Lurk – Kaldera


Lurk - KalderaNormalerweise ist es ja nicht meine Baustelle. Aber LURK liefern hier mit ihrem zweiten Album einen dermaßen dreckigen Hassbrocken ab, dass man ihn einfach gernhaben muss. Denn die vier Finnen addieren zu den bekannten und oft ziemlich eintönigen Bausteinen des Sludge/Dooms ordentlich Garstigkeit und Finsternis aus dem Black und Death Metal sowie einer dezenten Priese Progression, die „Kaldera“ mit dem gewissen Twist schmückt.

Gelegentlich mögen die Riffs in die triefenden Klischees rutschen, etwas nach Black Sabbath oder etwas mehr nach Crowbar klingen. Glücklicherweise sind die Parallelen aber nie sonderlich penetrant, sondern werden durch den nötigen Schlag Dreckigkeit fernab der Massenkompatibilität gezerrt. Da tut sicherlich auch der Gesang das seine, um „Kaldera“ so unpopulär und räudig wie möglich zu machen. In seinem Variationsreichtum entfalten sich gleichzeitig gänzlich neue Dimensionen zu der Musik.

Hauptsächlich sind es raue Shouts, gelegentlich mit den typischen Doom-Hooks. Doch wenn die Stimmung richtig pessimistisch wird, wird der Gesang gleichsam immer verbitterter, krächzender, geschrien. Gerade in den exponierten Momenten, wenn nur Gitarren und Stimme ein Bild malen, wie in „6 Feet, 6 Years„, gerade dann wirkt der Minimalismus unglaublich brutal. Da mag man gar nicht glauben, dass im folgenden „Sag Serene“ fast schon gesungene Töne angeschlagen werden. Aber zum Glück nur fast!

Musikalisch bieten LURK einen ähnlichen Fassettenreichtum. Abseits der typischen Riffs und Grooves finden sich immer wieder kalte und unheilvolle Melodien, mal böser und verzweifelter, näher am Black Metal wie in „Rest Unitaries„, mal schlicht dreckig wie in „Lorn„. Im krassen Kontrast zieren gar bittersüße Hoffnungsschimmer „6 Feet, 6 Years„. Und immer wieder werden in Aufbau und Konstruktion Zitate aus dem klassischen Blues eingestreut, in „Ritual„, dem Mittelteil von „Lorn“ oder dem Titeltrack.

Angereichert wird die ohnehin vielschichtige Musik durch genrefremde Instrumente, die an geschickten Stellen besondere Akzente setzen. Im Opener „Below Flesh“ meine ich eine Klarinette zu erkennen, „6 Feet, 6 Years“ hat Streicher. Im Gesamtbild von acht Liedern mögen diese zwei Stellen nicht gerade Viel erscheinen, machen aber dennoch ziemlichen Eindruck.

In dieser Experimentierfreude, dem Spiel mit Dynamik und Klangfarben, tonnenschwerer Fülle und minimalistischen Passagen, ist „Kaldera“ wie eine Hochzeit aus Eyehategod, Crowbar, Neurosis und Mourne. Einen richtigen Ausfall erlaubt sich LURK auf diesem Zweitwerk nicht. Auch wenn der Titeltrack nicht an die Qualität des restlichen Albums heranreicht, am Ende in seinen unterschiedlichen Aspekten etwas ausfranst, sich verliert. Und ein populäres Album mit griffigen Riffs und eingängigen Refrains ist „Kaldera“ auch nicht. Auch wenn „6 Feet, 6 Years“ mit beiden Elementen ziemlich im Ohr hängen bleibt. Doch primär ist es ein dreckiges Stück Doom/Sludge mit garstiger Attitüde und intelligenten Twists. Alle Achtung und bedingungslose Empfehlung – auch wenn man eigentlich mit dem Genre nicht sonderlich viel anfangen kann!

Infos:
Doomentia Records – 24.01.2014
CD/LP – 8 Lieder / 45:30 Min.
https://www.facebook.com/lurkdoom
http://lurk666.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/DoomentiaRecords
http://www.doomentia.com/