenn es dann aber einmal klick gemacht hat, dann brettern UNRU alles nieder und sind definitiv das tödlichere, nihilistischere Geschoss auf dieser EP.

In der Symbiose ist die Split ein absolutes Highlight! Griffige Melodien, großartige Songs, garstige Atmosphäre. Black Metal mit der Vergangenheit im Hinterkopf und neuen Ideen in der Ausführung. Großes Kino, dicke Frischzellenkur für eine inzestuöse Szene. Und mit Sicherheit ein rotes Tuch für die Corpsepaint, Leder und Nieten-Fraktion der Szene.

Sickmangettingsick.Records haben bei der physischen Repräsentation auch alles richtig gemacht! Schickes Cardboard, innen schwarz, als Hülle, schwarzes Innersleeve, zwei silbern bedruckte Motivkarten und ein das Lyric-Sheet als Prägedruck auf schwarzem Karton. Alles sehr sexy und sein Geld mehr als wert. Zur schwarzen Vinyl gibt es noch die Brücke in die Moderne, einen Download-Code für Bandcamp.

Derweil bei SUN WORSHIP die Platte bereits ausverkauft ist, bekommt man sie bei SMGS und UNRU noch für faire 11 Euro. Für die 22 Minuten Musik und das unglaublich hübsche Package ist das ein mehr als angemessener Preis!

Infos:
Sick Man Getting Sick / An Out Recordings- 2014
12″ EP – 2 Lieder / 21:58 Min.
http://sunworship.bandcamp.com/
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http://unru.bandcamp.com/
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https://www.facebook.com/sickmangettingsickrecords
http://anout.bandcamp.com/